Arzneimitteldaten und Datenbanken
September 11, 2026
8 Min.

Wirkstoff und Stärke zu einer PZN außer Handel: woher kommen die Daten nach der Löschung?

Wirkstoff und Stärke zu einer PZN außer Handel stehen nach der Löschung nicht mehr im laufenden Artikelstamm. Ein Arzneimittel bleibt nach der Kennzeichnung „außer Vertrieb“ noch 24 Monate sichtbar. Danach liefert das Archiv gelöschter deutscher Fertigarzneimittel Wirkstoffe, Stärken und ATC-Code, geordnet nach der Darreichungsform, mit einem Bestand seit November 2003.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Nach der Kennzeichnung „außer Vertrieb“ bleibt ein Arzneimittel noch 24 Monate in den Datenbankprodukten sichtbar, danach ist es gelöscht.
    • Eine gelöschte PZN wird nie wieder veröffentlicht und bleibt damit ein dauerhaft eindeutiger historischer Schlüssel.
    • Die PZN-Historie zeigt wirtschaftliche Verläufe seit 2020, aber keine Wirkstoffe. Wirkstoff und Stärke liegen im Archiv gelöschter Fertigarzneimittel, Bestand seit November 2003.
    • Das Archiv ist nach der Darreichungsform geordnet. Die M2-Nummer verbindet es mit den PZN der einzelnen Packungen.
    • Den Altbestand holen Sie einmalig als JSON oder CSV, neue Lücken verhindert ein Löschungsabgleich zu jedem Veröffentlichungstermin.
    • Grenze: keine historische Fachinformation, keine IDMP-Kodierung, PZN-Zuordnung vor 2020 nicht durchgängig gesichert.

    Wirkstoff, Stärke und ATC-Code zu einer PZN außer Handel finden Sie nicht mehr im laufenden Artikelstamm, sobald das Arzneimittel gelöscht ist. Nach der Regel der Informationsstelle für Arzneispezialitäten (IFA) bleibt ein Arzneimittel nach der Kennzeichnung „außer Vertrieb“ noch 24 Monate in den Datenbankprodukten sichtbar, danach ist es gelöscht. Die pharmazeutischen Angaben kommen dann aus einem Archiv gelöschter deutscher Fertigarzneimittel, und dieses Archiv ist nach der Darreichungsform geordnet, nicht nach der Packung. Dieser Beitrag richtet sich an Redaktionen und Datenteams, die eine eigene Arzneimitteldatenbank pflegen, etwa in Fachverlagen, Softwarehäusern und Arzneimittelinformationsdiensten. Er zeigt, welche Felder die Recherche zu historischen Wirkstoffdaten tragen, wie Altbestand und laufende Löschungen in Ihr System kommen und wo dieser Weg endet.

    Der Use-Case: Anfragen zu einer PZN außer Handel, die nicht mehr im Datenbestand steht

    Wer eine eigene Arzneimitteldatenbank pflegt, gleicht sie zu jedem Veröffentlichungstermin gegen den Artikelstamm ab. Neue PZN kommen hinzu, gelöschte fallen heraus. Der Bestand bleibt damit aktuell, verliert aber mit jeder Löschung ein Stück Vergangenheit. Die Anfragen richten sich nicht nach diesem Rhythmus: Eine PZN kommt aus einem älteren Datensatz, aus einem Dokument oder aus einem angebundenen Kundensystem herein, und das zugehörige Arzneimittel ist längst nicht mehr im Markt.

    In Discovery-Gesprächen mit Datenredaktionen taucht die Frage in genau dieser Form auf: Gibt es zu PZN, die nicht mehr im Markt sind, die Wirkstoffe, Stärken und Mengenangaben in strukturierter Form? Die Betonung liegt auf strukturiert. Dass die Information irgendwo existiert, in einer abgelegten Fachinformation oder einem früheren Datenstand, ist selten das Problem. Das Problem ist, dass sie sich nicht maschinell an eine PZN hängen lässt.

    Für Softwarehäuser, die Arzneimitteldaten an Pflegeeinrichtungen und andere Anwender ausliefern, hat die Frage eine zweite Seite. Dort kommt der Anwender mit einer PZN ins System und erwartet einen Treffer. Packungsname und Packungsgröße lassen sich aus vielen Quellen beziehen. Der Mehrwert entsteht erst, wenn der Wirkstoff mitkommt, auch bei einem Präparat, das nicht mehr vertrieben wird.

