ZusammenfassungApothekensysteme unterscheiden sich für den Anwender vor allem in der Oberfläche. Für die Qualität der täglichen Arbeit entscheidet aber eine Ebene darunter: welche Arzneimitteldatenquelle das System bezieht, in welchem Takt sie aktualisiert wird und ob der Anbieter sie lizenziert oder selbst besitzt. Diese Frage stellt kein Software-Vergleichsportal, und sie steht in keinem Angebot. Sie bestimmt trotzdem, wie aktuell Ihre Preise sind, ob bei einem Engpass eine Alternative sichtbar wird und ob ein ausländisches Produkt überhaupt auffindbar ist.
Dieser Beitrag richtet sich an Entscheider in Apotheken, Klinikapotheken, klinikversorgenden Betrieben und Softwarehäusern, die ein System auswählen, wechseln oder anbinden. Er vergleicht keine Produkte, sondern die Datenschicht darunter.
Die verfügbaren Marktübersichten vergleichen Funktionsumfang, Filialmanagement, Lageroptimierung, Bedienbarkeit und Preis. Alles davon ist relevant. Nichts davon beantwortet, woher die Arzneimitteldaten kommen.
Das ist kein Versäumnis der Portale, sondern eine Folge der Marktstruktur: Die Datenbasis ist in Deutschland weitgehend gemeinsam, deshalb erscheint sie nicht als Unterscheidungsmerkmal. Bei genauerem Hinsehen ist sie es aber doch, und zwar an drei Stellen: beim Aktualisierungstakt, bei der Eigentumsfrage und bei allem, was über den nationalen Standard hinausgeht.
Über alle Systemklassen hinweg gibt es genau zwei Muster, wie ein System an seine Arzneimitteldaten kommt.
| Muster | Wie es funktioniert | Was das für Sie bedeutet |
|---|---|---|
| Lizenzbezug | Der Systemanbieter lizenziert eine externe Referenzquelle und reicht sie durch | Sie können die Quelle benennen, ihren Takt prüfen und sie im Zweifel ergänzen |
| Eigenbesitz | Der Systemanbieter gehört zu einem Haus, das die Datenquelle selbst besitzt und vermarktet | System und Datenquelle sind wirtschaftlich verbunden. Ein Wechsel der Datenschicht ist dann keine rein technische Entscheidung mehr |
Das zweite Muster ist im Funktionsvergleich unsichtbar und im Alltag folgenreich. Wenn derselbe Konzern das System und die Datenbasis anbietet, hat er kein wirtschaftliches Interesse daran, eine konkurrierende Datenschicht einzubinden. Das ist legitim, gehört aber in die Auswahlentscheidung, weil es die spätere Beweglichkeit begrenzt.
Unabhängig vom System gibt es in Deutschland eine überschaubare Zahl von Quellen. Die Unterscheidung zwischen ihnen ist wichtiger als die Zahl.
| Quelle | Rolle | Takt |
|---|---|---|
| IFA, Informationsstelle für Arzneispezialitäten | vergibt die Pharmazentralnummer und führt die autoritative Artikelbasis für in Deutschland zugelassene Arzneimittel | fortlaufend |
| ABDATA Pharma-Daten-Service | reichert die Basis wissenschaftlich an: Interaktionen, Risikoprüfung, Wirkstoffdossiers | zum 1. und 15. des Monats |
| Preisdienste | führen die Preisstände für die Abgabe | laufend |
| klinisch-pharmakologische Verzeichnisse | stark im Krankenhaus, Schwerpunkt auf Therapiewissen statt Handelsdaten | laufend |
Der zweite Eintrag ist der praktisch wichtigste. Ein Artikelstamm, der zweimal im Monat aktualisiert wird, ist die Obergrenze für die Aktualität Ihres Systems. Wer eine laufend entstehende Engpassmeldung mit einem solchen Stamm zusammenführt, erhält kein tagesaktuelles Bild, sondern ein gemischtes aus Daten unterschiedlichen Alters. Genau dieser Effekt taucht in unserer Auswertung von 134 Verkaufsgesprächen mit Fachkreisen als Ursache von Fehlkalkulationen auf.
Bei der Prüfung von neun Systemklassen, von der Apothekenwarenwirtschaft über Warenwirtschafts- und ERP-Systeme bis zum Krankenhausinformationssystem, zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Vier Datenarten sind in keiner dieser Klassen nativ vorhanden:
Das ist kein Vorwurf an die Hersteller. Alle vier setzen eine Datenbasis voraus, die über die nationale Pflichtquelle hinausgeht, und die ist nicht Teil ihres Produkts.
