ZusammenfassungFür Arzneimitteldaten im ERP gibt es drei Integrationsmuster: den Live-Abruf über eine Schnittstelle, die wiederkehrende Batch-Lieferung als Datei, und die Marketplace-Erweiterung, die beides kapselt. Alle drei bringen dieselben Felder ins System. Sie unterscheiden sich darin, wie aktuell ein Feld sein kann, wer die Ladestrecke dauerhaft pflegt und was bei einem Systemwechsel davon übrig bleibt. Die Wahl hängt deshalb weniger vom ERP ab als von der Frage, welche Datenart wie schnell veralten darf.
Dieser Beitrag richtet sich an IT- und Stammdatenverantwortliche bei Herstellern, Distributoren und im Pharmagroßhandel. Was eine Arzneimitteldaten-Schnittstelle grundsätzlich ist und welche Formate es gibt, steht im Beitrag Arzneimitteldaten per API integrieren und wird hier nicht wiederholt.
In einer Auswertung von neun Systemklassen zeigt sich ein Muster, das die Projektlage besser erklärt als jede Featureliste. Die Apothekenwarenwirtschaft hat eine etablierte Arzneimitteldatenbasis. Die Großhandelswarenwirtschaft hat eine. Das Krankenhausinformationssystem hat eine. Das Pharma-ERP hat keine.
Das ist keine Nachlässigkeit der Anbieter, sondern eine Folge ihrer Herkunft. ERP-Systeme für die Prozessindustrie sind auf Chargenführung, Rezepturen, Qualitätsmanagement und Produktionsplanung gebaut. Der kommerzielle Artikelstamm eines Arzneimittels mit Vertriebsstatus, Preisständen und Engpassmeldung ist in dieser Welt kein Kernobjekt, sondern ein Zulieferdatum. Also pflegen die Anwender es selbst.
Genau das schlägt sich in den Gesprächen nieder. In unserer Auswertung von 134 Verkaufsgesprächen mit Fachkreisen ist die manuelle Stammdatenpflege mit 81 Nennungen die zweithäufigste Aussage überhaupt, und 19 Gesprächspartner formulieren ausdrücklich den Wunsch, Daten direkt ins ERP oder in die Warenwirtschaft übertragen zu lassen.
| Muster | Wie die Daten ankommen | Aktualität | Wo der Aufwand dauerhaft liegt | Passt, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Live-Abruf | das ERP fragt zum Zeitpunkt der Nutzung ab | höchstmöglich, Stand der Quelle | im Haus, plus Abhängigkeit von der Erreichbarkeit | einzelne Felder tagesaktuell sein müssen, etwa Engpass oder Vertriebsstatus |
| Batch-Lieferung | wiederkehrende Datei über einen definierten Weg, danach Import | so aktuell wie der Lieferrhythmus | im Haus, in der Ladestrecke | große Mengen bewegt werden und der Takt zum Prozess passt |
| Marketplace-Erweiterung | eine Erweiterung im Ökosystem des ERP kapselt den Bezug | je nach Umsetzung | beim Anbieter der Erweiterung | der ERP-Standard erhalten bleiben soll und der Bedarf dem Standardfall entspricht |
Die dritte Zeile ist die, die in der Pharmawelt am seltensten verfügbar ist. In ERP-Ökosystemen mit ausgeprägtem Erweiterungsmarkt, etwa rund um Business Central, ist sie ein gangbarer Weg. Für andere Landschaften bleibt sie eine Option auf dem Papier.
Die folgende Einordnung beschreibt Architekturmuster, keine Produktbewertung. Welcher Weg im konkreten Haus möglich ist, hängt von der Version, den vorhandenen Erweiterungen und der Betriebsform ab.
| ERP-Welt | Typische Ausgangslage | Naheliegendes Muster | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|---|
| Konzern-ERP mit eigener Integrationsschicht | Integrationsplattform vorhanden, hohe Governance, lange Änderungszyklen | Live-Abruf über die vorhandene Schicht, ergänzt um Batch für Massendaten | Änderungen am Materialstamm unterliegen der Governance, deshalb früh einbinden |
| Mittelstands-ERP mit Partnerlandschaft | Anpassungen laufen über den Implementierungspartner | Batch-Lieferung, weil sie mit Bordmitteln des Partners umsetzbar ist | die Ladestrecke gehört dokumentiert, sonst hängt sie an einer Person |
| Business-Central-Umfeld | ausgeprägter Erweiterungsmarkt, Branchenlösungen für die Prozessindustrie verbreitet | Marketplace-Erweiterung, sonst Live-Abruf | prüfen, ob die Branchenlösung den Artikelstamm bereits beansprucht |
| Spezialisiertes Pharma-ERP | Chargen, Rezeptur und Qualitätsmanagement im Kern, Handelsdaten am Rand | Batch, bei Engpassdaten zusätzlich Live-Abruf | klären, welches Feld führend ist, wenn zwei Quellen dasselbe Feld füllen |
Die letzte Spalte der letzten Zeile ist der Punkt, an dem die meisten Projekte nachträglich Aufwand erzeugen. Wenn der Artikelstamm bisher selbst gepflegt wurde und künftig aus einer Quelle kommt, muss vorher entschieden sein, welches Feld künftig von wem gefüllt wird und was mit den historischen Eigenpflegen geschieht.
