Datenintegration und APIs
August 17, 2026
9 Minuten

MSV3-Schnittstelle: Standard, Funktionen, Antwortcodes

MSV3 ist die standardisierte Datenschnittstelle für die Auftragsabwicklung zwischen Apotheke und pharmazeutischem Großhandel in Deutschland. Getragen von PHAGRO, dem Deutschen Apothekerverband und ADAS, bildet sie als SOAP-Webservice über HTTPS die Verfügbarkeitsanfrage, die Bestellung, die Bestellstatusabfrage und weitere Auftragsfunktionen ab.

Blog Image
Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • MSV3 ist die gemeinsame Norm von PHAGRO, Deutschem Apothekerverband und ADAS für den Bestellprozess zwischen Apotheke und Großhandel.
    • Technisch sind es SOAP-Webservices über HTTPS mit einer Funktion je Service, im Gegensatz zum seriellen MSV2 von 1985.
    • Release 1 definiert sieben Services, Release 2 ergänzt Lieferavise, Retourenavise, Dokumentenabruf und Bestellfenster an Sondertagen.
    • Es gibt keine zentrale Anbindung: Zugangsdaten und Parametersatz werden je Großhändler einzeln vereinbart.
    • Die Defektgründe sind der operativ wichtigste Teil. FehltZurzeit und HerstellerNichtLieferbar dürfen nicht auf ein Feld abgebildet werden.
    • Eine einzelne Verfügbarkeitsanfrage umfasst maximal 50 Artikel, die Bulk-Funktion ist gesondert zu vereinbaren.
    • Auf pharmazie.com sind auf der Einkäuferseite die Lieferbarkeitsabfrage und die digitale Bestellung live und als Standard-Zusatzmodul verfügbar, nur die Anbieter- oder Serverseite, die Bestellungen entgegennimmt, befindet sich noch in der Pilotphase.

    MSV3 ist die standardisierte Datenschnittstelle für die Auftragsabwicklung zwischen Apotheke und pharmazeutischem Großhandel in Deutschland. Sie wird gemeinsam von PHAGRO, dem Deutschen Apothekerverband und ADAS getragen und bildet als SOAP-Webservice über HTTPS die Verfügbarkeitsanfrage, die Bestellung, die Bestellstatusabfrage und weitere Auftragsfunktionen ab.

    Für Klinikapotheken, versorgende Apotheken und Softwarehäuser ist MSV3 der praktische Weg aus einem Zustand heraus, den viele Häuser bis heute kennen: Verfügbarkeit wird in mehreren Großhandelsportalen einzeln nachgeschlagen, die Bestellung wird anschließend von Hand im eigenen System nachgeführt. Dieser Beitrag richtet sich an Fachkreise in Großhandel, Import, Klinikapotheke und IT. Er beschreibt, was der Standard tatsächlich leistet, wie er sich von MSV2 unterscheidet, was die Antwortcodes bedeuten, wie die Anbindung abläuft und wo die Grenzen liegen.

    Was ist die MSV3-Schnittstelle und wer trägt den Standard?

    MSV3 ist eine gemeinsam definierte Norm für den Datenaustausch im Bestellprozess zwischen Apotheke und Großhandel. Getragen wird sie von drei Verbänden: PHAGRO für den vollversorgenden Großhandel, dem Deutschen Apothekerverband für die Apothekenseite und ADAS für die Apothekensoftwarehäuser. Die normativen Vorgaben stehen in einem Pflichtenheft, das der Arbeitskreis MSV3 pflegt. Die zentrale Verzeichnisführung der Großhandels-Basisadressen liegt bei der DATEG. Die normativen Festlegungen dieses Beitrags folgen dem Pflichtenheft zu Release 2.

    Für die Praxis ist MSV3 relevant, weil es die zwei Kernfragen der Warenbeschaffung standardisiert: Ist ein Artikel bei einem bestimmten Handelspartner lieferbar, und wie wird er verbindlich bestellt. Beides lief zuvor über uneinheitliche, herstellerindividuelle Wege. MSV3 macht daraus einen für alle Beteiligten gleich beschriebenen Webservice.

    Ein Hinweis zur Begrifflichkeit: In Glossaren kursieren mehrere Auflösungen des Kürzels MSV. Im Pflichtenheft selbst wird die Abkürzung nicht ausgeschrieben. Belastbar ist deshalb nur die Sachbeschreibung, nämlich die Bestellschnittstelle zwischen Apotheke und Großhandel.

