Arzneimitteldaten und Datenbanken
August 19, 2026
6 Minuten

Eine Quelle statt sieben: Welche Anforderungen muss eine konsolidierte Arzneimitteldatenbasis erfüllen?

In 87 von 134 Verkaufsgesprächen sind verteilte Datenquellen das Kernproblem. Dieser Beitrag macht daraus eine prüfbare Anforderungsliste: neun Kriterien, ein Selbsttest und die Grenzen, die auch eine konsolidierte Quelle nicht überschreitet.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Fragmentierung ist kein Komfortproblem, sondern eine Fehlerquelle: Der langsamste Aktualisierungstakt bestimmt die Verlässlichkeit des Gesamtbilds.
    • Neun Kriterien entscheiden, ob eine Quelle konsolidierend wirkt oder nur eine weitere Insel wird.
    • Das härteste Kriterium ist die Aktualität je Datenart, nicht die Zahl der Datenbanken.
    • Vier Datenarten liegen in keinem Standardsystem nativ vor: Engpass-Alternative, internationale Produktdaten, EU-Zulassungsstatus und Ausschreibungsdaten.
    • Auch eine konsolidierte Quelle ersetzt weder die nationale Pflichtbasis noch die fachliche Entscheidung.

    Eine konsolidierte Arzneimitteldatenbasis erfüllt neun Anforderungen: eine autoritative Grundlage, benannte Aktualisierungstakte je Datenart, durchgängige Identifikation über die Pharmazentralnummer, Abdeckung über Ländergrenzen, Engpassdaten mit Alternativlogik, maschinenlesbaren Zugang, geklärte Lizenzrechte, nachvollziehbare Herkunft je Feld und eine ehrliche Angabe der Abdeckungsgrenzen. Fehlt eines dieser neun Kriterien, entsteht keine zentrale Quelle, sondern eine weitere Insel neben den bestehenden.

    Dieser Beitrag richtet sich an Häuser, die mit mehr als einem System arbeiten: Großhandelsbetriebe mit Handelserlaubnis, Krankenhausapotheken, Klinikverbünde, Hersteller und Softwarehäuser. Welche Datenquellen es in Deutschland überhaupt gibt und wie sie sich unterscheiden, steht im Beitrag Welche Arzneimitteldatenbanken gibt es in Deutschland und wird hier nicht wiederholt.

    Warum Fragmentierung keine Komfortfrage ist

    In unserer Auswertung von 134 Verkaufsgesprächen mit Fachkreisen sind zwei Nennungen mit Abstand die häufigsten: 87 von 134 Gesprächspartnern beschreiben verteilte Datenquellen und fehlende Integration, und 81 von 134 beschreiben manuelle Datenpflege als Alltag. 22 formulieren ausdrücklich den Wunsch nach einer zentralen Datenquelle.

    Der Schaden entsteht nicht durch die Zahl der Quellen, sondern durch drei Folgen daraus. Erstens: Der langsamste Takt bestimmt das Gesamtbild. Wer eine tagesaktuelle Engpassmeldung mit einem Artikelstamm zusammenführt, der zweimal im Monat aktualisiert wird, hat kein tagesaktuelles Bild, sondern ein gemischtes. Zweitens: Jede manuelle Zusammenführung ist eine Fehlerstelle, und sie wiederholt sich in jedem Zyklus. Drittens: Ohne durchgängige Identifikation lässt sich nicht prüfen, ob zwei Datensätze überhaupt dasselbe Produkt meinen.

    Die neun Anforderungen im Einzelnen

    Die folgende Liste ist als Prüfraster gedacht. Sie funktioniert für jede Lösung, auch für eine selbst gebaute.

    #AnforderungWoran Sie es prüfenWarum es zählt
    1Autoritative GrundlageIst die offizielle Artikelbasis für in Deutschland zugelassene Arzneimittel die Grundlage?ohne autoritative Basis ist jede Ableitung angreifbar
    2Takt je Datenart benanntWird für Engpass, Artikelstamm und Preis je ein eigener Takt genannt?ein Pauschalversprechen wie „immer aktuell" ist nicht prüfbar
    3Durchgängige IdentifikationTrägt jeder Datensatz eine Pharmazentralnummer oder ein definiertes Äquivalent?ohne Schlüssel kein Abgleich zwischen Systemen
    4Abdeckung über LändergrenzenWie viele Länder, und mit welchen Feldern je Land?nationale Pflichtquellen enden an der Grenze
    5Engpassdaten mit AlternativlogikKommt zur Meldung auch ein wirkstoffgleicher Vorschlag?die Rohmeldung sagt, was fehlt, nicht was geht
    6Maschinenlesbarer ZugangGibt es einen Bezugsweg neben der Oberfläche?ohne Schnittstelle bleibt die manuelle Pflege bestehen
    7Geklärte LizenzrechteWas darf gespeichert, weitergegeben, in eigenen Produkten genutzt werden?unklare Rechte blockieren jede Weiterverwendung
    8Nachvollziehbare Herkunft je FeldIst erkennbar, aus welcher Quelle ein Feld stammt?im Prüffall zählt die Herkunft, nicht der Wert allein
    9Benannte AbdeckungsgrenzenWird gesagt, was nicht abgedeckt ist?eine Quelle ohne benannte Grenzen ist nicht bewertbar

    Kriterium zwei ist in der Praxis das härteste. Ein Beispiel aus der deutschen Datenlage: Der Artikelstamm einer weit verbreiteten Datenbasis wird zum 1. und zum 15. eines Monats aktualisiert, Lieferengpassmeldungen entstehen dagegen laufend. Wer beides in einem System zusammenführt, muss wissen, welches Feld welchen Stand hat, sonst entsteht ein scheinbar konsistentes Bild aus Daten unterschiedlichen Alters.

