Datenintegration und APIs
August 6, 2026
6 Min. Lesezeit

MSV3-Schnittstelle für Sage 100: Lieferbarkeit und Bestellung in Echtzeit

Die MSV3-Client-Schnittstelle verbindet Sage 100 direkt mit dem pharmazeutischen Großhandel: Echtzeit-Lieferbarkeitsabfrage und digitale Bestellung ohne Systemwechsel. pharmazie.com bietet sie live und produktiv als Standard-Zusatzmodul, anschlussfähig an SAP, Navision und BEC.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • MSV3 (Medium Speed Version 3) ist der De-facto-Standard für die elektronische Echtzeit-Bestellkommunikation zwischen Einkäufern und pharmazeutischem Großhandel in Deutschland, seit 2013/2014 Nachfolger des modembasierten MSV2, gepflegt von PHAGRO, ADAS und dem DAV.
    • Die MSV3-Client-Schnittstelle (Einkäuferseite) von pharmazie.com ist live und produktiv, verfügbar als Standard-Zusatzmodul, und bindet sich in Sage 100 sowie SAP, Navision und BEC ein.
    • Ablauf in Echtzeit: PZN-Abfrage, parallele Lieferbarkeit über alle angebundenen Großhändler, digitale Bestellung mit Rückschreibung ins ERP, auf Basis eines täglich aktualisierten Artikelstamms mit 260 Feldern.
    • Sechs standardisierte Nachrichtentypen decken den Prozess ab: Verfügbarkeitsanfrage, Bestellung, Bestellbestätigung, Nachlieferung, Storno und Retoure.
    • MSV3-Client (Einkäuferseite) ist produktiv; die MSV3-Server-Schnittstelle (Verkäuferseite) befindet sich 2026 in der Pilotphase. MSV3 ist ein deutscher Standard und gilt nicht außerhalb Deutschlands.

    Die MSV3-Schnittstelle bindet Sage 100 direkt an den pharmazeutischen Großhandel an: Einkäufer fragen die Lieferbarkeit eines Arzneimittels in Echtzeit ab und lösen die Bestellung digital aus, ohne das ERP zu verlassen. pharmazie.com stellt dafür die MSV3-Client-Schnittstelle bereit, die Einkäuferseite des Standards. Sie ist live und produktiv und als Standard-Zusatzmodul verfügbar, anschlussfähig an Sage 100 sowie SAP, Navision und BEC. Dieser Artikel richtet sich an IT- und Einkaufsverantwortliche im pharmazeutischen Großhandel und in Krankenhausapotheken, die MSV3 an ihr Sage-100-System oder ein anderes Warenwirtschaftssystem anbinden möchten.

    Was ist die MSV3-Schnittstelle?

    Die MSV3-Schnittstelle ist die standardisierte, internetbasierte Bestellschnittstelle zwischen Arzneimitteleinkäufern und dem pharmazeutischen Großhandel in Deutschland. Sie regelt Verfügbarkeitsabfrage, Bestellübermittlung und Statusrückmeldung in Echtzeit. Definiert und weiterentwickelt wird der Standard gemeinsam vom Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels PHAGRO, dem Softwareverband ADAS und dem Deutschen Apothekerverband. Die technischen Details veröffentlicht ADAS in der offiziellen MSV3-Schnittstellenbeschreibung.

    In der Praxis bedeutet das: Statt Bestände in getrennten Portalen einzeln zu prüfen, läuft die Kommunikation mit mehreren Großhändlern über ein einziges Protokoll. Erst das macht Echtzeit-Verfügbarkeit und Bestellung mit einem Klick aus einem ERP wie Sage 100 heraus möglich.

    Wofür steht MSV3 und wie funktioniert das Bestellprotokoll?

    MSV3 steht für Medium Speed Version 3. Das Verfahren löste 2013/2014 das modembasierte Vorgängerverfahren MSV2 ab und verlagerte die Bestellkommunikation vollständig ins Internet. Seither ist es der De-facto-Standard für die elektronische Echtzeitkommunikation zwischen Arzneimitteleinkäufern und Großhandel.

    Technisch trennt MSV3 zwei Rollen: einen Client auf der Einkäuferseite, der Anfragen stellt und Bestellungen sendet, und einen Server auf der Verkäuferseite, der diese beantwortet. Ein einzelner Client kann mehrere Großhandelskonten parallel ansprechen. Über die Schnittstelle laufen mehrere standardisierte Nachrichtentypen:

    NachrichtentypZweck
    VerfügbarkeitsanfragePrüft in Echtzeit, ob und in welcher Menge ein Artikel lieferbar ist.
    BestellungÜbermittelt die verbindliche Bestellung an den Großhändler.
    Bestellbestätigung / StatusMeldet Annahme, Teilmengen und Liefertermin zurück.
    Nachlieferung / RückstandInformiert über nicht sofort lieferbare Positionen.
    StornoStorniert eine übermittelte Bestellung.
    RetoureMeldet Rücksendungen und Gutschriften.