    Worin unterscheidet sich MSV3 von MSV2?

    MSV2 ist ein serielles Protokoll aus dem Jahr 1985, das über ISDN betrieben wurde und seit 2001 nur noch um zwingende gesetzliche Anforderungen ergänzt wird. Es überträgt im Kern die Bestellung und die zugehörige Rückmeldung. Alles darüber hinaus, insbesondere umfangreiche Verfügbarkeitsabfragen und Lieferscheindaten, lief parallel über nicht standardisierte, herstellerindividuelle Webservices. Genau diese Zweiteilung benennt das Pflichtenheft als das zu lösende Problem.

    MerkmalMSV2MSV3
    Einführung1985, seit 2001 funktional eingefrorenAblösender Standard, in Releases weiterentwickelt
    TransportSerielles Protokoll über ISDNSOAP-Webservices über HTTPS, beschrieben durch WSDL
    FunktionsumfangBestellung und RückmeldungVerfügbarkeitsanfrage, Bestellung, Status, Vertragsdaten, Avise, Retouren
    VerfügbarkeitsabfrageNur über herstellerindividuelle ZusatzdiensteTeil des Standards, einzeln und als Bulk
    MischbetriebParallelbetrieb mit Zusatzdiensten war die RegelAb Version 2.x ausdrücklich ausgeschlossen

    Architektonisch ist eine Entscheidung bemerkenswert: MSV3 bildet jede Funktion als eigenen SOAP-Service ab, ausdrücklich damit Großhändler die Last auf HTTP-Ebene verteilen können. Auch das Adressschema ist normiert. Die Basisadresse endet auf /msv3 für den Produktivbetrieb oder /msv3test für den Test, gefolgt von der Version und dem Funktionsnamen.

    Welche Services umfasst MSV3?

    Release 1 definiert sieben Services. Sie decken den Kernprozess von der Verbindungsprüfung über die Verfügbarkeitsanfrage und die Bestellung bis zur Statusabfrage ab.

    • verbindungTesten: Prüfung der Erreichbarkeit und der Zugangsdaten
    • verfuegbarkeitAnfragen: Verfügbarkeitsprüfung für einzelne Artikel
    • verfuegbarkeitAnfragenBulk: Massenabfrage, vertraglich gesondert zu vereinbaren
    • bestellen: Übermittlung der Bestellung
    • bestellstatusAbfragen: Abruf des Bearbeitungsstands
    • ruecknahmeangebotAnfordern: Rücknahmeangebot, ebenfalls vertraglich zu vereinbaren
    • vertragsdatenAbfragen: Abruf der vereinbarten Parameter wie Bestellfenster und Auftragsarten

    Release 2 ergänzt den Umfang um Lieferavise, also die Vorabinformation über eine bevorstehende Lieferung samt zugeordneter Tour, um Retourenavise für Rücksendung und Gutschrift, um einen Dokumentenabruf und um Benachrichtigungen zu Bestellfenstern an Sondertagen wie Feiertagen. Für neue Anwendungsfälle sieht Release 2 vor, dass sie ohne zusätzliche Vereinbarung nutzbar sind. Damit deckt der Standard die fünf operativen Bausteine der Auftragsabwicklung ab: Verfügbarkeit prüfen, bestellen, Status abrufen, Lieferung und Tour avisieren, Retoure und Gutschrift abwickeln.

    Wie funktioniert die MSV3-Verfügbarkeitsanfrage für eine PZN?

    Die Verfügbarkeitsanfrage ist der am häufigsten genutzte Teil des Standards und der eigentliche tägliche Nutzen. Ihre Software übergibt eine oder mehrere PZN an den Webservice eines Großhändlers und erhält in Echtzeit zurück, ob und in welcher Menge der Artikel dort lieferbar ist. Die Abfrage ist unverbindlich und reserviert keine Ware, im Unterschied zur Bestellung, die den Logistikprozess auslöst.

    Die Antwort ist mehr als ein Ja oder Nein. Neben der Lieferbarkeit und der lieferbaren Menge kann der Großhändler den Defektgrund, einen Ersatz- oder Nachfolgeartikel und bei Lieferbarkeit den voraussichtlichen Liefertermin über die zugeordnete Tour zurückmelden. Genau diese Zusatzinformation macht die digitale Lieferbarkeitsprüfung wertvoll: Die Client-Software kann bei einem Defekt automatisch einen anderen Handelspartner anfragen oder einen angebotenen Ersatzartikel prüfen, statt den Vorgang manuell neu aufzurollen.

