Arzneimitteldaten und Datenbanken
August 24, 2026
6 Minuten

Welche Arzneimitteldatenquelle steckt in Ihrem Apothekensystem?

Jeder Apothekensoftware-Vergleich prüft Funktionsumfang und Preis. Keiner prüft die Datenbasis darunter, obwohl sie über Aktualität, Engpassalternativen und internationale Auffindbarkeit entscheidet. Diese Landkarte schließt die Lücke.

Blog Image
Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Apothekensysteme unterscheiden sich weniger in der Oberfläche als in der Datenquelle darunter.
    • Zwei Grundmuster: Der Anbieter lizenziert eine externe Referenzquelle, oder er besitzt sie selbst. Das zweite Muster erzeugt eine Abhängigkeit, die im Funktionsvergleich unsichtbar bleibt.
    • Der Aktualisierungstakt der Quelle ist die Obergrenze für die Aktualität Ihres Systems.
    • Vier Datenarten liegen in keinem Apothekensystem nativ vor: Engpass-Alternative mit Verfügbarkeit, internationale Produktdaten, Zulassungsstatus je Land und Ausschreibungsdaten.
    • Fünf Prüffragen klären die Datenbasis vor der Systementscheidung.

    Apothekensysteme unterscheiden sich für den Anwender vor allem in der Oberfläche. Für die Qualität der täglichen Arbeit entscheidet aber eine Ebene darunter: welche Arzneimitteldatenquelle das System bezieht, in welchem Takt sie aktualisiert wird und ob der Anbieter sie lizenziert oder selbst besitzt. Diese Frage stellt kein Software-Vergleichsportal, und sie steht in keinem Angebot. Sie bestimmt trotzdem, wie aktuell Ihre Preise sind, ob bei einem Engpass eine Alternative sichtbar wird und ob ein ausländisches Produkt überhaupt auffindbar ist.

    Dieser Beitrag richtet sich an Entscheider in Apotheken, Klinikapotheken, klinikversorgenden Betrieben und Softwarehäusern, die ein System auswählen, wechseln oder anbinden. Er vergleicht keine Produkte, sondern die Datenschicht darunter.

    Warum Funktionsvergleiche die entscheidende Frage auslassen

    Die verfügbaren Marktübersichten vergleichen Funktionsumfang, Filialmanagement, Lageroptimierung, Bedienbarkeit und Preis. Alles davon ist relevant. Nichts davon beantwortet, woher die Arzneimitteldaten kommen.

    Das ist kein Versäumnis der Portale, sondern eine Folge der Marktstruktur: Die Datenbasis ist in Deutschland weitgehend gemeinsam, deshalb erscheint sie nicht als Unterscheidungsmerkmal. Bei genauerem Hinsehen ist sie es aber doch, und zwar an drei Stellen: beim Aktualisierungstakt, bei der Eigentumsfrage und bei allem, was über den nationalen Standard hinausgeht.

    Die Landkarte: zwei Grundmuster

    Über alle Systemklassen hinweg gibt es genau zwei Muster, wie ein System an seine Arzneimitteldaten kommt.

    MusterWie es funktioniertWas das für Sie bedeutet
    LizenzbezugDer Systemanbieter lizenziert eine externe Referenzquelle und reicht sie durchSie können die Quelle benennen, ihren Takt prüfen und sie im Zweifel ergänzen
    EigenbesitzDer Systemanbieter gehört zu einem Haus, das die Datenquelle selbst besitzt und vermarktetSystem und Datenquelle sind wirtschaftlich verbunden. Ein Wechsel der Datenschicht ist dann keine rein technische Entscheidung mehr

    Das zweite Muster ist im Funktionsvergleich unsichtbar und im Alltag folgenreich. Wenn derselbe Konzern das System und die Datenbasis anbietet, hat er kein wirtschaftliches Interesse daran, eine konkurrierende Datenschicht einzubinden. Das ist legitim, gehört aber in die Auswahlentscheidung, weil es die spätere Beweglichkeit begrenzt.

    Wer in Deutschland die Datenbasis hält

    Unabhängig vom System gibt es in Deutschland eine überschaubare Zahl von Quellen. Die Unterscheidung zwischen ihnen ist wichtiger als die Zahl.

    QuelleRolleTakt
    IFA, Informationsstelle für Arzneispezialitätenvergibt die Pharmazentralnummer und führt die autoritative Artikelbasis für in Deutschland zugelassene Arzneimittelfortlaufend
    ABDATA Pharma-Daten-Servicereichert die Basis wissenschaftlich an: Interaktionen, Risikoprüfung, Wirkstoffdossierszum 1. und 15. des Monats
    Preisdiensteführen die Preisstände für die Abgabelaufend
    klinisch-pharmakologische Verzeichnissestark im Krankenhaus, Schwerpunkt auf Therapiewissen statt Handelsdatenlaufend

    Der zweite Eintrag ist der praktisch wichtigste. Ein Artikelstamm, der zweimal im Monat aktualisiert wird, ist die Obergrenze für die Aktualität Ihres Systems. Wer eine laufend entstehende Engpassmeldung mit einem solchen Stamm zusammenführt, erhält kein tagesaktuelles Bild, sondern ein gemischtes aus Daten unterschiedlichen Alters. Genau dieser Effekt taucht in unserer Auswertung von 134 Verkaufsgesprächen mit Fachkreisen als Ursache von Fehlkalkulationen auf.