    Welche Felder die Recherche zu Wirkstoff und Stärke einer PZN außer Handel verlangt

    Kurz: Sie brauchen drei Feldgruppen. Erstens die Identifikation über PZN, Handelsname und Anbieter. Zweitens den pharmazeutischen Inhalt mit Wirkstoff, Stärke und Darreichungsform. Drittens die Verknüpfungsfelder, die das Archiv mit der PZN und mit heute vertriebenen Präparaten verbinden. Die dritte Gruppe wird am leichtesten vergessen, dabei entscheidet sie, ob sich ein historischer Datensatz überhaupt importieren lässt.

    FeldWofür es im Use-Case gebraucht wirdStatus
    PZNAnker der Anfrage und Schlüssel im eigenen SystemPflicht
    HandelsnameKlartext zur Plausibilisierung der ZuordnungPflicht
    AnbieterWer das Arzneimittel zuletzt in Verkehr gebracht hatPflicht
    DarreichungsformUnterscheidet Tablette, Lösung oder Pflaster mit demselben WirkstoffPflicht
    Wirkstoff(e)Kern der AnfragePflicht
    Wirkstoffstärke mit EinheitMacht die Angabe fachlich verwertbar; ohne Stärke ist der Wirkstoff nur ein NamePflicht
    HilfsstoffeRelevant bei Rückfragen zu Unverträglichkeitenoptional
    ATC-CodeBrücke zu heute vertriebenen Präparaten mit demselben WirkstoffPflicht
    M2-NummerKennung der Darreichungsform über alle Packungsgrößen; verbindet Archiv und PackungsebenePflicht für den Import
    Vertriebsstatus mit GültigkeitsdatumSeit wann das Arzneimittel außer Vertrieb istPflicht
    ZulassungsnummerVerbindet Vorgänger und Nachfolger unter derselben Zulassungoptional
    Menge und MengeneinheitPackungsgröße der konkreten PZNoptional

    Eine Eigenschaft der PZN macht diesen Use-Case überhaupt erst lösbar. Die IFA schreibt zur Löschung von Artikeldaten: „Eine erneute Veröffentlichung gelöschter PZN ist ausgeschlossen.“ Eine alte PZN kollidiert damit nie mit einem neuen Produkt. Sie bleibt dauerhaft ein eindeutiger historischer Schlüssel, auch Jahre nach der Löschung. Genau deshalb lohnt es sich, Wirkstoff und Stärke an diese Nummer zu hängen, statt an den Handelsnamen, der nach einem Anbieterwechsel oder einer Umbenennung nicht mehr eindeutig ist.

    Welche Datenstufe Sie für historische Wirkstoffdaten zu PZN außer Handel brauchen

    Kurz: Sie brauchen die pharmazeutische Stufe, nicht nur die wirtschaftliche. Eine Produkthistorie je PZN zeigt, wann sich Preis, Status oder Anbieter geändert haben. Wirkstoff und Stärke eines gelöschten Präparats stehen dort nicht. Sie liegen im Archiv der gelöschten Fertigarzneimittel, und das ist nach der Darreichungsform geordnet, nicht nach der PZN.

    Stufe eins, die wirtschaftlich-rechtliche Ebene. Der Artikelstamm führt je PZN die Vertriebs-, Preis- und Rechtsfelder. Die Produkthistorie hält jede Feldänderung je PZN fest, lückenlos seit 2020. Diese Stufe beantwortet, seit wann ein Arzneimittel außer Vertrieb ist, wer es zuletzt angeboten hat und zu welchem Preis es zuletzt gelistet war.

    Stufe zwei, die pharmazeutische Ebene. Die Fertigarzneimittel-Datenbank führt Wirkstoffe, Hilfsstoffe, Stärken, Darreichungsform und ATC-Code. Für gelöschte Präparate übernimmt diese Rolle das Archiv der gelöschten deutschen Fertigarzneimittel, mit einem Bestand seit November 2003. Nur diese Stufe beantwortet die eigentliche Frage nach dem Inhalt.

    Hier liegt die typische Verwechslung: Es gibt zwei Historien mit zwei verschiedenen Schlüsseln. Die PZN-Historie ist nach der Packung geordnet und enthält wirtschaftliche Verläufe. Das Archiv ist nach der Darreichungsform geordnet, also nach Handelsname, Anbieter und Darreichungsform über alle Packungsgrößen hinweg, und enthält den pharmazeutischen Inhalt. Wer eine PZN-Historie bestellt, um Wirkstoffe zu erhalten, bekommt Preis- und Statusverläufe. Wer das Archiv bestellt, bekommt Wirkstoffe, muss aber die PZN zuordnen. Die Brücke ist die M2-Nummer, die alle Packungsgrößen einer Darreichungsform zusammenfasst. Für Archiveinträge ab 2020 lässt sich die PZN über die Produkthistorie zuordnen. Für ältere Einträge ist diese Zuordnung nicht durchgängig gesichert; dort tragen Handelsname, Anbieter, Darreichungsform und Stärke die Zuordnung.

