Drug Data and Databases
August 6, 2026
7 Minuten

Arzneimittel-Rohdatenlizenzen: Welche Lizenz Sie brauchen und woher

Sie erkennen in wenigen Minuten, welche Rohdatenlizenz Ihr Use Case erfordert, von welcher Quelle und wie Sie die Daten sauber integrieren.

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Table of contents
    Summary
    • Eine Rohdatenlizenz berechtigt Sie, strukturierte Arzneimitteldaten in eigene Software, ERP-Systeme oder Plattformen zu laden und zu nutzen.
    • In Deutschland gibt es zwei zentrale Quellen: die IFA für Stammdaten und Preise, ABDATA (Avoxa) für wissenschaftlich angereicherte Volldaten inklusive Wirkstoffen und Fachinformationen.
    • Die Wahl richtet sich nach dem Use Case: WAWI, ERP und Preisvergleich kommen oft mit Stammdaten und Preisen aus, AMTS-, Interaktions- und App-Anwendungen brauchen die angereicherten Daten.
    • Der Dateninhalt ist rechtlich vorgeprägt: SGB V, Arzneimittelpreisverordnung und AMNOG bestimmen, welche Preise, Abschläge und Erstattungsangaben enthalten sein müssen.
    • pharmazie.com bündelt den ABDA-Artikelstamm und 25+ Datenbanken in einer Suche, mit API-Zugriff, 14-tägiger Aktualisierung und internationalen Produktdaten aus 50+ Ländern.

    Eine Arzneimittel-Rohdatenlizenz brauchen Sie immer dann, wenn Sie strukturierte Arzneimitteldaten nicht nur einzeln nachschlagen, sondern maschinell in eigene Software, ERP-Systeme oder Plattformen einbinden wollen. In Deutschland gibt es dafür zwei zentrale Quellen: die IFA für Stammdaten und Preise sowie ABDATA (Avoxa) für wissenschaftlich angereicherte Volldaten. Welche Lizenz die richtige ist, entscheidet Ihr konkreter Anwendungsfall. Dieser Leitfaden ordnet Quellen, Datenumfang, Rechtsrahmen und Integration so, dass Sie die passende Lizenz sicher auswählen.

    Was ist eine Arzneimittel-Rohdatenlizenz?

    Unter Arzneimittel-Rohdaten versteht man strukturierte Datensätze mit allen wesentlichen Informationen zu Medikamenten: von Identifikationsnummern wie der PZN über Wirkstoffe und Indikationen bis zu Preisen und Erstattungsangaben. Eine Rohdatenlizenz ist die vertragliche Vereinbarung, die Ihnen das Recht einräumt, diese Daten herunterzuladen, in Ihre Systeme zu laden und im vereinbarten Umfang zu nutzen. Der Unterschied zu einem reinen Online-Zugang liegt in der Weiterverarbeitung: Erst wenn Sie Daten automatisiert in eigene Anwendungen einspeisen, brauchen Sie eine Rohdatenlizenz.

    Ohne lizenzierte Rohdaten müsste jede Organisation die Informationen selbst erheben und pflegen. Angesichts zehntausender Präparate und laufend wechselnder Preise und Regeln ist das praktisch nicht leistbar. Deshalb bilden lizenzierte Rohdaten das Fundament vieler digitaler Abläufe im Gesundheitswesen, von der Apothekensoftware über Marktanalysen bis zu Erstattungssystemen der Kostenträger.

    Wann brauchen Sie eine Rohdatenlizenz?

    Die Faustregel: Sobald Daten Ihr System verlassen oder in ein System einfließen sollen, brauchen Sie eine Lizenz. Typische Auslöser sind:

    • Sie bauen Warenwirtschaft, ERP oder ein Bestellsystem und wollen Artikel per PZN anlegen und bepreisen.
    • Sie betreiben ein Preisvergleichs- oder Analyseportal und werten Preisbewegungen aus.
    • Sie entwickeln eine Gesundheits-App, eine Medikationsanalyse oder eine DiGA und benötigen Wirkstoffe und ATC-Codes.
    • Sie stellen Klinik- oder Apothekensoftware bereit, die Fachinformationen und Interaktionsprüfungen einbindet.

    Für die reine Einzelrecherche einer Fachkraft genügt in der Regel ein Online-Zugang. Die Lizenzpflicht greift erst, wenn Sie Daten automatisiert weiterverarbeiten oder an berechtigte Fachkreise weitergeben.

