Datenintegration und APIs
August 24, 2026
5 Minuten

Arzneimitteldaten ins ERP bringen: Welches Integrationsmuster passt zu SAP, Sage und Dynamics?

Apothekensysteme und Krankenhausinformationssysteme haben eine etablierte Arzneimitteldatenbasis. Das Pharma-ERP hat keine. Dieser Beitrag zeigt die drei Integrationsmuster, ihre Folgekosten und die Passung zu den verbreiteten ERP-Welten.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Das Pharma-ERP ist die einzige der neun Systemklassen ohne Standard-Arzneimitteldatenquelle. Deshalb wird der Artikelstamm dort selbst gepflegt.
    • Drei Integrationsmuster stehen zur Wahl: Live-Abruf, Batch-Lieferung und Marketplace-Erweiterung. Sie unterscheiden sich weniger in der Funktion als darin, wo der Aufwand dauerhaft liegt.
    • Die Wahl hängt weniger vom ERP ab als von der Frage, wie aktuell ein Feld sein muss und wer die Ladestrecke pflegt.
    • Stammdaten und Bestellung sind zwei getrennte Ebenen. Wer sie in einem Projekt vermischt, verzögert beide.
    • Der häufigste Projektfehler ist die zu spät gestellte Frage nach dem Lizenzscope.

    Für Arzneimitteldaten im ERP gibt es drei Integrationsmuster: den Live-Abruf über eine Schnittstelle, die wiederkehrende Batch-Lieferung als Datei, und die Marketplace-Erweiterung, die beides kapselt. Alle drei bringen dieselben Felder ins System. Sie unterscheiden sich darin, wie aktuell ein Feld sein kann, wer die Ladestrecke dauerhaft pflegt und was bei einem Systemwechsel davon übrig bleibt. Die Wahl hängt deshalb weniger vom ERP ab als von der Frage, welche Datenart wie schnell veralten darf.

    Dieser Beitrag richtet sich an IT- und Stammdatenverantwortliche bei Herstellern, Distributoren und im Pharmagroßhandel. Was eine Arzneimitteldaten-Schnittstelle grundsätzlich ist und welche Formate es gibt, steht im Beitrag Arzneimitteldaten per API integrieren und wird hier nicht wiederholt.

    Warum ausgerechnet das ERP keine Standardquelle hat

    In einer Auswertung von neun Systemklassen zeigt sich ein Muster, das die Projektlage besser erklärt als jede Featureliste. Die Apothekenwarenwirtschaft hat eine etablierte Arzneimitteldatenbasis. Die Großhandelswarenwirtschaft hat eine. Das Krankenhausinformationssystem hat eine. Das Pharma-ERP hat keine.

    Das ist keine Nachlässigkeit der Anbieter, sondern eine Folge ihrer Herkunft. ERP-Systeme für die Prozessindustrie sind auf Chargenführung, Rezepturen, Qualitätsmanagement und Produktionsplanung gebaut. Der kommerzielle Artikelstamm eines Arzneimittels mit Vertriebsstatus, Preisständen und Engpassmeldung ist in dieser Welt kein Kernobjekt, sondern ein Zulieferdatum. Also pflegen die Anwender es selbst.

    Genau das schlägt sich in den Gesprächen nieder. In unserer Auswertung von 134 Verkaufsgesprächen mit Fachkreisen ist die manuelle Stammdatenpflege mit 81 Nennungen die zweithäufigste Aussage überhaupt, und 19 Gesprächspartner formulieren ausdrücklich den Wunsch, Daten direkt ins ERP oder in die Warenwirtschaft übertragen zu lassen.

    Die drei Muster im Vergleich

    MusterWie die Daten ankommenAktualitätWo der Aufwand dauerhaft liegtPasst, wenn
    Live-Abrufdas ERP fragt zum Zeitpunkt der Nutzung abhöchstmöglich, Stand der Quelleim Haus, plus Abhängigkeit von der Erreichbarkeiteinzelne Felder tagesaktuell sein müssen, etwa Engpass oder Vertriebsstatus
    Batch-Lieferungwiederkehrende Datei über einen definierten Weg, danach Importso aktuell wie der Lieferrhythmusim Haus, in der Ladestreckegroße Mengen bewegt werden und der Takt zum Prozess passt
    Marketplace-Erweiterungeine Erweiterung im Ökosystem des ERP kapselt den Bezugje nach Umsetzungbeim Anbieter der Erweiterungder ERP-Standard erhalten bleiben soll und der Bedarf dem Standardfall entspricht

    Die dritte Zeile ist die, die in der Pharmawelt am seltensten verfügbar ist. In ERP-Ökosystemen mit ausgeprägtem Erweiterungsmarkt, etwa rund um Business Central, ist sie ein gangbarer Weg. Für andere Landschaften bleibt sie eine Option auf dem Papier.

    Was das je ERP-Welt bedeutet

    Die folgende Einordnung beschreibt Architekturmuster, keine Produktbewertung. Welcher Weg im konkreten Haus möglich ist, hängt von der Version, den vorhandenen Erweiterungen und der Betriebsform ab.