| Frage | Warum sie zählt |
|---|---|
| Welche Arzneimitteldatenquelle liegt unter dem System, und ist sie benennbar? | eine nicht benennbare Quelle ist nicht prüfbar |
| Lizenziert der Anbieter sie, oder gehört sie zu seinem Haus? | bestimmt, wie beweglich Sie später sind |
| In welchem Takt wird welche Datenart aktualisiert? | der langsamste Takt bestimmt das Gesamtbild |
| Lässt sich eine zweite Datenquelle ergänzen, und über welchen Weg? | entscheidet, ob Sie internationale Daten und Engpassalternativen nachrüsten können |
| Was passiert bei einem Systemwechsel mit der Datenschicht? | ein Wechsel, der die Datenschicht mitreißt, kostet doppelt |
Die vierte Frage ist die, die in Ausschreibungen am häufigsten fehlt. Sie entscheidet darüber, ob das System eine geschlossene Einheit ist oder eine Plattform, auf der sich fehlende Datenarten ergänzen lassen.
pharmazie.com ist die konsolidierte Arzneimitteldatenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, am Markt seit 1989. Sie vereint 25+ pharmazeutische Fachdatenbanken in einer einzigen Suche, der Eisbergsuche®. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt auf DACH, die Arzneimitteldaten decken 50+ Länder ab. Die Daten werden täglich aktualisiert.
Die Einordnung ist dabei wichtiger als die Aufzählung: pharmazie.com ersetzt keine nationale Pflichtbasis. Wo ein System auf dem deutschen Artikelstamm aufsetzt, bleibt dieser die Grundlage. Ergänzt wird das, was in der Liste oben fehlt, also internationale Produktdaten, tagesaktuelle Engpassdaten mit Alternativlogik und die Wirkstoffdossiers zu 63.589 Wirk- und Hilfsstoffen. Der Bezug ist über die Oberfläche und maschinenlesbar möglich.
Drei Klarstellungen. Erstens ist diese Landkarte eine Struktur, keine Anbieterliste: Welche Quelle ein konkretes Haus tatsächlich lizenziert, ist eine Frage an den Anbieter und nicht an einen Blogbeitrag. Zweitens gilt die Zweiteilung in Lizenzbezug und Eigenbesitz für den deutschen Markt; im EU-Ausland gibt es je Land eine eigene Pflichtquelle und damit ein anderes Bild. Drittens ersetzt eine ergänzende Datenschicht nicht die fachliche Entscheidung, sie erweitert nur die Grundlage dafür.
Die Frage, die in keinem Software-Vergleich steht, ist die mit der längsten Wirkung: Welche Datenquelle liegt unter dem System, in welchem Takt läuft sie, wem gehört sie, und lässt sich eine zweite ergänzen. Wer diese vier Punkte vor der Entscheidung klärt, kauft ein System mit bekannter Datengrundlage statt einer Oberfläche mit unbekanntem Fundament.
Weiterführend: Welche Arzneimitteldatenbanken es in Deutschland gibt für die Quellenlandschaft im Detail, Arzneimitteldaten per API integrieren für den technischen Bezug, und die MSV3-Übersicht für die Bestellebene, die von der Datenebene zu trennen ist.
Wenn Sie prüfen möchten, welche Datenarten in Ihrem heutigen System fehlen, vereinbaren Sie einen 30-minütigen Demotermin oder nehmen Sie Kontakt auf.
In aller Regel eine gemeinsame nationale Basis: Die Pharmazentralnummer und die autoritative Artikelbasis kommen von der IFA, die wissenschaftliche Anreicherung mit Interaktionen und Risikoprüfung von ABDATA. Unterschiede entstehen weniger bei der Quelle als beim Aktualisierungstakt und bei der Frage, ob der Systemanbieter die Quelle lizenziert oder selbst besitzt.
Vier Datenarten liegen in keiner Systemklasse nativ vor: die Engpass-Alternative mit Verfügbarkeit, internationale Produktdaten, der Zulassungsstatus je Land und Ausschreibungsdaten. Alle vier setzen eine Basis voraus, die über die nationale Pflichtquelle hinausgeht.
Weil die Basis in Deutschland weitgehend gemeinsam ist und deshalb nicht als Unterscheidungsmerkmal erscheint. Relevant wird sie an drei Stellen: beim Aktualisierungstakt, bei der Eigentumsfrage und bei allem, was über den nationalen Standard hinausgeht, also internationalen Daten und Engpassalternativen.
Das hängt von der Datenart ab. Die autoritative Artikelbasis läuft fortlaufend, die wissenschaftlich angereicherte Datenbank zum 1. und 15. des Monats, Engpassmeldungen entstehen laufend. Der langsamste Takt bestimmt die Aktualität des Gesamtbilds, nicht der schnellste.
Dass System und Datenbasis wirtschaftlich verbunden sind. Ein solcher Anbieter hat kein Interesse daran, eine konkurrierende Datenschicht einzubinden. Das ist legitim, begrenzt aber die spätere Beweglichkeit und gehört deshalb in die Auswahlentscheidung.
Das hängt vom System ab und ist eine der fünf Fragen, die vor der Entscheidung zu klären sind. Technisch geht es über eine Schnittstelle oder einen konfigurierbaren Download. Ob es vertraglich und architektonisch möglich ist, entscheidet der Systemanbieter, und genau das sollten Sie vorab erfragen.