ZusammenfassungDie MSV3-Lieferbarkeitsprüfung ist eine Echtzeit-Abfrage, mit der eine Apotheke über ihre Warenwirtschaft beim vollversorgenden Großhandel prüft, ob ein Artikel anhand seiner PZN in der gewünschten Menge lieferbar ist. Die Apotheke sendet PZN und Menge, der Großhandelsserver prüft live den Bestand und antwortet meist in unter einer Sekunde mit Verfügbarkeit, Menge und Preis. MSV3 steht für Medium Speed Version 3 und ist der internetbasierte Standard, den DAV, Phagro und ADAS gemeinsam pflegen. Laut Phagro nutzen über 80 Prozent der Apotheken diesen Weg.
Anders als das ältere MSV2, das Bestellungen gesammelt und zeitversetzt per Modem oder ISDN übertrug, arbeitet MSV3 synchron über Webservices (XML über HTTPS). Eine Abfrage durchläuft drei Schritte:
Weil die Auskunft verbindlich und sofort vorliegt, ist die Lieferbarkeitsprüfung vom administrativen Nachgang zum festen Bestandteil des Beratungsgesprächs am Handverkaufstisch geworden. Sie können der Patientin oder dem Patienten noch im Gespräch sagen, ob und wann das Präparat verfügbar ist.
Der entscheidende Fortschritt gegenüber MSV2 liegt in der differenzierten Rückmeldung. Der Server antwortet nicht nur mit Ja oder Nein, sondern mit einem aussagekräftigen Status, der die nächste Handlung bestimmt.
| Rückmeldung | Bedeutung | Handlung am HV |
|---|---|---|
| Lieferbar | Menge voll verfügbar | Bestellung auslösen |
| Teillieferung möglich | Nur ein Teil der Menge verfügbar | Restmenge über Kaskade oder Nachbestellung |
| Defekt | Artikel nicht am Lager | Alternative oder anderen Lieferanten prüfen |
| Nachfolger | Artikel außer Handel, Nachfolger-PZN existiert | Nachfolger-PZN prüfen und abgeben |
| Dispo, Sonderbeschaffung | Beschaffbar, aber mit längerer Lieferzeit | Liefertermin kommunizieren |
Je nach Konfiguration und Softwarestand liefert die Antwort zusätzlich den Preis und einen konkreten Liefertermin. In neueren Ausbaustufen des Standards kommen zum reinen Abfragen und Bestellen weitere Funktionen hinzu, etwa der digitale Lieferschein und die elektronische Retoure.
MSV3 kennt zwei Rollen. Der MSV3-Client ist die Einkäuferseite: Die Apotheke fragt Lieferbarkeit ab und bestellt beim Großhandel. Der MSV3-Server ist die Verkäuferseite: Ein Betrieb empfängt selbst Bestellungen, zum Beispiel eine krankenhausversorgende Apotheke, die andere Häuser beliefert. Die Server-Rolle erfordert zusätzliche Einrichtung, etwa freigegebene Ports und eigene Berechtigungen.
Wer die MSV3-Anbindung als Zusatzmodul zu einer Arzneimitteldatenbank nutzt, sollte die beiden Rollen sauber trennen. Bei pharmazie.com ist die MSV3-Client-Schnittstelle mit Lieferbarkeitsabfrage und digitaler Bestellung ein produktiv verfügbares Standard-Zusatzmodul. Die MSV3-Server-Schnittstelle für die Verkäuferseite befindet sich in der Pilotphase. Wer den Server-Betrieb plant, sollte diesen Status im Vorfeld klären.
Jede MSV3-Anbindung setzt eine Authentifizierung gegenüber dem jeweiligen Großhändler voraus. In der Warenwirtschaft werden dafür hinterlegt:
Ein Tippfehler in der URL oder ein veraltetes Protokoll führt zu Verbindungsfehlern und damit ins Leere. Weil jeder Lieferant eigene Zugangsdaten und Adressen hat, lohnt sich eine saubere Dokumentation der hinterlegten Verbindungen.
Die Schnittstelle ist ein Werkzeug der Logistik. Sie beantwortet die Frage, ob eine PZN bei einem bestimmten Großhändler am Lager liegt. Sie beantwortet nicht, wie Sie den Patienten versorgen, wenn der Artikel nirgends verfügbar ist. Drei Grenzen sind im Alltag besonders relevant:
Bei knappen Wirkstoffen rationieren Hersteller und Großhandel die Ware, um eine faire Verteilung zu sichern. Ist die Quote der Apotheke ausgeschöpft, meldet MSV3 Defekt oder null verfügbar, obwohl physisch Ware im Lager liegt. Diese betriebsbezogene Sperre lässt sich über die reine Abfrage nicht auflösen.
Wer sehr viele Artikel auf einmal abfragen möchte, etwa für einen Sortimentsabgleich, stößt an Grenzen. Manche Großhändler erlauben große Vollabgleiche nur in den frühen Morgenstunden und begrenzen die Anzahl der Anfragen pro Tag. Auch Wartungsfenster können Abfragen kurzzeitig ins Leere laufen lassen.