    ERP-WeltTypische AusgangslageNaheliegendes MusterWorauf zu achten ist
    Konzern-ERP mit eigener IntegrationsschichtIntegrationsplattform vorhanden, hohe Governance, lange ÄnderungszyklenLive-Abruf über die vorhandene Schicht, ergänzt um Batch für MassendatenÄnderungen am Materialstamm unterliegen der Governance, deshalb früh einbinden
    Mittelstands-ERP mit PartnerlandschaftAnpassungen laufen über den ImplementierungspartnerBatch-Lieferung, weil sie mit Bordmitteln des Partners umsetzbar istdie Ladestrecke gehört dokumentiert, sonst hängt sie an einer Person
    Business-Central-Umfeldausgeprägter Erweiterungsmarkt, Branchenlösungen für die Prozessindustrie verbreitetMarketplace-Erweiterung, sonst Live-Abrufprüfen, ob die Branchenlösung den Artikelstamm bereits beansprucht
    Spezialisiertes Pharma-ERPChargen, Rezeptur und Qualitätsmanagement im Kern, Handelsdaten am RandBatch, bei Engpassdaten zusätzlich Live-Abrufklären, welches Feld führend ist, wenn zwei Quellen dasselbe Feld füllen

    Die letzte Spalte der letzten Zeile ist der Punkt, an dem die meisten Projekte nachträglich Aufwand erzeugen. Wenn der Artikelstamm bisher selbst gepflegt wurde und künftig aus einer Quelle kommt, muss vorher entschieden sein, welches Feld künftig von wem gefüllt wird und was mit den historischen Eigenpflegen geschieht.

    Stammdaten und Bestellung sind zwei Ebenen

    Eine Verwechslung, die regelmäßig ganze Projekte verzögert: Der Bezug von Arzneimitteldaten und die elektronische Bestellung sind zwei getrennte Vorhaben mit unterschiedlichen Gegenstellen.

    EbeneGegenstelleBeantwortet
    StammdatenDatenanbieterwelches Produkt es gibt, mit welchen Merkmalen, in welchem Status
    Bestellungder einzelne Lieferantob dieser Lieferant diesen Artikel jetzt liefern kann

    Wer beides in ein Projekt legt, koppelt zwei Zeitpläne mit verschiedenen Abhängigkeiten. Wie die Bestellebene in einer SAP-Landschaft funktioniert, steht im Beitrag MSV3 in SAP anbinden.

    Die drei Punkte, an denen ERP-Projekte in der Praxis scheitern

    1. Der Lizenzscope wird zu spät geklärt. Was mit den Daten im eigenen System geschehen darf, ob sie gespeichert, angereichert und an eigene Kunden weitergegeben werden dürfen, entscheidet über die Architektur. Wer das erst im Anbindungsprojekt fragt, verliert Wochen.
    2. Die Feldhoheit bleibt ungeklärt. Wenn eine externe Quelle künftig Felder füllt, die bisher selbst gepflegt wurden, braucht es eine Regel, welches Feld führend ist und wie Abweichungen behandelt werden.
    3. Der Takt wird pauschal gesetzt. Eine tägliche Lieferung für alle Datenarten ist ebenso falsch wie eine monatliche. Engpassdaten veralten in Stunden, ein Wirkstoffdossier in Jahren.

    Welche Datenarten welchen Takt brauchen

    DatenartSinnvoller TaktWarum
    Engpassmeldung und Vertriebsstatustäglichentscheidet über Beschaffungshandlungen am selben Tag
    Artikelstamm, Merkmale und Packungsdatentäglich bis wöchentlichÄnderungen sind selten, aber folgenreich
    Preisständeim Takt der Quelleein häufigerer Abruf erzeugt keine neuere Information
    Wirkstoffdossiers und Interaktionsdatenseltenändern sich fachlich langsam

    pharmazie.com ist die konsolidierte Arzneimitteldatenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, am Markt seit 1989. Sie vereint 25+ pharmazeutische Fachdatenbanken in einer einzigen Suche, der Eisbergsuche®. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt auf DACH, die Arzneimitteldaten decken 50+ Länder ab. Die Daten werden täglich aktualisiert. Für ein ERP-Projekt sind drei Punkte relevant: Der Bezug ist als Live-Abruf und als konfigurierbarer Download möglich, Umfang und Rhythmus legen Sie je Datenart fest, und die Wirkstoffdossiers umfassen 63.589 Wirk- und Hilfsstoffe.

    Wo die Grenze liegt

    Drei Klarstellungen. Erstens ist die Zuordnung von Muster zu ERP-Welt eine Orientierung, keine Zusage: Was in einem konkreten System möglich ist, entscheidet dessen Version und Betriebsform. Zweitens ersetzt keine Datenquelle die Entscheidung über die Feldhoheit, die bleibt eine interne Festlegung. Drittens ist der tatsächlich bezahlte Einkaufspreis kein Datenfeld, sondern steht in Ihren Verträgen und Belegen.

    Fazit

    Das Pharma-ERP ist die einzige Systemklasse, die ihre Arzneimitteldaten nicht mitbringt. Wer das akzeptiert, stellt die richtigen Fragen: welches Muster, welcher Takt je Datenart, welches Feld ist führend, und was darf mit den Daten geschehen. Wer es nicht akzeptiert, sucht weiter nach einem ERP, das es fertig kann, und pflegt in der Zwischenzeit weiter von Hand.

    Weiterführend: Welche Arzneimitteldatenquelle in Ihrem System steckt für die Landkarte über alle Systemklassen, Arzneimitteldaten per API integrieren für die technische Grundlage, und Rohdatenlizenzen für den Punkt, der die Architektur entscheidet.

    Wenn Sie prüfen möchten, welches Muster zu Ihrer Landschaft passt, vereinbaren Sie einen 30-minütigen Demotermin oder nehmen Sie Kontakt auf.

    Quellen

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Warum haben ERP-Systeme keine eingebaute Arzneimitteldatenbasis?
    Ist die Anbindung von Arzneimitteldaten dasselbe wie eine MSV3-Anbindung?
    Welche Integrationsmuster gibt es für Arzneimitteldaten im ERP?
    In welchem Takt sollten Arzneimitteldaten geliefert werden?
    Welches Muster passt zu welchem ERP?
    Woran scheitern ERP-Anbindungsprojekte am häufigsten?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

    Die umfassendste Arzneimitteldatenbank für Fachkreise.