    IFA oder ABDATA: die zwei zentralen Quellen

    Der deutsche Markt für Arzneimittel-Rohdaten kennt zwei Grundpfeiler, die sich in Umfang, Aufbereitung und Aktualisierung unterscheiden.

    MerkmalIFAABDATA (Avoxa)
    RolleWirtschaftliche BasisdatenWissenschaftlich angereicherte Volldaten
    KerninhalteStammdaten, Preise, gesetzliche Kennzeichenzusätzlich Wirkstoffe, ATC-Codes, Fachinformationen, Interaktionen, AMTS
    Aufbereitungtechnisch teils codiert, Aufbereitung nötigabrechnungsfertig und klinisch aufbereitet
    Typische NutzerWAWI, ERP, Bestell- und PreisportaleApotheken-, Klinik- und AMTS-Software, Apps

    Die IFA liefert die wirtschaftlichen Fakten je Artikel und gilt als Basisquelle für alle, die mit deutschen Arzneimittel-Stammdaten arbeiten. ABDATA, der Pharma-Daten-Service der Avoxa-Mediengruppe, baut darauf auf und ergänzt die klinisch-pharmazeutische Ebene. Der ABDA-Artikelstamm umfasst alle in Deutschland vertriebenen Fertigarzneimittel und apothekenüblichen Waren mit ihren wirtschaftlichen und rechtlichen Fakten und wird 14-täglich zum 1. und 15. des Monats als Rohdaten-Paket bereitgestellt. Die zugehörige ABDA-Datenbank enthält für rund 50.000 Arzneimittel Zusammensetzung, Indikationen, Dosierung und Nebenwirkungen.

    Welche Lizenz für welchen Use Case?

    Statt pauschal die größte Lizenz zu kaufen, richten Sie die Wahl am Bedarf aus:

    • Nur Stammdaten und Preise (Warenwirtschaft, ERP, Bestellsysteme, Preisvergleichsportale): Hier genügt die IFA-Rohdatenlizenz.
    • Wirkstoffe und ATC-Codes (Gesundheits-Apps, Medikationsanalyse, DiGA): Diese Inhalte erfordern eine ABDATA-Lizenz von Avoxa.
    • Fachinformationen und Interaktionsprüfung (Kliniksoftware, AMTS-Systeme, Apotheken-Software): Auch hier ist die angereicherte ABDATA-Lizenz zwingend, weil Interaktions- und Sicherheitsmodule enthalten sein müssen.

    Viele Anwender kombinieren daher: die wirtschaftlichen Basisdaten für Abrechnung und Bestellung, dazu die angereicherten Inhalte für Medikationssicherheit. Wer beides braucht, spart Aufwand mit einer Bezugsquelle, die die Bestände bereits integriert bereitstellt.

    Welche Daten stecken in einer Rohdatenlizenz?

    Der genaue Umfang hängt vom Anbieter und Paket ab, doch das Spektrum ist vergleichbar:

    • Stammdaten: PZN, Produktname, Darreichungsform, Packungsgröße, Hersteller, Verschreibungsstatus und Betäubungsmittelkennzeichen.
    • Preisdaten: die nach Arzneimittelpreisverordnung berechneten Preise, etwa Apothekeneinkaufspreis und Apothekenverkaufspreis inklusive Mehrwertsteuer, sowie gesetzliche Herstellerabschläge nach Paragraf 130a SGB V.
    • Erstattungs- und Regeldaten: Festbeträge, Hinweise auf Erstattungsbeträge nach AMNOG-Verhandlungen und Kennzeichnung rabattierter Präparate nach Paragraf 130a Absatz 8 SGB V.
    • Wirkstoff- und Zulassungsinformationen: Wirkstoffe mit ATC-Code, Indikationen, Warnhinweise sowie weiterführende Dokumente.
    • Interaktions- und Sicherheitsdaten: Module zur Prüfung von Wechselwirkungen und zur Arzneimitteltherapiesicherheit.
    • Historische und internationale Daten: Preishistorien je PZN sowie Referenzen zu ausländischen Präparaten, hilfreich für Import- und Parallelhandelsvergleiche.

    Rechtlicher Rahmen: was den Dateninhalt bestimmt

    Der Inhalt einer Rohdatenlizenz ist nicht frei gewählt, sondern rechtlich vorgeprägt. Das SGB V regelt die Arzneimittelversorgung: Paragraf 129 steuert Abgabe und Substitution, Paragraf 130a die Herstellerabschläge, Paragraf 130b die Erstattungsbeträge nach AMNOG und Paragraf 35 die Festbeträge. Die Arzneimittelpreisverordnung legt die Preisbildung für verschreibungspflichtige Präparate fest, weshalb der ausgewiesene Verkaufspreis korrekt abgebildet sein muss. Seit dem AMNOG von 2011 durchlaufen neue Wirkstoffe eine frühe Nutzenbewertung, deren Ergebnis den Erstattungsbetrag beeinflusst. Rohdaten müssen solche Änderungen zeitnah nachführen, damit Abrechnungen korrekt bleiben.