    MSV3-Client vs. MSV3-Server: Welche Seite brauchen Sie?

    Wer Arzneimittel einkauft, benötigt die Client-Seite. Wer als Großhändler oder Hersteller selbst Bestellungen entgegennimmt, benötigt die Server-Seite. Beide sind Teil desselben Standards, erfüllen aber gegensätzliche Aufgaben.

    KriteriumMSV3-Client (Einkäuferseite)MSV3-Server (Verkäuferseite)
    Rollefragt Lieferbarkeit ab, bestelltbeantwortet Anfragen, bestätigt Bestellungen
    Typischer NutzerEinkauf, Disposition, KlinikapothekeGroßhandel, Hersteller, Reimporteur
    Status bei pharmazie.comlive und produktiv, Standard-ZusatzmodulPilotphase 2026

    Für die Anbindung an Sage 100 im Einkauf ist daher die MSV3-Client-Schnittstelle die richtige Wahl. Sie ist verfügbar und im produktiven Einsatz. Die MSV3-Server-Schnittstelle befindet sich 2026 in der Pilotphase; bei einem Vorhaben auf der Verkäuferseite ist dieser Status vorab zu klären.

    Wie bindet sich die MSV3-Schnittstelle in Sage 100 ein?

    Die MSV3-Client-Schnittstelle setzt zwischen Sage 100 und den Großhandelssystemen auf. Sie übersetzt eine Bestellanforderung aus dem ERP in eine MSV3-konforme Abfrage, holt die Antwort in Echtzeit ein und schreibt Bestell- und Statusdaten zurück in Sage 100. Der Einkauf bleibt damit in der gewohnten ERP-Oberfläche, ohne Portalwechsel.

    Grundlage jeder Abfrage ist ein sauberer Arzneimittel-Stammsatz. pharmazie.com liefert die Identifikations- und Statusdaten aus einem täglich aktualisierten Artikelstamm mit 260 auswertbaren Feldern, darunter PZN, Verschreibungspflicht, Vertriebsweg und Preisstruktur. Weil Abfrage und Bestellung auf denselben konsolidierten Daten aufsetzen, gibt es keinen Bruch zwischen dem, was das ERP anzeigt, und dem, was der Großhändler bestätigt. Dieselben Stammdaten stehen für tiefere Integrationen über die Arzneimitteldaten-API bereit.

    Wie läuft die Lieferbarkeitsabfrage in Echtzeit ab?

    Der Ablauf einer Abfrage folgt fünf Schritten:

    1. Artikel über die PZN oder den Wirkstoff im ERP oder in der Eisbergsuche® auswählen.
    2. Die MSV3-Client-Schnittstelle fragt alle angebundenen Großhändler parallel ab.
    3. Die Antwort kommt in Echtzeit zurück: lieferbar, Menge, Kontingentierung und Preis je Großhändler.
    4. Der Einkauf löst die Bestellung digital beim gewählten Großhändler aus.
    5. Statusrückmeldung und Bestelldaten werden nach Sage 100 zurückgeschrieben.

    Weil alle Großhändler über dasselbe Protokoll antworten, wird aus mehreren manuellen Portalabfragen ein einziger, automatisierbarer Vorgang. Wie die reine Verfügbarkeitsprüfung im Detail funktioniert, zeigt der Leitfaden zur MSV3-Lieferbarkeitsprüfung.

    Welche Daten fließen über die Schnittstelle?

    Der Wert der Anbindung hängt an den Daten, die über sie laufen. In der MSV3-Kommunikation sind vor allem diese Felder relevant:

    • PZN als eindeutiger Schlüssel jedes Artikels.
    • Verfügbarkeitsstatus: lieferbar, Rückstand oder ausgelistet.
    • Menge und Kontingentierung je Großhändler, inklusive Rationierung bei Engpässen.
    • Einkaufspreis je Großhändler für den direkten Vergleich.
    • Voraussichtlicher Liefertermin für Rückstandspositionen.
    • Vertriebsweg und Verschreibungspflicht aus dem Artikelstamm.

    Welche weiteren ERP- und Warenwirtschaftssysteme werden unterstützt?

    Die Schnittstelle ist ERP-agnostisch. Neben Sage 100 lässt sich die MSV3-Client-Schnittstelle in SAP, Navision und BEC einbinden. pharmazie.com ist grundsätzlich API-first und integriert sich per REST-API, MSV3 und FTP in bestehende Warenwirtschafts- und ERP-Systeme, statt sie zu ersetzen. Der Rohdatenzugriff kann eine Datenlizenz des Datenanbieters voraussetzen. Einen breiteren Überblick zur Anbindung an die Warenwirtschaft gibt der Leitfaden zu Arzneimitteldaten in der Warenwirtschaft.