    Was in keinem Apothekensystem nativ liegt

    Bei der Prüfung von neun Systemklassen, von der Apothekenwarenwirtschaft über Warenwirtschafts- und ERP-Systeme bis zum Krankenhausinformationssystem, zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Vier Datenarten sind in keiner dieser Klassen nativ vorhanden:

    1. Engpass-Alternative mit Verfügbarkeit. Die behördliche Meldung ist verbreitet, der wirkstoffgleiche und tatsächlich lieferbare Vorschlag nicht.
    2. Internationale Produktdaten. Nationale Pflichtquellen enden an der Landesgrenze. Für Reimport, Parallelimport und Ersatzbeschaffung fehlt die Ebene darüber.
    3. Zulassungsstatus je Land. Ob ein Produkt in einem bestimmten Land verkehrsfähig ist, beantwortet kein Warenwirtschaftssystem.
    4. Ausschreibungs- und Vertragsdaten. Portale sind Portale, keine Schnittstellen.

    Das ist kein Vorwurf an die Hersteller. Alle vier setzen eine Datenbasis voraus, die über die nationale Pflichtquelle hinausgeht, und die ist nicht Teil ihres Produkts.

    Fünf Fragen, die vor der Systementscheidung zu klären sind

    FrageWarum sie zählt
    Welche Arzneimitteldatenquelle liegt unter dem System, und ist sie benennbar?eine nicht benennbare Quelle ist nicht prüfbar
    Lizenziert der Anbieter sie, oder gehört sie zu seinem Haus?bestimmt, wie beweglich Sie später sind
    In welchem Takt wird welche Datenart aktualisiert?der langsamste Takt bestimmt das Gesamtbild
    Lässt sich eine zweite Datenquelle ergänzen, und über welchen Weg?entscheidet, ob Sie internationale Daten und Engpassalternativen nachrüsten können
    Was passiert bei einem Systemwechsel mit der Datenschicht?ein Wechsel, der die Datenschicht mitreißt, kostet doppelt

    Die vierte Frage ist die, die in Ausschreibungen am häufigsten fehlt. Sie entscheidet darüber, ob das System eine geschlossene Einheit ist oder eine Plattform, auf der sich fehlende Datenarten ergänzen lassen.

    Wo pharmazie.com in dieser Landkarte steht

    pharmazie.com ist die konsolidierte Arzneimitteldatenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, am Markt seit 1989. Sie vereint 25+ pharmazeutische Fachdatenbanken in einer einzigen Suche, der Eisbergsuche®. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt auf DACH, die Arzneimitteldaten decken 50+ Länder ab. Die Daten werden täglich aktualisiert.

    Die Einordnung ist dabei wichtiger als die Aufzählung: pharmazie.com ersetzt keine nationale Pflichtbasis. Wo ein System auf dem deutschen Artikelstamm aufsetzt, bleibt dieser die Grundlage. Ergänzt wird das, was in der Liste oben fehlt, also internationale Produktdaten, tagesaktuelle Engpassdaten mit Alternativlogik und die Wirkstoffdossiers zu 63.589 Wirk- und Hilfsstoffen. Der Bezug ist über die Oberfläche und maschinenlesbar möglich.

    Wo die Grenze liegt

    Drei Klarstellungen. Erstens ist diese Landkarte eine Struktur, keine Anbieterliste: Welche Quelle ein konkretes Haus tatsächlich lizenziert, ist eine Frage an den Anbieter und nicht an einen Blogbeitrag. Zweitens gilt die Zweiteilung in Lizenzbezug und Eigenbesitz für den deutschen Markt; im EU-Ausland gibt es je Land eine eigene Pflichtquelle und damit ein anderes Bild. Drittens ersetzt eine ergänzende Datenschicht nicht die fachliche Entscheidung, sie erweitert nur die Grundlage dafür.

    Fazit

    Die Frage, die in keinem Software-Vergleich steht, ist die mit der längsten Wirkung: Welche Datenquelle liegt unter dem System, in welchem Takt läuft sie, wem gehört sie, und lässt sich eine zweite ergänzen. Wer diese vier Punkte vor der Entscheidung klärt, kauft ein System mit bekannter Datengrundlage statt einer Oberfläche mit unbekanntem Fundament.

    Weiterführend: Welche Arzneimitteldatenbanken es in Deutschland gibt für die Quellenlandschaft im Detail, Arzneimitteldaten per API integrieren für den technischen Bezug, und die MSV3-Übersicht für die Bestellebene, die von der Datenebene zu trennen ist.

    Wenn Sie prüfen möchten, welche Datenarten in Ihrem heutigen System fehlen, vereinbaren Sie einen 30-minütigen Demotermin oder nehmen Sie Kontakt auf.

    Quellen

    Author Image
    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Welche Arzneimitteldatenquelle nutzen Apothekensysteme in Deutschland?
    Welche Daten fehlen in Apothekensystemen typischerweise?
    Warum steht die Datenquelle in keinem Software-Vergleich?
    Wie oft werden Arzneimitteldaten aktualisiert?
    Was bedeutet es, wenn der Systemanbieter die Datenquelle selbst besitzt?
    Kann ich eine zweite Datenquelle in mein bestehendes System einbinden?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

    Die umfassendste Arzneimitteldatenbank für Fachkreise.