Meldet die Bestellkaskade bei allen angebundenen Großhändlern Defekt, steht die Apotheke vor einer Informationslücke. Die Warenwirtschaft weiß standardmäßig nicht, ob es eine therapeutisch sinnvolle Alternative jenseits der reinen Aut-idem-Liste gibt, ob ein Einzelimport aus dem EU-Ausland möglich ist oder ob Rohstoffe für eine Defektur verfügbar sind. An diesem Punkt endet die Logistik und beginnt die pharmazeutische Recherche.
Ein technisches Defekt darf nicht das Ende der Versorgung sein. Genau die Lücke zwischen nicht lieferbar und Patient versorgt lässt sich mit übergreifender Datenintelligenz schließen. Eine Suche, die nicht nur exakte PZN oder Namen kennt, sondern über Wirkstoff, Wirkstoffgruppe, Indikation und Darreichungsform sucht, findet Alternativen, die in der starren Warenwirtschaft verborgen bleiben.
pharmazie.com bündelt dafür mehr als 25 Datenbanken in einer einzigen semantischen Suche, inklusive des ABDA-Artikelstamms als Basis der deutschen Artikeldaten. Die Recherche nach Alternativen, Nachfolgern und Import-Optionen läuft so im selben Werkzeug, statt über Telefonanrufe und verstreute Herstellerportale. Für den Bestellweg selbst bleibt die produktiv verfügbare MSV3-Client-Schnittstelle das Standard-Zusatzmodul, mit dem Sie Lieferbarkeit prüfen und direkt bestellen.
Die MSV3-Lieferbarkeitsprüfung liefert in Echtzeit eine verbindliche, differenzierte Auskunft über die Verfügbarkeit einer PZN beim Großhandel und ist damit das Rückgrat der elektronischen Beschaffung. Ihre Stärke ist die schnelle Logistikauskunft, ihre Grenze die fehlende pharmazeutische Alternativensuche. Wer beide Ebenen verbindet, die MSV3-Abfrage für die Bestellung und eine übergreifende Datenbank für den Engpassfall, erfüllt den Versorgungsauftrag auch bei angespannter Marktlage effizient.
MSV3 steht für Medium Speed Version 3 und bezeichnet den elektronischen Standard für die Kommunikation zwischen Apotheke und pharmazeutischem Großhandel in Deutschland. Er löste das ältere, ISDN- und modembasierte MSV2 ab und arbeitet über internetbasierte Webservices. Gepflegt wird der Standard gemeinsam von DAV, Phagro und ADAS.
Der MSV3-Client ist die Einkäuferseite: Die Apotheke fragt die Lieferbarkeit ab und bestellt beim Großhandel. Der MSV3-Server ist die Verkäuferseite: Ein Betrieb empfängt selbst Bestellungen, etwa eine krankenhausversorgende Apotheke, die andere Häuser beliefert. Beide Rollen nutzen denselben Standard, unterscheiden sich aber in Einrichtung und Berechtigungen.
Die Warenwirtschaft der Apotheke sendet ein XML-Datenpaket per HTTPS an den Webservice des Großhändlers. Dieser prüft live den physischen Bestand, reservierte Kontingente und laufende Wareneingänge und schickt das Ergebnis meist in unter einer Sekunde zurück. Weil die Abfrage synchron erfolgt, liegt die verbindliche Auskunft schon während des Beratungsgesprächs am Handverkaufstisch vor.
Knappe Artikel werden häufig kontingentiert, um eine faire Verteilung zu sichern. Ist die Tages- oder Wochenquote der Apotheke ausgeschöpft, meldet die Schnittstelle Defekt oder null verfügbar, obwohl physisch Ware im Lager liegt. Diese Sperre ist betriebsbezogen. Solche Phantombestände lassen sich über die reine MSV3-Abfrage nicht auflösen.
Die Antwort ist differenziert und beschränkt sich nicht auf Ja oder Nein. Typische Rückmeldungen sind: voll lieferbar, Teillieferung möglich (nur ein Teil der Menge verfügbar), Defekt (nicht am Lager), Nachfolger (Artikel außer Handel, Nachfolger-PZN verfügbar) und Dispo beziehungsweise Sonderbeschaffung. Je nach Konfiguration werden Menge, Preis und Liefertermin mitgeliefert.
Dann endet die Kompetenz der Logistik-Schnittstelle und es beginnt die pharmazeutische Recherche: Gibt es eine therapeutisch sinnvolle Alternative, eine Nachfolger-PZN, einen Einzelimport oder Rohstoffe für eine Defektur? Diese Fragen beantwortet die Warenwirtschaft allein nicht. Hier hilft eine übergreifende Arzneimitteldatenbank, die über Wirkstoff, Indikation und Alternativen suchbar ist.