ZusammenfassungMSV3 ist die standardisierte Datenschnittstelle für die Auftragsabwicklung zwischen Apotheke und pharmazeutischem Großhandel in Deutschland. Sie wird gemeinsam von PHAGRO, dem Deutschen Apothekerverband und ADAS getragen und bildet als SOAP-Webservice über HTTPS die Verfügbarkeitsanfrage, die Bestellung, die Bestellstatusabfrage und weitere Auftragsfunktionen ab.
Für Klinikapotheken, versorgende Apotheken und Softwarehäuser ist MSV3 der praktische Weg aus einem Zustand heraus, den viele Häuser bis heute kennen: Verfügbarkeit wird in mehreren Großhandelsportalen einzeln nachgeschlagen, die Bestellung wird anschließend von Hand im eigenen System nachgeführt. Dieser Beitrag richtet sich an Fachkreise in Großhandel, Import, Klinikapotheke und IT. Er beschreibt, was der Standard tatsächlich leistet, wie er sich von MSV2 unterscheidet, was die Antwortcodes bedeuten, wie die Anbindung abläuft und wo die Grenzen liegen.
MSV3 ist eine gemeinsam definierte Norm für den Datenaustausch im Bestellprozess zwischen Apotheke und Großhandel. Getragen wird sie von drei Verbänden: PHAGRO für den vollversorgenden Großhandel, dem Deutschen Apothekerverband für die Apothekenseite und ADAS für die Apothekensoftwarehäuser. Die normativen Vorgaben stehen in einem Pflichtenheft, das der Arbeitskreis MSV3 pflegt. Die zentrale Verzeichnisführung der Großhandels-Basisadressen liegt bei der DATEG. Die normativen Festlegungen dieses Beitrags folgen dem Pflichtenheft zu Release 2.
Für die Praxis ist MSV3 relevant, weil es die zwei Kernfragen der Warenbeschaffung standardisiert: Ist ein Artikel bei einem bestimmten Handelspartner lieferbar, und wie wird er verbindlich bestellt. Beides lief zuvor über uneinheitliche, herstellerindividuelle Wege. MSV3 macht daraus einen für alle Beteiligten gleich beschriebenen Webservice.
Ein Hinweis zur Begrifflichkeit: In Glossaren kursieren mehrere Auflösungen des Kürzels MSV. Im Pflichtenheft selbst wird die Abkürzung nicht ausgeschrieben. Belastbar ist deshalb nur die Sachbeschreibung, nämlich die Bestellschnittstelle zwischen Apotheke und Großhandel.
MSV2 ist ein serielles Protokoll aus dem Jahr 1985, das über ISDN betrieben wurde und seit 2001 nur noch um zwingende gesetzliche Anforderungen ergänzt wird. Es überträgt im Kern die Bestellung und die zugehörige Rückmeldung. Alles darüber hinaus, insbesondere umfangreiche Verfügbarkeitsabfragen und Lieferscheindaten, lief parallel über nicht standardisierte, herstellerindividuelle Webservices. Genau diese Zweiteilung benennt das Pflichtenheft als das zu lösende Problem.
| Merkmal | MSV2 | MSV3 |
|---|---|---|
| Einführung | 1985, seit 2001 funktional eingefroren | Ablösender Standard, in Releases weiterentwickelt |
| Transport | Serielles Protokoll über ISDN | SOAP-Webservices über HTTPS, beschrieben durch WSDL |
| Funktionsumfang | Bestellung und Rückmeldung | Verfügbarkeitsanfrage, Bestellung, Status, Vertragsdaten, Avise, Retouren |
| Verfügbarkeitsabfrage | Nur über herstellerindividuelle Zusatzdienste | Teil des Standards, einzeln und als Bulk |
| Mischbetrieb | Parallelbetrieb mit Zusatzdiensten war die Regel | Ab Version 2.x ausdrücklich ausgeschlossen |
Architektonisch ist eine Entscheidung bemerkenswert: MSV3 bildet jede Funktion als eigenen SOAP-Service ab, ausdrücklich damit Großhändler die Last auf HTTP-Ebene verteilen können. Auch das Adressschema ist normiert. Die Basisadresse endet auf /msv3 für den Produktivbetrieb oder /msv3test für den Test, gefolgt von der Version und dem Funktionsnamen.