    Weil jeder Großhändler seinen eigenen Bestand führt, ist die Prüfung immer je Handelspartner zu stellen. Die PZN-Lieferbarkeit ist also keine Marktzahl, sondern eine Momentaufnahme des jeweils angefragten Lieferanten. Auf pharmazie.com ist diese Verfügbarkeitsanfrage live im Einsatz.

    Wie richten Sie die MSV3-Schnittstelle ein?

    Die Authentifizierung erfolgt über HTTP Basic Auth innerhalb einer HTTPS-Verbindung. Jeder Großhändler vergibt eigene Zugangsdaten, bestehend aus einer Kundenkennung und einem Passwort, dazu die Endpunkt-URL seiner Basisadresse. Client-Zertifikate wurden bei der Standardisierung bewusst verworfen, weil der Aufwand als nicht gerechtfertigt bewertet wurde. Serverseitig ist dagegen ein von einer öffentlichen Zertifizierungsstelle signiertes Zertifikat vorgeschrieben, selbstsignierte Zertifikate sind unzulässig.

    Daraus folgt der wichtigste organisatorische Punkt: Es gibt keine zentrale MSV3-Anbindung. Sie schließen je Großhändler eine Vereinbarung und erhalten je Großhändler eigene Zugangsdaten und eine eigene Endpunkt-URL. Zu jedem Zugangsdatenpaar gehört ein vertraglich vereinbarter Parametersatz: Bestellfenster und Touren, zulässige Auftragsarten, Auftragskennungen sowie Substitutionsregeln. Die Auftragsart Normal ist immer zulässig, Versand-, Stapel- und Sonderaufträge sind optional. Bulk-Verfügbarkeitsabfrage und Rücknahmeangebot sind ausdrücklich opt-in.

    Zu den vertraglichen Parametern gehören auch Abfragekontingente. Weil die Verfügbarkeitsanfrage die Server der Großhändler belastet, vereinbaren beide Seiten in der Praxis, in welchem Umfang und in welcher Frequenz abgefragt werden darf. Release 2 empfiehlt dazu einen clientseitigen Zwischenspeicher von wenigen Minuten, damit wiederholte Abfragen derselben PZN nicht jedes Mal bis zum Server durchschlagen.

    Welche Großhändler sind über MSV3 erreichbar?

    MSV3 erreicht keinen einzelnen zentralen Server, sondern die individuellen Endpunkte der angebundenen Großhändler. Angebunden ist eine wachsende Zahl vollversorgender und spezialisierter Großhändler in Deutschland. Das zentrale Verzeichnis der Basisadressen führt die DATEG, sodass Softwarehäuser die Endpunkte nicht einzeln recherchieren müssen.

    Praktisch heißt das: Jeder zusätzliche Handelspartner ist ein eigener Anbindungsvorgang mit eigenen Zugangsdaten und eigenem Parametersatz. Genau diese Vervielfachung über mehrere Handelspartner hinweg ist der Kostenpunkt, den Häuser in der Praxis unterschätzen.

    „Wenn man die Kosten für eine MSV3-Verbindung sieht, dann ist das wirklich kein Pappenstiel.“ Leitung, Krankenhausapotheke

    Warum nicht jeder MSV3-Anschluss dasselbe kann

    „Unterstützt MSV3“ ist keine Ja-Nein-Angabe. Zwei Unterschiede entscheiden darüber, was eine Anbindung im Alltag tatsächlich leistet, und beide stehen selten im Angebot.

    Erstens der Funktionsumfang. Unterschieden werden die Online-Anfrage, also die Verfügbarkeitsabfrage, und die Online-Bestellung. Ein Lieferant kann die eine unterstützen und die andere nicht. Wer nur die Anfrage angebunden hat, sieht die Verfügbarkeit im eigenen System, bestellt aber weiterhin über den bisherigen Weg.

    Zweitens der Versionsstand. In der Praxis sind zwei Stände im Umlauf, MSV3 Version 1 und MSV3 Version 2.0. Welcher Stand unterstützt wird, unterscheidet sich je Lieferant, nicht je Lieferantenkategorie. Ein Vollsortimenter kann auf einem älteren Stand fahren als ein kleiner Spezialanbieter.