Eine Verwechslung, die regelmäßig ganze Projekte verzögert: Der Bezug von Arzneimitteldaten und die elektronische Bestellung sind zwei getrennte Vorhaben mit unterschiedlichen Gegenstellen.
| Ebene | Gegenstelle | Beantwortet |
|---|---|---|
| Stammdaten | Datenanbieter | welches Produkt es gibt, mit welchen Merkmalen, in welchem Status |
| Bestellung | der einzelne Lieferant | ob dieser Lieferant diesen Artikel jetzt liefern kann |
Wer beides in ein Projekt legt, koppelt zwei Zeitpläne mit verschiedenen Abhängigkeiten. Wie die Bestellebene in einer SAP-Landschaft funktioniert, steht im Beitrag MSV3 in SAP anbinden.
| Datenart | Sinnvoller Takt | Warum |
|---|---|---|
| Engpassmeldung und Vertriebsstatus | täglich | entscheidet über Beschaffungshandlungen am selben Tag |
| Artikelstamm, Merkmale und Packungsdaten | täglich bis wöchentlich | Änderungen sind selten, aber folgenreich |
| Preisstände | im Takt der Quelle | ein häufigerer Abruf erzeugt keine neuere Information |
| Wirkstoffdossiers und Interaktionsdaten | selten | ändern sich fachlich langsam |
pharmazie.com ist die konsolidierte Arzneimitteldatenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, am Markt seit 1989. Sie vereint 25+ pharmazeutische Fachdatenbanken in einer einzigen Suche, der Eisbergsuche®. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt auf DACH, die Arzneimitteldaten decken 50+ Länder ab. Die Daten werden täglich aktualisiert. Für ein ERP-Projekt sind drei Punkte relevant: Der Bezug ist als Live-Abruf und als konfigurierbarer Download möglich, Umfang und Rhythmus legen Sie je Datenart fest, und die Wirkstoffdossiers umfassen 63.589 Wirk- und Hilfsstoffe.
Drei Klarstellungen. Erstens ist die Zuordnung von Muster zu ERP-Welt eine Orientierung, keine Zusage: Was in einem konkreten System möglich ist, entscheidet dessen Version und Betriebsform. Zweitens ersetzt keine Datenquelle die Entscheidung über die Feldhoheit, die bleibt eine interne Festlegung. Drittens ist der tatsächlich bezahlte Einkaufspreis kein Datenfeld, sondern steht in Ihren Verträgen und Belegen.
Das Pharma-ERP ist die einzige Systemklasse, die ihre Arzneimitteldaten nicht mitbringt. Wer das akzeptiert, stellt die richtigen Fragen: welches Muster, welcher Takt je Datenart, welches Feld ist führend, und was darf mit den Daten geschehen. Wer es nicht akzeptiert, sucht weiter nach einem ERP, das es fertig kann, und pflegt in der Zwischenzeit weiter von Hand.
Weiterführend: Welche Arzneimitteldatenquelle in Ihrem System steckt für die Landkarte über alle Systemklassen, Arzneimitteldaten per API integrieren für die technische Grundlage, und Rohdatenlizenzen für den Punkt, der die Architektur entscheidet.
Wenn Sie prüfen möchten, welches Muster zu Ihrer Landschaft passt, vereinbaren Sie einen 30-minütigen Demotermin oder nehmen Sie Kontakt auf.
Weil sie aus der Prozessindustrie kommen. ERP-Systeme sind auf Chargenführung, Rezepturen, Qualitätsmanagement und Produktionsplanung gebaut. Der kommerzielle Artikelstamm eines Arzneimittels ist dort kein Kernobjekt, sondern ein Zulieferdatum. Deshalb wird er in der Praxis selbst gepflegt.
Nein, das sind zwei Ebenen mit verschiedenen Gegenstellen. Die Stammdatenebene beantwortet, welches Produkt es mit welchen Merkmalen gibt. Die Bestellebene beantwortet, ob ein bestimmter Lieferant diesen Artikel jetzt liefern kann. Wer beides in ein Projekt legt, koppelt zwei Zeitpläne unnötig.
Drei: den Live-Abruf über eine Schnittstelle, die wiederkehrende Batch-Lieferung als Datei, und die Marketplace-Erweiterung, die den Bezug kapselt. Sie unterscheiden sich in der erreichbaren Aktualität und darin, wo der Pflegeaufwand dauerhaft liegt.
Je Datenart verschieden. Engpassmeldung und Vertriebsstatus täglich, weil sie über Handlungen am selben Tag entscheiden. Artikelstammmerkmale täglich bis wöchentlich. Preisstände im Takt der Quelle, ein häufigerer Abruf erzeugt keine neuere Information. Wirkstoffdaten selten.
Konzern-ERP mit eigener Integrationsschicht neigt zum Live-Abruf, Mittelstands-ERP mit Partnerlandschaft zur Batch-Lieferung, Business-Central-Umfeld zur Marketplace-Erweiterung, spezialisiertes Pharma-ERP zu Batch mit zusätzlichem Live-Abruf für Engpassdaten. Die Zuordnung ist eine Orientierung, entscheidend sind Version und Betriebsform.
An drei Punkten: Der Lizenzscope wird zu spät geklärt, obwohl er über die Architektur entscheidet. Die Feldhoheit bleibt ungeklärt, wenn eine externe Quelle künftig selbst gepflegte Felder füllt. Und der Liefertakt wird pauschal für alle Datenarten gesetzt statt je Datenart.