Release 1 definiert sieben Services. Sie decken den Kernprozess von der Verbindungsprüfung über die Verfügbarkeitsanfrage und die Bestellung bis zur Statusabfrage ab.
Release 2 ergänzt den Umfang um Lieferavise, also die Vorabinformation über eine bevorstehende Lieferung samt zugeordneter Tour, um Retourenavise für Rücksendung und Gutschrift, um einen Dokumentenabruf und um Benachrichtigungen zu Bestellfenstern an Sondertagen wie Feiertagen. Für neue Anwendungsfälle sieht Release 2 vor, dass sie ohne zusätzliche Vereinbarung nutzbar sind. Damit deckt der Standard die fünf operativen Bausteine der Auftragsabwicklung ab: Verfügbarkeit prüfen, bestellen, Status abrufen, Lieferung und Tour avisieren, Retoure und Gutschrift abwickeln.
Die Verfügbarkeitsanfrage ist der am häufigsten genutzte Teil des Standards und der eigentliche tägliche Nutzen. Ihre Software übergibt eine oder mehrere PZN an den Webservice eines Großhändlers und erhält in Echtzeit zurück, ob und in welcher Menge der Artikel dort lieferbar ist. Die Abfrage ist unverbindlich und reserviert keine Ware, im Unterschied zur Bestellung, die den Logistikprozess auslöst.
Die Antwort ist mehr als ein Ja oder Nein. Neben der Lieferbarkeit und der lieferbaren Menge kann der Großhändler den Defektgrund, einen Ersatz- oder Nachfolgeartikel und bei Lieferbarkeit den voraussichtlichen Liefertermin über die zugeordnete Tour zurückmelden. Genau diese Zusatzinformation macht die digitale Lieferbarkeitsprüfung wertvoll: Die Client-Software kann bei einem Defekt automatisch einen anderen Handelspartner anfragen oder einen angebotenen Ersatzartikel prüfen, statt den Vorgang manuell neu aufzurollen.
Weil jeder Großhändler seinen eigenen Bestand führt, ist die Prüfung immer je Handelspartner zu stellen. Die PZN-Lieferbarkeit ist also keine Marktzahl, sondern eine Momentaufnahme des jeweils angefragten Lieferanten. Auf pharmazie.com ist diese Verfügbarkeitsanfrage live im Einsatz.
Die Authentifizierung erfolgt über HTTP Basic Auth innerhalb einer HTTPS-Verbindung. Jeder Großhändler vergibt eigene Zugangsdaten, bestehend aus einer Kundenkennung und einem Passwort, dazu die Endpunkt-URL seiner Basisadresse. Client-Zertifikate wurden bei der Standardisierung bewusst verworfen, weil der Aufwand als nicht gerechtfertigt bewertet wurde. Serverseitig ist dagegen ein von einer öffentlichen Zertifizierungsstelle signiertes Zertifikat vorgeschrieben, selbstsignierte Zertifikate sind unzulässig.
Daraus folgt der wichtigste organisatorische Punkt: Es gibt keine zentrale MSV3-Anbindung. Sie schließen je Großhändler eine Vereinbarung und erhalten je Großhändler eigene Zugangsdaten und eine eigene Endpunkt-URL. Zu jedem Zugangsdatenpaar gehört ein vertraglich vereinbarter Parametersatz: Bestellfenster und Touren, zulässige Auftragsarten, Auftragskennungen sowie Substitutionsregeln. Die Auftragsart Normal ist immer zulässig, Versand-, Stapel- und Sonderaufträge sind optional. Bulk-Verfügbarkeitsabfrage und Rücknahmeangebot sind ausdrücklich opt-in.