    Für die Auswahl heißt das: Fragen Sie nicht, ob ein Lieferant MSV3 unterstützt, sondern welche Funktion in welchem Versionsstand. Die folgenden fünf Kriterien klären das vor der Anbindung.

    KriteriumWas Sie erfragenWarum es zählt
    FunktionsumfangOnline-Anfrage, Online-Bestellung oder beidesohne Bestellfunktion bleibt der Medienbruch bestehen
    VersionsstandMSV3 Version 1 oder Version 2.0bestimmt, welche Felder und Antwortcodes zur Verfügung stehen
    Zugangeigene Zugangsdaten und eigener Endpunkt je Lieferantjede Anbindung erzeugt eigenen Pflegeaufwand
    Antwortverhaltenwelche Antwortcodes im Regel- und im Ausnahmefall kommenohne definierte Folgelogik bleibt der Ausnahmefall liegen
    Abdeckungwelcher Teil Ihres Sortiments über diesen Lieferanten läufteine Anbindung mit geringer Sortimentsabdeckung spart wenig Zeit

    Die Prüfung dieser fünf Punkte lohnt vor der ersten Anbindung und nicht nach der fünften. Quelle für die Unterscheidung von Funktion und Versionsstand je Lieferant ist die Übersicht der unterstützenden Lieferanten in der IXOS-Onlinehilfe.

    Was bedeuten die MSV3-Antwortcodes?

    Der praktisch wichtigste Teil des Standards für den Anwender ist die Rückmeldung zur Lieferbarkeit. Auf Kategorieebene unterscheidet sie, ob eine Position lieferbar, nur teilweise lieferbar oder nicht lieferbar ist, und liefert bei einem Defekt zusätzlich den Defektgrund. Die folgende Übersicht ordnet die im Pflichtenheft geführten Defektgründe ihrer operativen Konsequenz zu. Der vollständige und exakte Codekatalog steht im MSV3-Pflichtenheft.

    CodeBedeutungOperative Konsequenz
    LieferbarArtikel ist verfügbarBestellung möglich
    TeilDefektNur ein Teil der angefragten Menge ist verfügbarRestmenge anderweitig decken
    FehltZurzeitArtikel wird geführt, ist aktuell nicht am Lager, der Lieferant kann liefernWarten ist meist sinnvoll
    HerstellerNichtLieferbarLagerartikel, wird aber vom Hersteller nicht geliefertAlternative suchen, Engpasslage prüfen
    NichtGefuehrtArtikel gehört nicht zum Sortiment dieses GroßhändlersAnderen Handelspartner anfragen
    NurDirektNicht über den Großhandel beziehbar, für ihn gesperrtDirektbezug beim Hersteller
    AusserHandelArtikel ist außer VertriebDauerhafte Umstellung erforderlich
    ArtikelNrUnbekanntPZN ist unbekanntStammdaten prüfen, PZN kann veraltet sein
    KeinBezugKunde ist nicht bezugsberechtigt, etwa bei fehlender BetäubungsmittelberechtigungBerechtigung klären
    TransportausschlussTransportweg ungeeignet, etwa Kühlware im NachtsprungAnderen Liefertermin oder Weg wählen

    Ein besonders häufiges Fehlerbild ist die Verwechslung von FehltZurzeit mit HerstellerNichtLieferbar. Der erste Code beschreibt eine Lagersituation beim Handelspartner und löst sich in der Regel von selbst. Der zweite verweist auf die Herstellerebene und ist damit ein Frühindikator für eine mögliche Engpasslage, die alle Handelspartner gleichermaßen betrifft. Wer beide Codes im eigenen System auf ein einziges Feld „nicht verfügbar“ abbildet, verliert genau die Information, die über die richtige Reaktion entscheidet.

    Ähnlich aussagekräftig ist ArtikelNrUnbekannt. Der Code deutet häufig nicht auf einen Tippfehler hin, sondern auf einen veralteten Stammdatenbestand, in dem eine gelöschte PZN weiterhin geführt wird. Solche Datensätze bleiben formal prüfziffernkonform und fallen deshalb erst im Bestellprozess auf.

    Was tun, wenn MSV3 einen Defekt meldet?

    Meldet die Schnittstelle einen herstellerseitigen Defekt, endet die Transaktion, nicht der Beschaffungsauftrag. Sinnvoll sind dann drei Schritte in fester Reihenfolge: erstens einen wirkstoffgleichen Artikel als Alternative prüfen, zweitens abgleichen, ob eine offizielle Engpassmeldung vorliegt, drittens die Beschaffung aus einem anderen Markt in Betracht ziehen. So wird aus dem Statuscode eine Handlungsentscheidung.

