Arzneimitteldaten und Datenbanken
September 15, 2026
5 Minuten

IQVIA-Daten oder Artikelstamm: was Sie wirklich brauchen

„Wir brauchen Marktdaten" meint im Pharmaumfeld zwei völlig verschiedene Dinge. Das eine sind Absatz- und Verordnungsdaten, das andere Stammdaten mit Preisen und Status. Dieser Beitrag grenzt beide Fragen voneinander ab, damit Sie erkennen, welche Sie stellen.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung

    „Wir brauchen Marktdaten" meint im Pharmaumfeld zwei völlig verschiedene Dinge, und die Verwechslung kostet regelmäßig ein Projekt. Das eine sind Absatz- und Verordnungsdaten, die beschreiben, was tatsächlich verkauft und verordnet wurde. Das andere sind Stammdaten, die beschreiben, welche Artikel es gibt, was sie kosten und welchen Status sie haben. IQVIA steht für das erste. Dieser Beitrag grenzt beide Fragen voneinander ab, damit Sie erkennen, welche Sie eigentlich stellen.

    Welche Frage IQVIA-Daten beantworten

    IQVIA ist ein Anbieter von Gesundheitsdaten und Analytik. Der Kern des Angebots sind Marktdaten im engeren Sinn: Absatz- und Umsatzmessung, Verordnungsdaten, Marktanteile, Entwicklungen über Zeit, Panels und daraus abgeleitete Analysen.

    Das sind Fragen der Form:

    • Wie hat sich der Absatz in meiner Wirkstoffgruppe entwickelt?
    • Welchen Anteil halte ich gegenüber dem Wettbewerb?
    • Wie verteilen sich Verordnungen über Regionen und Fachgruppen?
    • Wie hat ein Markteintritt gewirkt?

    Für diese Fragen ist ein Marktforschungsanbieter der richtige Weg, und ein Artikelstamm ist es nicht. Ein Artikelstamm weiß nicht, was verkauft wurde.

    Welche Frage ein Artikelstamm beantwortet

    Ein Arzneimittel-Artikelstamm beschreibt den Markt als Bestand, nicht als Bewegung. Er beantwortet:

    • Welches Produkt steckt hinter dieser Pharmazentralnummer, in welcher Packung und Darreichungsform?
    • Was kostet der Artikel auf welcher Handelsstufe, und ab welchem Datum gilt dieser Preis?
    • Ist er im Vertrieb, ausgelistet oder durch einen Nachfolger ersetzt?
    • Welcher Festbetrag, welcher Rabattvertrag, welcher Rechtsstatus gilt?
    • Gibt es ein entsprechendes Präparat im Ausland?

    Das sind operative Fragen. Sie entstehen in Stammdatenpflege, Einkauf, Abrechnung, Preisbildung und Regulatory, also dort, wo jeden Tag mit konkreten Artikeln gearbeitet wird.

    Die Abgrenzung in einer Tabelle

    Absatz- und VerordnungsdatenArtikelstamm und Preisdaten
    Beschreibtwas verkauft und verordnet wurdewelche Artikel es gibt und was für sie gilt
    EinheitMenge, Umsatz, Anteil, meist aggregiertder einzelne Artikel, über die PZN identifiziert
    Typischer NutzerMarket Access, Business Intelligence, StrategieStammdaten, Einkauf, Abrechnung, Regulatory
    Zeitbezugrückblickend, periodisiertStand zum Stichtag, laufend fortgeschrieben
    Typischer Fehlgriffdaraus einen Preis für eine konkrete Packung ableitendaraus einen Marktanteil ableiten

    Der Fehlgriff, der am meisten kostet

    Der häufigste ist der Versuch, aus aggregierten Marktdaten einen belastbaren Preis für eine konkrete Packung zu gewinnen. Ein Durchschnittsumsatz je Einheit ist kein Abgabepreis. Er enthält Mischungen aus Handelsstufen, Rabatten, Packungsgrößen und Zeiträumen, und er lässt sich nicht auf eine PZN zurückrechnen. Wer auf dieser Basis taxiert oder kalkuliert, baut auf einer Zahl, die nie für diesen Zweck gemacht wurde.

    Der zweithäufigste ist die Gegenrichtung: aus einem Artikelstamm einen Marktanteil zu schätzen. Der Bestand sagt, welche Artikel existieren. Wie oft sie über den Tisch gehen, sagt er nicht.

    Was die Kosten treibt

    Bei Marktdatenanbietern gibt es in der Regel keinen öffentlich ausgewiesenen Preis. Die Kosten hängen an Umfang, Granularität, Region, Zahl der Nutzer und Laufzeit, und die Preisfindung läuft über ein Angebot. Das ist branchenüblich und für sich kein Kritikpunkt, es macht den Vergleich nur schwer.

    Bei Stammdaten ist die Struktur anders. Der Preis hängt an drei Dingen: welche Module Sie brauchen, in welcher Form Sie sie beziehen, und in welchem Rhythmus. Bei pharmazie.com beginnt der Portalzugang mit 25+ pharmazeutischen Datenbanken bei 135 EUR im Monat, netto zzgl. USt. Welche vier Fragen den Preis einer Datenlizenz bestimmen, beschreibt der Beitrag ABDA-Daten lizenzieren.

    Wann Sie beides brauchen

    Häufiger, als die Abgrenzung vermuten lässt. Eine typische Market-Access-Frage lautet: Wie hat sich mein Produkt gegenüber dem Wettbewerb entwickelt, und was bedeutet das für die Preisstellung? Der erste Teil ist eine Marktdatenfrage, der zweite eine Stammdatenfrage. Die beiden Datenbestände ergänzen sich, sie ersetzen sich nicht.

    Die Verbindung zwischen ihnen ist die Pharmazentralnummer. Wer Marktdaten und Stammdaten zusammenführen will, braucht die PZN als gemeinsamen Schlüssel auf beiden Seiten. Fehlt sie, wird die Zusammenführung zur Namenszuordnung und damit unzuverlässig.

    Wie Sie entscheiden

    Eine Frage genügt meistens: Wollen Sie wissen, was passiert ist, oder was gilt?

    • „Was ist passiert" führt zu Absatz- und Verordnungsdaten.
    • „Was gilt" führt zu Artikelstamm, Preisen, Status und Fachinformation.
    • Wenn beide Antworten gebraucht werden, klären Sie zuerst, über welchen Schlüssel die Bestände zusammenkommen.

    Weiterführend: welche Datenklassen ein Artikelstamm umfasst und wie sich die Daten in eigene Systeme holen lassen. Wenn Sie prüfen wollen, ob Ihre Frage eine Stammdatenfrage ist, bringen Sie sie mit: Demo buchen.

    Dieser Inhalt richtet sich an Fachkreise und stellt keine medizinische Beratung dar. Genannte Drittanbieter sind zur Einordnung benannt, es besteht keine geschäftliche Empfehlung. Zuletzt geprüft: September 2026.

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Sind IQVIA-Daten und Arzneimittelstammdaten dasselbe?
    Wann brauche ich beide Datenarten?
    Kann ich aus Marktdaten einen Arzneimittelpreis ableiten?
    Welche Alternative gibt es für operative Fragen?
    Was kosten Arzneimitteldaten?
    Wie erkenne ich, welche Frage ich stelle?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

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