Zu den vertraglichen Parametern gehören auch Abfragekontingente. Weil die Verfügbarkeitsanfrage die Server der Großhändler belastet, vereinbaren beide Seiten in der Praxis, in welchem Umfang und in welcher Frequenz abgefragt werden darf. Release 2 empfiehlt dazu einen clientseitigen Zwischenspeicher von wenigen Minuten, damit wiederholte Abfragen derselben PZN nicht jedes Mal bis zum Server durchschlagen.
MSV3 erreicht keinen einzelnen zentralen Server, sondern die individuellen Endpunkte der angebundenen Großhändler. Angebunden ist eine wachsende Zahl vollversorgender und spezialisierter Großhändler in Deutschland. Das zentrale Verzeichnis der Basisadressen führt die DATEG, sodass Softwarehäuser die Endpunkte nicht einzeln recherchieren müssen.
Praktisch heißt das: Jeder zusätzliche Handelspartner ist ein eigener Anbindungsvorgang mit eigenen Zugangsdaten und eigenem Parametersatz. Genau diese Vervielfachung über mehrere Handelspartner hinweg ist der Kostenpunkt, den Häuser in der Praxis unterschätzen.
„Wenn man die Kosten für eine MSV3-Verbindung sieht, dann ist das wirklich kein Pappenstiel.“ Leitung, Krankenhausapotheke
„Unterstützt MSV3“ ist keine Ja-Nein-Angabe. Zwei Unterschiede entscheiden darüber, was eine Anbindung im Alltag tatsächlich leistet, und beide stehen selten im Angebot.
Erstens der Funktionsumfang. Unterschieden werden die Online-Anfrage, also die Verfügbarkeitsabfrage, und die Online-Bestellung. Ein Lieferant kann die eine unterstützen und die andere nicht. Wer nur die Anfrage angebunden hat, sieht die Verfügbarkeit im eigenen System, bestellt aber weiterhin über den bisherigen Weg.
Zweitens der Versionsstand. In der Praxis sind zwei Stände im Umlauf, MSV3 Version 1 und MSV3 Version 2.0. Welcher Stand unterstützt wird, unterscheidet sich je Lieferant, nicht je Lieferantenkategorie. Ein Vollsortimenter kann auf einem älteren Stand fahren als ein kleiner Spezialanbieter.
Für die Auswahl heißt das: Fragen Sie nicht, ob ein Lieferant MSV3 unterstützt, sondern welche Funktion in welchem Versionsstand. Die folgenden fünf Kriterien klären das vor der Anbindung.
| Kriterium | Was Sie erfragen | Warum es zählt |
|---|---|---|
| Funktionsumfang | Online-Anfrage, Online-Bestellung oder beides | ohne Bestellfunktion bleibt der Medienbruch bestehen |
| Versionsstand | MSV3 Version 1 oder Version 2.0 | bestimmt, welche Felder und Antwortcodes zur Verfügung stehen |
| Zugang | eigene Zugangsdaten und eigener Endpunkt je Lieferant | jede Anbindung erzeugt eigenen Pflegeaufwand |
| Antwortverhalten | welche Antwortcodes im Regel- und im Ausnahmefall kommen | ohne definierte Folgelogik bleibt der Ausnahmefall liegen |
| Abdeckung | welcher Teil Ihres Sortiments über diesen Lieferanten läuft | eine Anbindung mit geringer Sortimentsabdeckung spart wenig Zeit |
Die Prüfung dieser fünf Punkte lohnt vor der ersten Anbindung und nicht nach der fünften. Quelle für die Unterscheidung von Funktion und Versionsstand je Lieferant ist die Übersicht der unterstützenden Lieferanten in der IXOS-Onlinehilfe.