    Warum das Problem überhaupt entsteht, zeigt der Ablauf einer Marktrücknahme. Der Zulassungsinhaber zeigt der zuständigen Bundesoberbehörde nach § 29 Absatz 1c Arzneimittelgesetz spätestens zwei Monate vorher an, dass das Inverkehrbringen vorübergehend oder endgültig eingestellt wird. Diese Anzeige geht an die Behörde, nicht in den Artikelstamm. In den Artikeldaten erscheint das Ende zuerst als Kennzeichen „außer Vertrieb“. 24 Monate danach folgt die Löschung aus den Datenbankprodukten. Wer bis dahin Wirkstoff und Stärke nicht gesichert hat, ist auf das Archiv angewiesen.

    Der Integrationsweg: Altbestand einmalig, Löschungen laufend abgleichen

    Kurz: Zwei Wege ergänzen sich. Ein einmaliger Abzug aus dem Archiv füllt den Altbestand. Ein laufender Löschungsabgleich je Veröffentlichungstermin verhindert, dass neuer Altbestand entsteht. Die Recherche im Portal deckt den Einzelfall dazwischen ab.

    1. Einmaliger Archivabzug für den Altbestand. Wirkstoffe, Stärken und Mengenangaben der gelöschten Präparate als strukturierte Lieferung. Weil ein Präparat mehrere Wirkstoffe mit je eigener Stärke tragen kann, eignet sich JSON mit seiner verschachtelten Struktur besser als eine flache Tabelle. CSV ist möglich, wenn Ihr Import flach arbeitet und Sie die Wirkstoffe je Zeile auflösen.
    2. Laufender Löschungsabgleich. Die IFA-Informationsdienste erscheinen zum 1. und 15. eines Monats. Der Pharmonitor listet je Veröffentlichungstermin die Neuaufnahmen und Löschungen im Artikelstamm, bei Löschungen mit PZN und Löschkennzeichen, auch als tabulatorgetrennte Datei. Sichern Sie Wirkstoff und Stärke einer PZN, bevor sie aus Ihrem Bestand fällt, statt sie später aus dem Archiv zurückzuholen. Wie dieser Abgleich je Stichtag aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag PZN-Neuaufnahmen und Löschungen je Stichtag abgleichen.
    3. Recherche im Portal für den Einzelfall. Die Eisbergsuche® durchsucht alle angebundenen Datenbanken gleichzeitig, das Archiv der gelöschten Fertigarzneimittel eingeschlossen. Der Treffer zeigt Wirkstoffe, Stärken und ATC-Code. Über den ATC-Code springen Sie direkt zu Präparaten, die heute im Markt sind.

    Rechtlich gilt: Rohdatenzugang und manche Web-Services setzen eine Lizenz des Datenurhebers voraus, und der Umfang dieser Lizenz bestimmt, wofür Sie die Daten im eigenen System verwenden dürfen. Eine historische Einmallieferung ist davon nicht ausgenommen. Die Einzelheiten finden Sie auf der Seite zu Arzneimittel-Rohdatenlizenzen.

    Datensteckbrief: Welche Datenbanken Wirkstoff und Stärke zu PZN außer Handel liefern

    pharmazie.com ist die konsolidierte Arzneimitteldatenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, am Markt seit 1989. Sie vereint 25+ pharmazeutische Fachdatenbanken in einer einzigen Suche, der Eisbergsuche®. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt auf DACH, die Arzneimitteldaten decken 50+ Länder ab. Die Daten werden täglich aktualisiert. Für den hier beschriebenen Use-Case sind fünf Bestandteile einschlägig:

