Regulatorik und Compliance
August 24, 2026
6 Minuten

securPharm-Alarm und Störung: Welches Symptom bedeutet was, und was ist jeweils zu tun?

Ein securPharm-Alarm ist nicht automatisch ein Fälschungsverdacht, und eine Fehlermeldung ist nicht automatisch ein Alarm. Dieser Beitrag ordnet die typischen Symptome ihren Ursachen zu und nennt für jedes die richtige Handlung.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Eine Packung, die Alarm auslöst, darf zunächst nicht abgegeben werden und muss separiert werden.
    • Danach folgt Fehleranalyse, nicht Ablehnung: zu klären ist, ob eine echte Fälschung oder ein Fehlalarm vorliegt.
    • Die häufigste Ursache für Fehlalarme ist eine falsche Scanner-Einstellung.
    • Eine Servermeldung ist etwas anderes als ein Alarm. Bei Erreichbarkeitsproblemen hilft die Statusseite.
    • Das N-ID-Zertifikat ist alle 24 Monate zu erneuern. Ein abgelaufenes Zertifikat sieht im Alltag aus wie eine Störung.

    Ein securPharm-Alarm bedeutet nicht automatisch, dass eine Fälschung vorliegt, und eine Fehlermeldung ist nicht automatisch ein Alarm. Die richtige Reaktion hängt davon ab, welches der drei Symptome vorliegt: eine Alarmmeldung an der Packung, eine Meldung über die Nichterreichbarkeit des Systems, oder ein Zertifikats- und Zugangsproblem. Die erste Handlung ist in allen drei Fällen dieselbe und trotzdem entscheidend: einordnen, bevor gehandelt wird. Eine Packung mit Alarm darf zunächst nicht abgegeben werden und muss separiert werden. Alles Weitere ist Fehleranalyse.

    Dieser Beitrag richtet sich an abgebende und ausbuchende Stellen, insbesondere an Krankenhausapotheken und klinikversorgende Betriebe, bei denen im Wareneingang große Mengen gescannt werden und ein einzelner Alarm eine ganze Lieferung aufhält.

    Was securPharm prüft, und was nicht

    securPharm ist der deutsche Teil des europäischen Verifikationssystems gegen Arzneimittelfälschungen. Es arbeitet nach dem End-to-End-Prinzip: Auf der einen Seite stehen die pharmazeutischen Unternehmen, die den individuellen Code je Packung einstellen, auf der anderen die abgebenden Stellen, die ihn prüfen und die Packung ausbuchen.

    Geprüft wird die Identität der Einzelpackung, also ob dieser Code bekannt und noch nicht ausgebucht ist. Nicht geprüft werden Inhalt, Qualität, Haltbarkeit oder Verkehrsfähigkeit. Ein erfolgreicher Scan ist eine Aussage über den Code, nicht über das Arzneimittel.

    Die drei Symptome und ihre Zuordnung

    Die folgende Zuordnung trennt, was im Alltag oft vermischt wird. Sie ersetzt keine Einzelfallprüfung, sie sortiert nur die Richtung.

    SymptomWas es zunächst bedeutetErste HandlungWer weiterhilft
    Alarmmeldung an einer einzelnen PackungFälschungsverdacht oder Fehlalarm, das ist zu diesem Zeitpunkt offenPackung nicht abgeben, separieren, dann Fehleranalyseeigene Fehleranalyse, danach die zuständige Stelle
    Alarme gehäuft, bei mehreren Packungen verschiedener Herstellerspricht für einen technischen Auslöser, nicht für FälschungenScanner-Konfiguration prüfen, Scannertest nutzenNGDA-Scannertest
    Meldung, dass der Server nicht erreichbar istErreichbarkeitsproblem, kein AlarmStatusseite prüfen, ob eine Störung vorliegtsecurPharm-Statusseite
    Zeitüberschreitung beim VerbindungsaufbauErreichbarkeitsproblem auf dem ÜbertragungswegStatusseite prüfen, Verbindung erneut versuchensecurPharm-Statusseite, danach Helpdesk
    Zugang wird abgewiesen, obwohl vorher alles liefhäufig ein Zertifikats- oder ZugangsproblemGültigkeit des N-ID-Zertifikats prüfenNGDA-Helpdesk

    Der Alarmfall: erst separieren, dann analysieren

    Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände formuliert die erste Regel eindeutig: „Eine Packung, die Alarm auslöst, darf von der Apotheke zunächst nicht abgegeben werden. Sie muss separiert werden." Danach folgt die Fehleranalyse mit der Frage, ob tatsächlich eine Fälschung vorliegt oder ein Fehlalarm.

