Datenintegration und APIs
August 10, 2026
8 Min.

PZNs clustern und austauschbare Präparate über getrennte Systeme identifizieren

Wer Arzneimittel über getrennte Systeme wie Warenwirtschaft und Unit-Dose-Versorgung führt, braucht einen gemeinsamen Stammdaten-Layer, um PZNs zu clustern und austauschbare Präparate zu erkennen. Je PZN liefern ATC-Code, Wirkstoff mit Stärke und Darreichungsform, Aut-idem-Status, Rabattvertrags-Kennung und Lieferengpass-Kennzeichen die Grundlage. Aktualisierung mindestens 14-tägig.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Ein gemeinsamer Stammdaten-Layer je PZN verbindet getrennte Systeme wie Warenwirtschaft und Unit-Dose-Versorgung.
    • Cluster-Felder: ATC-Code, Wirkstoff mit Stärke und Darreichungsform, Aut-idem-Status, Rabattvertrags-Kennung, Lieferengpass-Kennzeichen.
    • Datenseitig austauschbar heisst: gleicher Wirkstoff, gleiche Stärke, vergleichbare Darreichungsform, nicht auf der Substitutionsausschlussliste.
    • Lieferengpass-Kennzeichen plus ATC macht Alternativen unmittelbar auffindbar.
    • Lieferung tab-separiert per FTP oder API, zum 1. und 15., PZN als Schlüssel.

    Wer Arzneimittel über mehrere Systeme führt, etwa eine Warenwirtschaft und ein Unit-Dose- oder Closed-Loop-System, steht regelmäßig vor demselben Problem: Eine neue Pharmazentralnummer (PZN) taucht im einen System auf, das andere kennt sie noch nicht, und ob zwei Nummern dasselbe Präparat oder eine austauschbare Alternative bezeichnen, muss jemand von Hand prüfen. Die Grundlage, um PZNs zu clustern und Austauschbarkeit maschinell zu erkennen, sind sechs Felder je PZN: ATC-Code, Wirkstoff mit Stärke und Darreichungsform, Aut-idem- beziehungsweise Substitutionsstatus, Rabattvertrags-Kennung und ein Lieferengpass-Kennzeichen. Alle liegen im Artikelstamm und werden mindestens 14-tägig aktualisiert. Dieser Artikel richtet sich an technische und pharmazeutische Verantwortliche in Einrichtungen, die Arzneimittel-Stammdaten über getrennte Systeme konsistent halten müssen.

    Der Use-Case: PZNs über getrennte Systeme konsistent halten

    In vielen Einrichtungen führt ein Warenwirtschaftssystem die PZNs für Einkauf und Abrechnung, während ein separates Unit-Dose- oder Closed-Loop-System die patientenbezogene Versorgung steuert. Beide Systeme haben eigene Datenstände. Kommt ein Produkt mit neuer PZN hinzu, ist es im einen System bereits gelistet und im anderen noch nicht.

    In Gesprächen mit Verantwortlichen für Arzneimittel-Stammdaten kommt dieser Bruch regelmäßig zur Sprache: Der Abgleich von PZNs und ihrer Austauschbarkeit ist manuell, zeitaufwändig und fehleranfällig, und Lieferengpässe lassen sich nur schwer mit verfügbaren Alternativen verknüpfen. Der Ausweg ist kein weiteres System, sondern ein gemeinsamer Stammdaten-Layer, den beide Systeme aus derselben, regelmäßig aktualisierten Quelle beziehen.

    Welche Felder ein belastbares PZN-Cluster braucht

    Ein Cluster ist nur so gut wie die Felder, die es definieren. Entscheidend ist, dass diese Felder aus einer verlässlichen, gepflegten Quelle stammen und je PZN konsistent vorliegen.

    FeldWofür Sie es brauchen
    PZN (8-stellig)Eindeutiger Schlüssel je Packung, verbindet beide Systeme
    ATC-CodeWarengruppen-Klassifikation, Grobcluster nach Wirkstoffgruppe
    Wirkstoff, Stärke, DarreichungsformFeincluster wirkstoffgleicher Produkte
    Aut-idem- / SubstitutionsstatusIst ein Austausch zulässig oder ausgeschlossen?
    Rabattvertrags-KennungWelche Alternative ist vertraglich bevorzugt?
    Lieferengpass-KennzeichenIst das Produkt betroffen, und gibt es Alternativen?

    Die PZN ist der Schlüssel: eine achtstellige Nummer (sieben Ziffern plus eine Prüfziffer), die selbst keine Bedeutung trägt. Der ATC-Code ist siebenstellig über fünf Ebenen aufgebaut und liefert das Grobcluster, Wirkstoff mit Stärke und Darreichungsform das Feincluster. Einzelne PZNs lassen sich jederzeit im PZN-Verzeichnis nachschlagen.

    Ein gemeinsamer Stammdaten-Layer clustert PZNs aus Warenwirtschaft und Unit-Dose-System und erkennt austauschbare Präparate und Engpass-Alternativen.

    Abbildung: Beide Systeme beziehen denselben Stammdaten-Layer je PZN. Daraus werden Cluster, austauschbare Präparate und Engpass-Alternativen ableitbar.