    Der zweite Schritt ist der wichtigste, weil er über die Reichweite des Problems entscheidet. Liegt zur betroffenen PZN eine Meldung im Register für Lieferengpässe des BfArM vor, ist der Ausfall kein Einzelfall eines Handelspartners, sondern betrifft den Markt. Dann führt das erneute Anfragen weiterer Großhändler selten zum Ziel, und der Blick muss auf wirkstoffgleiche Alternativen und, falls verfügbar, auf importierte Entsprechungen gehen. Vertiefende Hinweise dazu bündelt der Beitrag zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln.

    Welchen Nutzen hat MSV3 in der Klinikapotheke und der versorgenden Apotheke?

    Der Nutzen liegt weniger in der einzelnen Bestellung als in der Verfügbarkeitsprüfung vor der Bestellung. Ohne standardisierte Abfrage bedeutet die Prüfung mehrerer Bezugsquellen, dieselbe PZN nacheinander in mehreren Portalen einzugeben. Das kostet Zeit, ist nicht dokumentiert und wird unter Zeitdruck abgekürzt. In der Klinikapotheke mit ihren großen, planbaren Bedarfsmengen und der Pflicht zur lückenlosen Versorgung wiegt beides besonders schwer.

    Hinzu kommt ein rechtlicher Bezug, der oft übersehen wird. Bei Nichtverfügbarkeit eines Rabattarzneimittels knüpft der erleichterte Austausch nach § 129 SGB V an erfolglose Anfragen beim Großhandel an. Genau diese Anfragen sind technisch die MSV3-Verfügbarkeitsanfragen. Eine standardisierte, protokollierte Abfrage erzeugt damit nicht nur Zeitgewinn, sondern auch eine nachvollziehbare Dokumentation des Beschaffungsversuchs im gesetzlichen Abgaberahmen. Hintergründe zum Bezugsweg fasst der Beitrag zum pharmazeutischen Großhandel zusammen.

    Lässt sich MSV3 in ERP- und Warenwirtschaftssysteme integrieren?

    Technisch ist MSV3 als Webservice grundsätzlich in Warenwirtschafts- und ERP-Systeme integrierbar, und der Bedarf ist real: Häuser wollen Verfügbarkeit prüfen und Bestellungen auslösen, ohne ihr führendes System zu verlassen. Zugleich gilt der Integrationsaufwand, insbesondere zu SAP oder beim Wechsel des Warenwirtschaftssystems, als anspruchsvoll und wird von vielen Häusern als Hürde beschrieben.

    Am Markt bieten spezialisierte Dienstleister eigene Konnektoren an, die MSV3 an gängige Warenwirtschafts- und ERP-Systeme wie Sage 100 oder Microsoft Dynamics anbinden. Der Reifegrad dieser Lösungen ist unterschiedlich, und ein Wechsel des führenden Systems verschiebt den Aufwand jedes Mal neu. Eine Bewertung im eigenen Haus sollte deshalb Datenstände, Mandantenfähigkeit und die tatsächlich benötigten Services vorab klären.

    Für pharmazie.com ist die Ehrlichkeit an dieser Stelle wichtiger als das Versprechen: Eine tiefe ERP- und SAP-Integration befindet sich in der Evaluierung und ist nicht ausgeliefert. Live nutzbar ist die Verfügbarkeitsanfrage. Auf der Einkäuferseite ist zudem die digitale Bestellung live und als Standard-Zusatzmodul verfügbar, nur die Anbieter- oder Serverseite, die Bestellungen entgegennimmt, befindet sich noch in der Pilotphase. Wer heute eine standardisierte, kostengünstige SAP-Anbindung als fertiges Produkt sucht, sollte den Umsetzungsstand konkret erfragen, statt ihn vorauszusetzen.

    Wo liegen die Grenzen von MSV3?