    Diese Reihenfolge ist wichtig, weil beide Kurzschlüsse teuer sind. Wer jeden Alarm sofort als Fälschung behandelt, blockiert Ware und löst Meldeketten aus, die sich als technisches Problem herausstellen. Wer jeden Alarm als technischen Fehler abtut, unterläuft den Zweck des Systems.

    Als Ursachen für Fehlalarme werden ausdrücklich genannt: eine falsche Scanner-Einstellung, die Tastatureinstellung und eine Doppelausbuchung, also der Versuch, eine bereits ausgebuchte Packung erneut auszubuchen. Die falsche Scanner-Einstellung gilt dabei als häufige Ursache. Für die Prüfung steht ein Scannertest bereit, mit dem sich die Konfiguration kontrollieren lässt.

    Der Störungsfall: eine Servermeldung ist kein Alarm

    Meldungen wie „Securpharm-Server ist nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später erneut" oder eine Zeitüberschreitung beim Verbindungsaufbau sagen nichts über die Packung aus. Sie sagen etwas über die Verbindung. In der Vergangenheit sind sowohl der Apothekenserver als auch die Herstellerdatenbank zeitweise nicht erreichbar gewesen, entsprechende Ausfälle sind in der Fachpresse dokumentiert.

    Der praktische Ablauf besteht aus drei Schritten. Erstens: auf der Statusseite prüfen, ob die Systeme erreichbar sind oder eine Störung vorliegt. Zweitens: unterscheiden, ob nur der eigene Zugang betroffen ist oder das System insgesamt, denn das führt zu unterschiedlichen Ansprechpartnern. Drittens: den Vorgang so dokumentieren, dass er später nachvollziehbar ist, weil eine Störung den Prüfvorgang verschiebt, aber nicht aufhebt.

    Warum die Doppelausbuchung im Wareneingang besonders häufig auftritt

    Unter den genannten Fehlalarmursachen ist die Doppelausbuchung die, die sich am ehesten organisatorisch abstellen lässt. Sie entsteht, wenn eine bereits ausgebuchte Packung ein zweites Mal ausgebucht werden soll. Das System kann an dieser Stelle nicht unterscheiden, ob jemand versehentlich zweimal gescannt hat oder ob eine Packung im Umlauf ist, die es so kein zweites Mal geben dürfte. Also meldet es einen Alarm.

    Drei Konstellationen begünstigen das im Wareneingang größerer Betriebe:

    1. Zwei Stationen im selben Prozess. Wird sowohl bei der Annahme als auch bei der Einlagerung gescannt, ohne dass beide Schritte denselben Status kennen, entsteht der zweite Scan systematisch und nicht zufällig.
    2. Retouren ohne definierten Wiedereingang. Eine Packung, die zurückkommt und erneut in den Bestand geht, hat ihren Status bereits geändert. Ohne geregelten Wiedereinbuchungsschritt endet sie im Alarm.
    3. Parallele Erfassung an mehreren Arbeitsplätzen. Wenn zwei Personen dieselbe Palette abarbeiten, ist die Reihenfolge nicht mehr eindeutig.

    Der praktische Schluss: Bevor Scanner-Hardware getauscht oder ein Ticket eröffnet wird, lohnt die Frage, an wie vielen Punkten im eigenen Prozess dieselbe Packung überhaupt gescannt wird. In vielen Fällen ist die Antwort größer als eins, und damit ist die Ursache gefunden.

    Der Zugangsfall: das Zertifikat läuft leise ab

    Der Zugang zum System hängt an einem Zertifikat, das regelmäßig erneuert werden muss. Das N-ID-Zertifikat ist alle 24 Monate zu erneuern. Der Ablauf kündigt sich im Alltag nicht an: Der Zugang funktioniert bis zum Stichtag und danach nicht mehr, und das Symptom sieht auf den ersten Blick aus wie eine Störung.