    Wann zwei Präparate datenseitig austauschbar sind

    Kurzantwort: Zwei PZNs sind datenseitig austauschbar, wenn sie im Wirkstoff, in der Stärke und in der Packungsgröße übereinstimmen, für dasselbe Anwendungsgebiet zugelassen sind und eine vergleichbare, austauschbare Darreichungsform haben, und der Wirkstoff nicht auf der Substitutionsausschlussliste steht.

    Diese Kriterien folgen der Aut-idem-Systematik: Der Austausch gegen ein wirkstoffgleiches Präparat ist der Regelfall, sofern er nicht ausgeschlossen ist. Welche Wirkstoffe von der Substitution ausgenommen sind, legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest. Die Daten liefern die Kandidaten, die pharmazeutische Entscheidung bleibt beim Fachpersonal. Wie die Aut-idem-Logik im Detail funktioniert, vertieft der Beitrag Was bedeutet Aut-idem bei der Generika-Substitution.

    Lieferengpässe mit Alternativen verknüpfen

    Ein Lieferengpass ist erst dann handhabbar, wenn er unmittelbar mit einer verfügbaren Alternative verknüpft ist. Über das Lieferengpass-Kennzeichen je PZN in Verbindung mit ATC-Code und Wirkstoff wird aus einer Engpassmeldung eine konkrete Auswahl: Ist ein Produkt betroffen, zeigt das Cluster die wirkstoffgleichen, nicht betroffenen Alternativen. Die zugrunde liegenden Meldungen dokumentiert das BfArM; im Stammdaten-Layer werden sie an die PZN gebunden und damit direkt neben der Alternative sichtbar.

    Wie die Daten in beide Systeme kommen

    Der Integrationsweg hängt davon ab, wie Ihre Systeme Daten aufnehmen. Zwei Wege sind üblich:

    1. Tab-separierte Lieferung per FTP. Eine strukturierte Datei je PZN, bereitgestellt zum 1. und 15. eines Monats, die beide Systeme aus demselben Stand einlesen.
    2. API mit Delta-Abruf. Sie fragen über die PZN gezielt ab und laden per Datumsfilter nur die Änderungen nach. So bleibt der gemeinsame Layer aktuell, ohne dass jedes System eigene Abgleiche fährt.

    In beiden Fällen ist die PZN der gemeinsame Schlüssel, über den Warenwirtschaft und Unit-Dose-System denselben Datenstand teilen.

    Datensteckbrief: welche Daten diesen Use-Case lösen

    • ABDA-Artikelstamm. Felder: PZN, ATC-Code, Wirkstoff mit Stärke und Darreichungsform, Aut-idem- / Substitutionsstatus, Rabattvertrags-Kennung. Aktualisierung: mindestens 14-tägig, wichtige Bestände täglich. Liefert Clusterung und Austauschbarkeit.
    • Lieferengpass-Datenbank. Felder: Lieferengpass-Kennzeichen je PZN, Wirkstoff, Status. Aktualisierung: laufend. Verknüpft Engpass und Alternative.
    • Zugang. Tab-separierte Datei per FTP oder REST-API mit Datumsfilter. PZN als gemeinsamer Schlüssel, Auslieferung an beide Systeme aus einem Stand.

    Die Rohdatenlizenz beziehen Sie beim Datenurheber, den technischen Zugang und die Aufbereitung bei pharmazie.com, das mehr als 25 pharmazeutische Datenbanken über die PZN in einer Suche zusammenführt. Welche Lizenz für welchen Umfang nötig ist, klärt der Beitrag Wann Sie eine Rohdatenlizenz für Arzneimitteldaten brauchen. Umfang und Aktualisierung des Artikelstamms beschreibt ABDATA.

    Wo die Grenze liegt: Datenhinweis, keine Substitutionsentscheidung

    Der Stammdaten-Layer liefert Kandidaten und Kennzeichen, keine fertige Substitutionsentscheidung. Ob ein austauschbares Präparat im Einzelfall abgegeben wird, hängt von der Substitutionsausschlussliste, geltenden Rabattverträgen und patientenindividuellen Faktoren ab und bleibt eine pharmazeutische Entscheidung. Die Daten beschleunigen den Weg zur Auswahl, sie ersetzen die fachliche Prüfung nicht.

    Fazit

    Getrennte Systeme wie Warenwirtschaft und Unit-Dose-Versorgung lassen sich nicht dadurch synchron halten, dass man PZNs von Hand abgleicht, sondern über einen gemeinsamen Stammdaten-Layer je PZN. ATC-Code, Wirkstoff mit Stärke und Darreichungsform, Aut-idem-Status, Rabattvertrags-Kennung und Lieferengpass-Kennzeichen machen Clusterung, Austauschbarkeit und Engpass-Alternativen maschinell erkennbar. Klären Sie zuerst den Feldbedarf, dann Lizenz und Integrationsweg. Wenn Sie das für Ihre Systeme durchsprechen möchten, fragen Sie eine Demo an.

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Welche Felder brauche ich, um PZNs sinnvoll zu clustern?
    Wie oft ändern sich die zugrunde liegenden Daten?
    Wann gelten zwei Präparate datenseitig als austauschbar?
    Wie verknüpfe ich einen Lieferengpass mit einer Alternative?
    Wie halte ich neue PZNs über zwei getrennte Systeme konsistent?
    Reicht eine einzelne Datenquelle, oder brauche ich mehrere?
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