    Voraussetzungen und Einrichtung: Schritt für Schritt

    Für die Anbindung sind drei Bausteine nötig:

    • Zugangsdaten für jeden Großhändler, bei dem bestellt werden soll.
    • Ein Zugang zu pharmazie.com mit dem MSV3-Client-Modul.
    • Die technische Anbindung an Sage 100 oder ein anderes ERP.

    Die Einrichtung folgt danach vier Schritten:

    1. Großhandelskonten im MSV3-Client hinterlegen und authentifizieren.
    2. Anbindung auf den Artikelstamm mappen, damit PZNs korrekt aufgelöst werden.
    3. Testlauf einer Verfügbarkeitsanfrage gegen ein produktives Großhandelskonto.
    4. Freigabe für den produktiven Bestellprozess.

    Da MSV3 im regulierten Arzneimittelhandel eingesetzt wird, arbeiten Einkäufer in der Regel unter einer Großhandelserlaubnis (WDA) und nach guter Vertriebspraxis (GDP). MSV3 ist ein deutscher Bestellstandard und auf den deutschen Markt ausgelegt.

    Welche Vorteile bringt die MSV3-Anbindung?

    • Zeitersparnis: eine Abfrage statt mehrerer getrennter Portal-Logins.
    • Fehlerreduktion: keine manuelle Übertragung von PZN und Mengen zwischen Systemen.
    • Multi-Großhandel: parallele Verfügbarkeit und Preisvergleich in einem Schritt.
    • Rückschreibung: Bestell- und Statusdaten landen direkt im ERP.
    • Nachvollziehbarkeit: eine dokumentierte Bestellhistorie, die GDP-konforme Prozesse und, zusammen mit der securPharm-Verifizierung, einen sauberen Audit-Trail stützt.

    MSV3 im Kontext von Lieferengpässen und Versorgungssicherheit

    Eine Echtzeit-Lieferbarkeitsabfrage entfaltet ihren Wert vor allem bei Engpässen. pharmazie.com verknüpft die MSV3-Bestellung mit einer täglich aktualisierten Lieferengpass-Datenbank, die an die Meldungen des BfArM angebunden ist und alternative Produkte inklusive EU-Importoptionen vorschlägt. Ein proaktiver E-Mail-Alert meldet, sobald ein langfristig nicht lieferbarer PZN bei einem der eigenen Lieferanten wieder verfügbar ist. So verbindet sich die Bestellschnittstelle mit dem Versorgungsauftrag nach dem ALBVVG.

    Grenzen und Abgrenzung

    Zwei Punkte zur Einordnung. Erstens ist MSV3 ein deutscher Bestellstandard und wird nicht international exportiert; außerhalb Deutschlands ist es kein Integrationsargument. Für grenzüberschreitende Szenarien ist eine Anbindung über REST-API sinnvoller, eine Brücke zwischen MSV3 und dem europäischen EDI-Standard ist geplant. Zweitens ist pharmazie.com primär eine Datenplattform: Die MSV3-Client-Funktion ist ein Zusatzmodul, kein Ersatz für das ERP oder Warenwirtschaftssystem. Sie liefert Daten und Bestellung in diese Systeme hinein, statt sie zu ersetzen.

    Fazit

    Die MSV3-Client-Schnittstelle macht aus Sage 100 einen direkten Bestellkanal zum pharmazeutischen Großhandel: Lieferbarkeit in Echtzeit, digitale Bestellung, Rückschreibung ins ERP, ohne Systemwechsel. Weil sie live und produktiv verfügbar ist und auf einem täglich gepflegten Artikelstamm mit 260 Feldern aufsetzt, ist der Weg von der Abfrage zur Bestellung kurz und verlässlich. pharmazie.com ist die konsolidierte pharmazeutische Datenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, die 25+ Fachdatenbanken in einer einzigen Suche bündelt, ausschließlich für Fachkreise im Gesundheitswesen. Wie die Anbindung an Ihr Sage-100-System konkret aussieht, zeigt am besten eine kurze Demo.

    Weiterführend: Arzneimitteldaten-API · Arzneimitteldaten in der Warenwirtschaft · Arzneimitteldatenbank: Überblick

    MSV3-Anbindung als Demo ansehen

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Was ist eine MSV3-Schnittstelle?
    Was ist der Unterschied zwischen MSV3-Client und MSV3-Server?
    Was bedeutet MSV3?
    Wie prüfe ich in Echtzeit, ob ein Medikament lieferbar ist?
    Ist die MSV3-Schnittstelle für Sage 100 verfügbar?
    Ist MSV3 auch außerhalb Deutschlands nutzbar?
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