Der praktisch wichtigste Teil des Standards für den Anwender ist die Rückmeldung zur Lieferbarkeit. Auf Kategorieebene unterscheidet sie, ob eine Position lieferbar, nur teilweise lieferbar oder nicht lieferbar ist, und liefert bei einem Defekt zusätzlich den Defektgrund. Die folgende Übersicht ordnet die im Pflichtenheft geführten Defektgründe ihrer operativen Konsequenz zu. Der vollständige und exakte Codekatalog steht im MSV3-Pflichtenheft.
| Code | Bedeutung | Operative Konsequenz |
|---|---|---|
| Lieferbar | Artikel ist verfügbar | Bestellung möglich |
| TeilDefekt | Nur ein Teil der angefragten Menge ist verfügbar | Restmenge anderweitig decken |
| FehltZurzeit | Artikel wird geführt, ist aktuell nicht am Lager, der Lieferant kann liefern | Warten ist meist sinnvoll |
| HerstellerNichtLieferbar | Lagerartikel, wird aber vom Hersteller nicht geliefert | Alternative suchen, Engpasslage prüfen |
| NichtGefuehrt | Artikel gehört nicht zum Sortiment dieses Großhändlers | Anderen Handelspartner anfragen |
| NurDirekt | Nicht über den Großhandel beziehbar, für ihn gesperrt | Direktbezug beim Hersteller |
| AusserHandel | Artikel ist außer Vertrieb | Dauerhafte Umstellung erforderlich |
| ArtikelNrUnbekannt | PZN ist unbekannt | Stammdaten prüfen, PZN kann veraltet sein |
| KeinBezug | Kunde ist nicht bezugsberechtigt, etwa bei fehlender Betäubungsmittelberechtigung | Berechtigung klären |
| Transportausschluss | Transportweg ungeeignet, etwa Kühlware im Nachtsprung | Anderen Liefertermin oder Weg wählen |
Ein besonders häufiges Fehlerbild ist die Verwechslung von FehltZurzeit mit HerstellerNichtLieferbar. Der erste Code beschreibt eine Lagersituation beim Handelspartner und löst sich in der Regel von selbst. Der zweite verweist auf die Herstellerebene und ist damit ein Frühindikator für eine mögliche Engpasslage, die alle Handelspartner gleichermaßen betrifft. Wer beide Codes im eigenen System auf ein einziges Feld „nicht verfügbar“ abbildet, verliert genau die Information, die über die richtige Reaktion entscheidet.
Ähnlich aussagekräftig ist ArtikelNrUnbekannt. Der Code deutet häufig nicht auf einen Tippfehler hin, sondern auf einen veralteten Stammdatenbestand, in dem eine gelöschte PZN weiterhin geführt wird. Solche Datensätze bleiben formal prüfziffernkonform und fallen deshalb erst im Bestellprozess auf.
Meldet die Schnittstelle einen herstellerseitigen Defekt, endet die Transaktion, nicht der Beschaffungsauftrag. Sinnvoll sind dann drei Schritte in fester Reihenfolge: erstens einen wirkstoffgleichen Artikel als Alternative prüfen, zweitens abgleichen, ob eine offizielle Engpassmeldung vorliegt, drittens die Beschaffung aus einem anderen Markt in Betracht ziehen. So wird aus dem Statuscode eine Handlungsentscheidung.
Der zweite Schritt ist der wichtigste, weil er über die Reichweite des Problems entscheidet. Liegt zur betroffenen PZN eine Meldung im Register für Lieferengpässe des BfArM vor, ist der Ausfall kein Einzelfall eines Handelspartners, sondern betrifft den Markt. Dann führt das erneute Anfragen weiterer Großhändler selten zum Ziel, und der Blick muss auf wirkstoffgleiche Alternativen und, falls verfügbar, auf importierte Entsprechungen gehen. Vertiefende Hinweise dazu bündelt der Beitrag zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln.
Der Nutzen liegt weniger in der einzelnen Bestellung als in der Verfügbarkeitsprüfung vor der Bestellung. Ohne standardisierte Abfrage bedeutet die Prüfung mehrerer Bezugsquellen, dieselbe PZN nacheinander in mehreren Portalen einzugeben. Das kostet Zeit, ist nicht dokumentiert und wird unter Zeitdruck abgekürzt. In der Klinikapotheke mit ihren großen, planbaren Bedarfsmengen und der Pflicht zur lückenlosen Versorgung wiegt beides besonders schwer.