    MSV3 löst den Bestellprozess, nicht die Informationslage. Die dokumentierten Grenzen sollten Sie in der Planung kennen:

    • Mengenbegrenzung: Eine einzelne Verfügbarkeitsanfrage umfasst maximal 50 Artikel. Größere Prüfungen erfordern die Bulk-Funktion, die gesondert vereinbart werden muss.
    • Kein universeller Funktionsumfang: Bulk-Abfrage und Rücknahmeangebot sind opt-in. Was Ihr System kann, hängt vom Vertrag mit dem jeweiligen Handelspartner ab.
    • Versionsparallelität: Es laufen höchstens zwei Schnittstellenversionen produktiv nebeneinander. Alte Versionen bleiben nach Verfügbarkeit einer neuen mindestens sechs Monate erreichbar.
    • Bestellfenster ohne Kennung: Das Pflichtenheft weist ausdrücklich darauf hin, dass Bestellfenster keine IDs tragen und eine automatisierte Zuordnung nach Fahrplanänderungen deshalb nicht möglich ist.
    • Lastverhalten: Release 2 dokumentiert Lastprobleme durch steigende Abfragevolumina und empfiehlt einen clientseitigen Zwischenspeicher von wenigen Minuten.
    • DE-spezifisch: MSV3 ist ein deutscher Standard für den nationalen Großhandel. Eine grenzüberschreitende Abfrage oder Bestellung über MSV3 ist nicht vorgesehen.
    • Keine Marktsicht: Der Standard beantwortet, ob ein bestimmter Handelspartner einen bestimmten Artikel liefern kann. Er beantwortet nicht, welcher andere Artikel als Alternative infrage kommt.

    Der letzte Punkt ist der wichtigste. MSV3 ist eine Transaktionsschnittstelle, keine Informationsquelle. Wenn die Antwort HerstellerNichtLieferbar lautet, endet die Zuständigkeit des Standards genau an der Stelle, an der Ihre eigentliche Frage beginnt.

    Was tun, wenn MSV3 nicht ausreicht: internationale Alternativen

    Sobald ein Ausfall den Markt und nicht nur einen Handelspartner betrifft, endet der Nutzen einer reinen Transaktionsschnittstelle. Dann zählt die Frage nach der beschaffbaren Alternative: welcher wirkstoffidentische Artikel infrage kommt, ob eine Engpassmeldung vorliegt und ob es in einem anderen Markt eine verfügbare Entsprechung gibt. Diese Antwort liefert nicht MSV3, sondern eine breite Datengrundlage.

    Für diese schichtübergreifende Frage über den DACH-Raum und 50+ Länder hinweg ist eine konsolidierte Datengrundlage die vollständigste Antwort, weil sie Verfügbarkeitsauskunft, Engpasslage, wirkstoffgleiche Alternativen und internationale Abdeckung in einem Schritt verbindet. Diese 50+ Länder stammen aus den konsolidierten Datenbanken, nicht aus MSV3, das national bleibt.

    Wie MSV3 auf pharmazie.com genutzt wird

    Hier ist Transparenz angebracht, weil der Umsetzungsstand häufig überschätzt wird. Auf pharmazie.com sind auf der Einkäuferseite die Lieferbarkeitsabfrage und die digitale Bestellung live und als Standard-Zusatzmodul verfügbar. Nur die Anbieter- oder Serverseite, die Bestellungen entgegennimmt, befindet sich noch in der Pilotphase. Die tiefe ERP- und SAP-Integration ist in Evaluierung und nicht ausgeliefert. Mehr als das ist zum jetzigen Stand nicht belegbar, und mehr behaupten wir auch nicht.

    Der inhaltliche Ansatz ergibt sich aus der oben beschriebenen Grenze des Standards. Die Verfügbarkeitsanfrage über MSV3 klärt, ob ein konkreter Handelspartner liefern kann. Der ergänzende Schritt ist die Frage nach der Alternative, wenn er es nicht kann. Für die Bewertung im eigenen Haus heißt das: Prüfen Sie MSV3 als Transaktionsstandard und die Datengrundlage als getrennte Fragen. Ein Haus, das MSV3 an drei Großhändler angebunden hat und trotzdem bei jedem Engpass manuell recherchiert, hat die erste Frage gelöst und die zweite nicht.

    Dieser Inhalt richtet sich an Fachkreise und stellt keine medizinische Beratung dar. Zuletzt geprüft: August 2026.

    Author Image
    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Was ist die MSV3-Schnittstelle?
    Was bedeutet der Antwortcode HerstellerNichtLieferbar?
    Was ist der Unterschied zwischen MSV2 und MSV3?
    Wie viele Artikel kann eine MSV3-Verfügbarkeitsanfrage enthalten?
    Welche Funktionen umfasst MSV3?
    Wie läuft die Anbindung an MSV3 praktisch ab?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

    Die umfassendste Arzneimitteldatenbank für Fachkreise.