    Zwei Konsequenzen für die Organisation. Erstens gehört das Ablaufdatum in denselben Kalender wie andere wiederkehrende Fristen, nicht in ein Postfach. Zweitens sollte der Zuständige benannt sein, denn ein abgelaufenes Zertifikat trifft nicht die IT, sondern die Person am Scanner.

    Was das für die Klinikapotheke besonders macht

    In der Offizin trifft ein Alarm eine einzelne Packung im Handverkauf. Im Wareneingang einer Krankenhausapotheke oder eines klinikversorgenden Betriebs trifft er eine Lieferung, die weiterverteilt werden soll, und hält damit einen Prozess auf, an dem Stationen hängen.

    Drei Punkte, die sich daraus ergeben:

    1. Separieren braucht einen definierten Ort. „Zur Seite legen" ist keine Regelung. Ohne festen Sperrbereich wandert die Packung zurück in den Bestand.
    2. Die Identifikation der separierten Packung muss sauber sein. Wer später klärt, worum es ging, braucht die eindeutige Zuordnung über die Pharmazentralnummer und die Chargenbezeichnung, nicht den Handelsnamen auf einem Notizzettel.
    3. Der Rückrufkontext gehört dazu. Ein Alarm kann zeitlich mit einem Rückruf oder einer Chargensperre zusammenfallen. Wer beides getrennt betrachtet, verliert Zeit.

    pharmazie.com ist die konsolidierte Arzneimitteldatenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, am Markt seit 1989. Sie vereint 25+ pharmazeutische Fachdatenbanken in einer einzigen Suche, der Eisbergsuche®. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt auf DACH, die Arzneimitteldaten decken 50+ Länder ab. Die Daten werden täglich aktualisiert. Für den hier beschriebenen Fall ist der Beitrag bewusst schmal: Die Plattform ersetzt kein Verifikationssystem. Sie hilft an genau zwei Stellen, nämlich bei der eindeutigen Identifikation der separierten Packung über den Artikelstamm und bei der Einordnung, ob zeitgleich ein Engpass oder eine Rückrufsituation vorliegt.

    Wo die Grenze liegt

    Drei Klarstellungen. Erstens ersetzt dieser Beitrag keine betriebsinterne Verfahrensanweisung; die Meldewege im Fälschungsverdachtsfall regelt Ihre eigene Qualitätsdokumentation. Zweitens beschreibt er die Symptomebene, nicht die Rechtsfolgen eines bestätigten Fälschungsverdachts. Drittens ändern sich technische Details und Zuständigkeiten; prüfen Sie im konkreten Fall die aktuellen Hinweise der zuständigen Stellen, statt sich auf eine ältere Anleitung zu verlassen.

    Fazit

    Die meiste Zeit geht nicht bei der Behebung verloren, sondern bei der Einordnung. Ein Alarm an einer einzelnen Packung, gehäufte Alarme über mehrere Hersteller hinweg, eine Servermeldung und ein abgewiesener Zugang sehen am Bildschirm ähnlich aus und bedeuten vier verschiedene Dinge. Wer sie trennt, hat den größten Teil der Arbeit erledigt: separieren und analysieren beim Alarm, Scannertest bei Häufung, Statusseite bei Erreichbarkeit, Zertifikatsprüfung beim Zugang.

    Was securPharm als Begriff genau umfasst und wie es sich zur europäischen Fälschungsschutzrichtlinie verhält, steht im Glossareintrag zu securPharm und FMD. Wenn Sie prüfen möchten, wie sich Artikelstamm, Engpass- und Rückrufkontext in Ihrem Wareneingang zusammenführen lassen, vereinbaren Sie einen 30-minütigen Demotermin oder nehmen Sie Kontakt auf.

    Quellen

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Was ist zu tun, wenn eine Packung securPharm-Alarm auslöst?
    Wie oft muss das N-ID-Zertifikat erneuert werden?
    Was ist die häufigste Ursache für Fehlalarme?
    Prüft securPharm die Qualität des Arzneimittels?
    Woran erkenne ich, ob eine securPharm-Störung vorliegt?
    Was ist im Wareneingang einer Klinikapotheke anders?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

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