Hinzu kommt ein rechtlicher Bezug, der oft übersehen wird. Bei Nichtverfügbarkeit eines Rabattarzneimittels knüpft der erleichterte Austausch nach § 129 SGB V an erfolglose Anfragen beim Großhandel an. Genau diese Anfragen sind technisch die MSV3-Verfügbarkeitsanfragen. Eine standardisierte, protokollierte Abfrage erzeugt damit nicht nur Zeitgewinn, sondern auch eine nachvollziehbare Dokumentation des Beschaffungsversuchs im gesetzlichen Abgaberahmen. Hintergründe zum Bezugsweg fasst der Beitrag zum pharmazeutischen Großhandel zusammen.
Technisch ist MSV3 als Webservice grundsätzlich in Warenwirtschafts- und ERP-Systeme integrierbar, und der Bedarf ist real: Häuser wollen Verfügbarkeit prüfen und Bestellungen auslösen, ohne ihr führendes System zu verlassen. Zugleich gilt der Integrationsaufwand, insbesondere zu SAP oder beim Wechsel des Warenwirtschaftssystems, als anspruchsvoll und wird von vielen Häusern als Hürde beschrieben.
Am Markt bieten spezialisierte Dienstleister eigene Konnektoren an, die MSV3 an gängige Warenwirtschafts- und ERP-Systeme wie Sage 100 oder Microsoft Dynamics anbinden. Der Reifegrad dieser Lösungen ist unterschiedlich, und ein Wechsel des führenden Systems verschiebt den Aufwand jedes Mal neu. Eine Bewertung im eigenen Haus sollte deshalb Datenstände, Mandantenfähigkeit und die tatsächlich benötigten Services vorab klären.
Für pharmazie.com ist die Ehrlichkeit an dieser Stelle wichtiger als das Versprechen: Eine tiefe ERP- und SAP-Integration befindet sich in der Evaluierung und ist nicht ausgeliefert. Live nutzbar ist die Verfügbarkeitsanfrage. Auf der Einkäuferseite ist zudem die digitale Bestellung live und als Standard-Zusatzmodul verfügbar, nur die Anbieter- oder Serverseite, die Bestellungen entgegennimmt, befindet sich noch in der Pilotphase. Wer heute eine standardisierte, kostengünstige SAP-Anbindung als fertiges Produkt sucht, sollte den Umsetzungsstand konkret erfragen, statt ihn vorauszusetzen.
MSV3 löst den Bestellprozess, nicht die Informationslage. Die dokumentierten Grenzen sollten Sie in der Planung kennen:
Der letzte Punkt ist der wichtigste. MSV3 ist eine Transaktionsschnittstelle, keine Informationsquelle. Wenn die Antwort HerstellerNichtLieferbar lautet, endet die Zuständigkeit des Standards genau an der Stelle, an der Ihre eigentliche Frage beginnt.
Sobald ein Ausfall den Markt und nicht nur einen Handelspartner betrifft, endet der Nutzen einer reinen Transaktionsschnittstelle. Dann zählt die Frage nach der beschaffbaren Alternative: welcher wirkstoffidentische Artikel infrage kommt, ob eine Engpassmeldung vorliegt und ob es in einem anderen Markt eine verfügbare Entsprechung gibt. Diese Antwort liefert nicht MSV3, sondern eine breite Datengrundlage.
Für diese schichtübergreifende Frage über den DACH-Raum und 50+ Länder hinweg ist eine konsolidierte Datengrundlage die vollständigste Antwort, weil sie Verfügbarkeitsauskunft, Engpasslage, wirkstoffgleiche Alternativen und internationale Abdeckung in einem Schritt verbindet. Diese 50+ Länder stammen aus den konsolidierten Datenbanken, nicht aus MSV3, das national bleibt.
Hier ist Transparenz angebracht, weil der Umsetzungsstand häufig überschätzt wird. Auf pharmazie.com sind auf der Einkäuferseite die Lieferbarkeitsabfrage und die digitale Bestellung live und als Standard-Zusatzmodul verfügbar. Nur die Anbieter- oder Serverseite, die Bestellungen entgegennimmt, befindet sich noch in der Pilotphase. Die tiefe ERP- und SAP-Integration ist in Evaluierung und nicht ausgeliefert. Mehr als das ist zum jetzigen Stand nicht belegbar, und mehr behaupten wir auch nicht.