    • ABDA-Datenbank: Archiv gelöschter deutscher Fertigarzneimittel. Felder: Handelsname, Anbieter, Darreichungsform, Wirk- und Hilfsstoffe, Wirkstoffstärken, ATC-Code, M2-Nummer. Bestand seit November 2003. Datenurheber ist die ABDATA Pharma-Daten-Service.
    • Artikelstamm mit Produkthistorie. Felder unter anderem: PZN, Vertriebsstatus mit Gültigkeitsdatum, Zulassungsnummer, M2-Nummer für alle Packungsgrößen, Menge und Mengeneinheit, Anbieter. Insgesamt 260 auswertbare Felder, Feldänderungen je PZN seit 2020. Aktualisierung: täglich, Preisfelder alle 14 Tage.
    • ABDA-Datenbank: Deutsche Fertigarzneimittel. Heute vertriebene Präparate mit Wirkstoffen, Stärken, Darreichungsform und ATC-Code, 50.000+ deutsche Präparate. Ziel der Brücke über den ATC-Code.
    • ABDA-Datenbank: Aktuelle Meldungen. Neueinführungs- und Löschungsmeldungen aus veröffentlichten Quellen, mit einem Meldungsarchiv bis 1995.
    • Pharmonitor. Neuaufnahmen und Löschungen im Artikelstamm je Veröffentlichungstermin, strukturiert im Portal und als individueller Export.

    Wo die Grenze liegt: keine historische Fachinformation, keine IDMP-Kodierung

    Der beschriebene Weg liefert den pharmazeutischen Kern eines gelöschten Präparats. Er liefert nicht alles, was zu diesem Präparat einmal existiert hat. Fünf Grenzen sollten Sie kennen, bevor Sie einen Import planen:

    • Keine historische Fachinformation. Eine Fachinformation zu einem bestimmten früheren Stand ist nicht Teil des Archivs. Wer die damalige Textfassung braucht, muss sie beim Zulassungsinhaber oder in der eigenen Ablage suchen. Auch eine Kurzmonographie ist im Archiv nicht mehr belegt.
    • Ebene Darreichungsform, nicht Packung. Das Archiv führt die Darreichungsform über alle Packungsgrößen. Die Zuordnung zur einzelnen PZN ist ab 2020 über die Produkthistorie gesichert, für ältere Einträge nicht durchgängig.
    • Beginn November 2003. Präparate, die davor gelöscht wurden, sind im Archiv nicht strukturiert enthalten.
    • ABDA-Systematik statt IDMP. Darreichungsformen stehen in der Systematik der ABDA-Datenbank, nicht in der IDMP-Terminologie. Wer seine Daten nach ISO IDMP strukturiert, muss die Darreichungsformen selbst zuordnen.
    • Deutsche Fertigarzneimittel. Das Archiv bezieht sich auf den deutschen Markt. Der international vergebene ATC-Code ist der Anschlusspunkt an Arzneimitteldaten aus 50+ Ländern, allerdings für heute verfügbare Präparate.

    Eine öffentliche Alternative für die Artikelebene gibt es nicht. Das BfArM stellt über AMIce Zulassungsdaten zur Recherche bereit. Das beantwortet die Zulassungsfrage, ist aber kein Artikelverzeichnis auf Ebene von PZN und Packung. Die Systematik des ATC-Codes selbst pflegt die Weltgesundheitsorganisation.

    Fazit: So bekommen Sie Wirkstoff und Stärke zu einer PZN außer Handel

    Wirkstoff und Stärke zu einer PZN außer Handel kommen aus dem Archiv der gelöschten deutschen Fertigarzneimittel, nicht aus der Produkthistorie der PZN, weil das Archiv den pharmazeutischen Inhalt nach der Darreichungsform führt und die Historie nur wirtschaftliche Verläufe. Den Altbestand holen Sie einmalig als strukturierte Lieferung, neue Lücken verhindern Sie mit einem Löschungsabgleich zu jedem Veröffentlichungstermin, bevor die 24 Monate nach der Kennzeichnung „außer Vertrieb“ ablaufen.

    Weiterführend: Arzneimittel-Preishistorie: Tiefe und Kontext beantwortet die Rückschau auf Preisverläufe, also die wirtschaftliche Stufe. PZN clustern: austauschbare Präparate identifizieren zeigt, wie Sie vom historischen Wirkstoff zu einem heute austauschbaren Präparat kommen. Die Suche nach einzelnen Nummern bietet das PZN-Verzeichnis.

    Sie wollen prüfen, wie viele Ihrer historischen PZN sich mit Wirkstoff und Stärke hinterlegen lassen? Buchen Sie eine Demo und bringen Sie eine Liste gelöschter PZN aus Ihrem Bestand mit.

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Wird eine gelöschte PZN später neu vergeben?
    Enthält die Produkthistorie einer PZN auch den Wirkstoff?
    Wie lange bleibt ein Arzneimittel nach „außer Vertrieb“ in den Daten sichtbar?
    Gibt es historische Fachinformationen zu einem früheren Stand?
    Was ist die M2-Nummer?
    In welchem Format kommen historische Wirkstoffdaten am besten ins eigene System?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

    Die umfassendste Arzneimitteldatenbank für Fachkreise.