    Produktdaten wie Name, Preis oder Inhaltsstoffe sind selbst keine personenbezogenen Daten und unterliegen nicht der DSGVO. Sobald Sie diese Daten jedoch mit Patientendaten verknüpfen, etwa bei einem Interaktionscheck, greifen strenge Datenschutzpflichten. Lizenzverträge regeln zudem, dass Daten nicht unbefugt an Dritte weitergegeben oder öffentlich zugänglich gemacht werden dürfen.

    Technische Integration: Formate, Schnittstellen, Hosting

    Haben Sie die Quelle gewählt, stellt sich die Frage der Einbindung. Rohdaten werden klassisch als Download-Paket in strukturierten Formaten geliefert, häufig CSV oder XML, und typischerweise alle 14 Tage aktualisiert. Der Trend geht zu API- und Webservice-Zugriff: Statt den vollen Bestand lokal zu hosten, stellt Ihre Anwendung einzelne Abfragen, etwa nach PZN, in Echtzeit an das System des Anbieters. Der Vorteil liegt in Hosting und Updates, die der Anbieter übernimmt. In Umgebungen mit strengen Validierungsprozessen, etwa in der Klinik-IT, bleiben geprüfte Offline-Datenstände dennoch wichtig.

    Der Integrationsaufwand skaliert mit dem Umfang. Reine Stammdaten lassen sich leicht in eine Datenbank importieren. Große Gesamtbestände mit vielen verknüpften Tabellen erfordern eine durchdachte Import- und Abgleichlogik, die Neuaufnahmen, Änderungen und Löschungen sauber verarbeitet. Achten Sie darauf, dass das Format dokumentiert und über Versionen konsistent bleibt.

    Kosten und Lizenzmodelle

    Rohdatenlizenzen werden üblich als Jahreslizenz vergeben, gestaffelt nach Standort, Nutzerzahl oder Datenumfang. Die Basispakete mit Stammdaten und Preisen liegen deutlich unter den angereicherten Vollpaketen mit klinischen Inhalten. Für institutionelle Lizenzen der wissenschaftlichen Datenbank sind mehrere Tausend Euro jährlich einzuplanen. Da die genauen Konditionen vom Anbieter und Umfang abhängen, lohnt ein Angebot für Ihren konkreten Use Case, statt sich an pauschalen Listenpreisen zu orientieren.

    pharmazie.com als integrierte Bezugsoption

    Wer Basisdaten und angereicherte Inhalte ohnehin kombinieren muss, spart Aufwand mit einer Quelle, die die Bestände bereits zusammenführt. pharmazie.com bündelt mehr als 25 pharmazeutische Datenbanken in einer Suche. Der ABDA-Artikelstamm ist Teil der verfügbaren Bestände. Der Zugriff ist per Weboberfläche oder über API und Webservice möglich, die Aktualisierung erfolgt 14-täglich, und über die deutschen Daten hinaus stehen Produktinformationen aus mehr als 50 Ländern bereit, was für Import- und Parallelhandelsfragen relevant ist. Für Fachanwender, denen Datenvielfalt, Aktualität und ein integrierter Zugriff wichtiger sind als das Zusammenstellen einzelner Lizenzen, ist das eine praktikable Option. Welche Lizenzebene Sie am Ende brauchen, bleibt anwendungsfallabhängig: Der hier gezeigte Entscheidungspfad führt Sie zuverlässig dorthin.

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn is CEO of DACON Datenbank Consulting GmbH and has been building pharmaceutical information infrastructure since 1989. She writes on drug data standards, pricing regulation and market access in the DACH region.

    FAQ

    Was ist eine Arzneimittel-Rohdatenlizenz?
    Welche Lizenz brauche ich für welchen Anwendungsfall?
    Wann brauche ich eine Rohdatenlizenz für Arzneimitteldaten?
    In welchen Formaten und über welche Schnittstellen kommen die Daten?
    Was ist der Unterschied zwischen der IFA- und der ABDATA-Lizenz?
    Enthält pharmazie.com den ABDA-Artikelstamm?
    Since 1989, over 1,000 customers have placed their trust in our data.

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