Der inhaltliche Ansatz ergibt sich aus der oben beschriebenen Grenze des Standards. Die Verfügbarkeitsanfrage über MSV3 klärt, ob ein konkreter Handelspartner liefern kann. Der ergänzende Schritt ist die Frage nach der Alternative, wenn er es nicht kann. Für die Bewertung im eigenen Haus heißt das: Prüfen Sie MSV3 als Transaktionsstandard und die Datengrundlage als getrennte Fragen. Ein Haus, das MSV3 an drei Großhändler angebunden hat und trotzdem bei jedem Engpass manuell recherchiert, hat die erste Frage gelöst und die zweite nicht.
Dieser Inhalt richtet sich an Fachkreise und stellt keine medizinische Beratung dar. Zuletzt geprüft: August 2026.
MSV3 ist die standardisierte Datenschnittstelle für die Auftragsabwicklung zwischen Apotheke und pharmazeutischem Großhandel in Deutschland. Sie wird gemeinsam von PHAGRO, dem Deutschen Apothekerverband und ADAS getragen und ist technisch als Satz von SOAP-Webservices über HTTPS umgesetzt. Der Funktionsumfang reicht von der Verfügbarkeitsanfrage über die Bestellung bis zur Statusabfrage und den Vertragsdaten.
HerstellerNichtLieferbar bedeutet, dass der Artikel zum Sortiment des Großhändlers gehört, ihm aber vom Hersteller nicht geliefert wird. Der Code verweist damit auf die Herstellerebene und ist ein Frühindikator für eine Engpasslage, die alle Handelspartner gleichermaßen betrifft. Er ist klar von FehltZurzeit zu unterscheiden, das lediglich eine vorübergehende Lagersituation beim Großhändler beschreibt und sich meist von selbst löst.
MSV2 ist ein serielles Protokoll aus dem Jahr 1985, das über ISDN betrieben wurde und im Kern nur die Bestellung samt Rückmeldung überträgt. MSV3 nutzt SOAP-Webservices über HTTPS und integriert die Verfügbarkeitsanfrage in den Standard selbst, die unter MSV2 nur über herstellerindividuelle Zusatzdienste möglich war. Ab Version 2.x ist der Mischbetrieb mit MSV2 und Altdiensten ausdrücklich ausgeschlossen.
Eine einzelne Verfügbarkeitsanfrage umfasst nach dem Pflichtenheft maximal 50 Artikel. Für umfangreichere Prüfungen ist die Bulk-Funktion vorgesehen, die jedoch je Apotheke und Großhändler vertraglich gesondert vereinbart werden muss und daher nicht überall verfügbar ist. Release 2 empfiehlt zusätzlich einen clientseitigen Zwischenspeicher von wenigen Minuten, um Lastprobleme zu vermeiden.
Release 1 definiert sieben Services: verbindungTesten, verfuegbarkeitAnfragen, verfuegbarkeitAnfragenBulk, bestellen, bestellstatusAbfragen, ruecknahmeangebotAnfordern und vertragsdatenAbfragen. Release 2 ergänzt Lieferavise, Retourenavise, einen Dokumentenabruf sowie Benachrichtigungen zu Bestellfenstern an Sondertagen. Bulk-Verfügbarkeitsabfrage und Rücknahmeangebot sind vertraglich gesondert zu vereinbaren.
Die Anbindung erfolgt je Großhändler einzeln, eine zentrale MSV3-Verbindung gibt es nicht. Jeder Großhändler vergibt eigene Zugangsdaten aus Kundenkennung und Passwort, die Authentifizierung läuft über HTTP Basic Auth innerhalb einer HTTPS-Verbindung. Zu jedem Zugangsdatenpaar gehört ein vertraglich vereinbarter Parametersatz mit Bestellfenstern, zulässigen Auftragsarten und Substitutionsregeln.