Arzneimitteldaten und Datenbanken
August 3, 2026
6 Minuten

Chargenrückruf

Ein Chargenrückruf nimmt gezielt betroffene Chargen eines Arzneimittels wegen eines Qualitäts- oder Sicherheitsmangels aus Markt und Lieferkette zurück. Ausgelöst wird er vom Hersteller oder von der Behörde und über Rote-Hand-Brief, AMK-Nachrichten und Fachpresse kommuniziert. Für die Fachkreise zählt die schnelle Zuordnung: pharmazie.com führt je PZN chargenrelevanten Statuskontext und verknüpft Risikoinformationen.

Inhaltsverzeichnis
    Kurz gefasst
    • Ein Chargenrückruf nimmt gezielt betroffene Chargen eines Arzneimittels wegen eines Qualitäts- oder Sicherheitsmangels aus Markt und Lieferkette.
    • Ausgelöst wird er vom pharmazeutischen Unternehmer, von der Landesüberwachungsbehörde oder, seit 2019 in dringenden Fällen, vom BfArM; für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel vom PEI.
    • Der Rote-Hand-Brief ist ein Informationsschreiben über ein Risiko, die AMK-Meldung ein Verteilweg an Apotheken; nur der Rückruf ist die Rücknahmemaßnahme selbst.
    • Rechtsgrundlage ist das AMG, unter anderem der Stufenplan nach §63 und die Anordnungsbefugnis nach §69.
    • pharmazie.com führt je PZN chargenrelevanten Statuskontext und verknüpft Risikoinformationen, per REST-API und Datenexport, ohne Vollständigkeitsanspruch.

    Chargenrückruf bezeichnet die Maßnahme, mit der bestimmte betroffene Chargen eines Arzneimittels wegen eines Qualitäts- oder Sicherheitsmangels aus Markt und Lieferkette zurückgenommen werden. Anders als ein vollständiger Produktrückruf betrifft er nur die über ihre Chargenbezeichnung identifizierten Packungen.

    Auslöser sind Qualitätsmängel wie Verunreinigungen, Deklarations- oder Verpackungsfehler oder neu erkannte Sicherheitsrisiken. In Deutschland leiten pharmazeutische Unternehmer einen Rückruf entweder eigenverantwortlich ein oder die zuständigen Landesüberwachungsbehörden ordnen ihn an; das BfArM kann seit 2019 in dringenden Fällen selbst einen Rückruf anordnen. Für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zuständig. Kommuniziert wird über Rote-Hand-Briefe, Firmenmitteilungen, die Fachpresse, AMK-Nachrichten und, bei schwerwiegenden Fällen, Pressemitteilungen der Behörden.

    Rechtlich stützt sich das Verfahren auf das Arzneimittelgesetz (AMG). Der Stufenplan nach §63 AMG regelt, wie Bundesoberbehörden, Landesbehörden und pharmazeutische Unternehmer bei Arzneimittelrisiken zusammenarbeiten; §69 AMG ermächtigt die Behörden, das Inverkehrbringen zu untersagen, den Rückruf anzuordnen und eine öffentliche Warnung auszusprechen.

    Wo liegt der Unterschied zwischen Rückruf, Rote-Hand-Brief und AMK-Meldung?

    Kurz beantwortet: Der Rückruf ist die Maßnahme, mit der betroffene Ware zurückgenommen wird. Der Rote-Hand-Brief ist ein Informationsschreiben des Herstellers über ein Risiko, das einen Rückruf ankündigen kann, aber auch nur eine Warnung oder geänderte Kontraindikation transportieren kann. Die AMK-Meldung ist der Verteilweg an die Apotheken.

    MerkmalChargenrückrufRote-Hand-BriefAMK-Meldung
    CharakterMaßnahme: Rücknahme betroffener WareInformationsschreiben über ein ArzneimittelrisikoKommunikations- und Verteilweg an Apotheken
    Auslöser oder AbsenderPharmazeutischer Unternehmer, Landesbehörde oder BfArM/PEIPharmazeutischer Unternehmer, abgestimmt mit der BundesoberbehördeArzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK)
    ZweckBetroffene Chargen aus Markt und Lieferkette entfernenÜber neue Risiken, Maßnahmen oder Anwendungshinweise informierenRisikoinformationen bündeln und an Apotheken zustellen
    Enthält immer einen Rückruf?Ja, per DefinitionNein, kann auch nur warnen oder Hinweise gebenNein, transportiert verschiedene Meldungstypen

    Wie läuft ein Chargenrückruf in der Lieferkette ab?

    Kurz beantwortet: Nach der Auslösung wird die Rückrufinformation über die etablierten Kanäle verbreitet, Apotheken und Großhandel prüfen ihren Bestand gegen die betroffene Chargenbezeichnung und führen die Ware zurück oder vernichten sie, dokumentiert und nachvollziehbar.

    1. Der pharmazeutische Unternehmer oder die Behörde stuft den Mangel ein und legt die Rückrufstufe fest, etwa Großhandels-, Apotheken- oder Patientenebene.
    2. Die Rückrufinformation geht über Rote-Hand-Brief, AMK-Nachrichten, Fachpresse und Behördenkanäle an die Lieferkette.
    3. Über das behördeninterne Rapid-Alert-System nach §68 AMG werden andere EU-Mitgliedstaaten und internationale Partner informiert.
    4. Apotheken und Großhandel gleichen ihren Bestand gegen die betroffene Chargenbezeichnung ab und separieren die identifizierte Ware.
    5. Die betroffenen Packungen werden an Großhandel oder Hersteller zurückgeführt oder vernichtet, mit Dokumentation des Vorgangs.

    Wie unterstützt pharmazie.com bei Rückrufen?

    Kurz beantwortet: pharmazie.com führt je PZN artikel- und chargenrelevanten Statuskontext und verknüpft Risikoinformationen, sodass sich betroffene Artikel über ihre Identifikatoren einordnen lassen, per Weboberfläche, REST-API oder Datenexport. Die rechtsverbindliche Rückrufauslösung bleibt Sache von Hersteller und Behörde, einen Vollständigkeitsanspruch auf alle Rückrufe erhebt pharmazie.com nicht.

    Praktisch heißt das: Sie ordnen einen Rückruf über die PZN und den Vertriebsstatus des betroffenen Artikels ein und verbinden ihn mit angrenzenden Themen wie einem Lieferengpass, der aus einem Rückruf folgen kann. Die PZN bleibt der Schlüssel, über den sich Bestände und Nachfolgeartikel identifizieren lassen.

    • Datenpunkt: artikel- und chargenrelevanter Statuskontext je Artikel, verknüpft mit Risikoinformationen
    • Granularität: je PZN
    • Quelle: ABDA-Artikelstamm (ABDATA) und verknüpfte Risikoinformationen
    • Aktualität: täglich aktualisiert
    • Zugang: Weboberfläche, REST-API, Datenexport

    Quellen

    Author Image
    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Was ist ein Chargenrückruf?
    Wer löst einen Arzneimittelrückruf aus?
    Was ist der Unterschied zwischen einem Rückruf und einem Rote-Hand-Brief?
    Auf welchen Rechtsgrundlagen beruht ein Chargenrückruf?
    Welche Rolle spielt die AMK bei Rückrufen?
    Was müssen Apotheken bei einem Chargenrückruf tun?

    Weitere Begriffe

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