    Die vier Datenarten, die in keinem Standardsystem liegen

    Bei der Prüfung von neun Systemklassen, von der Apothekenwarenwirtschaft über das Warenwirtschafts- und ERP-System bis zum Krankenhausinformationssystem, zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Vier Datenarten sind in keiner dieser Klassen nativ vorhanden.

    1. Engpass-Alternative mit Verfügbarkeit. Die behördliche Meldung ist verbreitet, der wirkstoffgleiche und tatsächlich lieferbare Vorschlag nicht.
    2. Internationale Produktdaten. Nationale Pflichtquellen enden an der Landesgrenze, für Import und Ersatzbeschaffung braucht es die Ebene darüber.
    3. Zulassungsstatus je Land. Die Frage, ob ein Produkt in einem bestimmten Land verkehrsfähig ist, beantwortet kein Warenwirtschaftssystem.
    4. Ausschreibungs- und Vertragsdaten. Portale sind Portale, keine Schnittstellen. Die Zuordnung zum eigenen Sortiment passiert manuell.

    Das ist kein Versäumnis der Hersteller. Alle vier setzen eine Datenbasis voraus, die über die jeweilige nationale Pflichtquelle hinausgeht, und die ist nicht Teil ihres Produkts.

    Drei Wege zur Konsolidierung, und was sie jeweils kosten

    Wer die Fragmentierung angeht, hat drei Optionen. Sie unterscheiden sich weniger im Ergebnis als in der Frage, wo der Aufwand dauerhaft liegt.

    WegWas Sie bauenEinmaliger AufwandDauerhafter AufwandTypisches Scheitern
    Eigenbau auf Rohdatenlizenzeneigenes Datenmodell, eigene Ladestrecken je Quellehochhoch, jede Quellenänderung trifft Siedie Ladestrecke hängt an einer Person, die das Haus verlässt
    Konsolidierte Plattform mit OberflächeRecherche an einer Stelle, Systeme bleiben getrenntniedrigniedrigdie Systeme bleiben unversorgt, die Recherche wird besser, die Stammdaten nicht
    Konsolidierte Plattform mit SchnittstelleRecherche plus maschineller Bezug in die eigenen Systememittelmittel, begrenzt auf die eigene Seiteder Lizenzscope wird zu spät geklärt und blockiert die Weitergabe

    In der Praxis ist die zweite Zeile die häufigste Zwischenstation und die dritte das Ziel. Der Sprung von zwei nach drei scheitert erfahrungsgemäß nicht an der Technik, sondern an Kriterium sieben aus der Liste oben: Wer erst beim Anbindungsprojekt fragt, was mit den Daten im eigenen Produkt geschehen darf, verliert Wochen.

    Selbsttest: sind Sie fragmentiert?

    Fünf Fragen, die sich in zehn Minuten beantworten lassen. Drei oder mehr Ja-Antworten bedeuten, dass die Konsolidierung ein lohnender Hebel ist.

    FrageJa bedeutet
    Wird dieselbe Produktinformation an mehr als einer Stelle gepflegt?doppelte Pflege, doppelte Fehlerquelle
    Gibt es eine wiederkehrende Liste, die jemand von Hand baut?ein Prozess wartet auf Automatisierung
    Können Sie für ein beliebiges Feld sagen, wie alt es ist?Nein hier heißt: der Takt ist unbekannt
    Gibt es Auswertungen, die an Excel hängen und nur eine Person beherrscht?Prozessrisiko und Personenabhängigkeit
    Wird bei einem Engpass telefoniert, bevor recherchiert wird?die Datenlage trägt die Entscheidung nicht

    pharmazie.com ist die konsolidierte Arzneimitteldatenplattform der DACON Datenbank Consulting GmbH, am Markt seit 1989. Sie vereint 25+ pharmazeutische Fachdatenbanken in einer einzigen Suche, der Eisbergsuche®. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt auf DACH, die Arzneimitteldaten decken 50+ Länder ab. Die Daten werden täglich aktualisiert. Gegen das Raster oben heißt das konkret: Grundlage ist der offizielle Artikelstamm, Engpass- und Artikeldaten werden täglich aktualisiert, Preis-Updates erfolgen 14-tägig, die strukturierten Wirkstoffdossiers umfassen 63.589 Wirk- und Hilfsstoffe, und der Bezug ist auch maschinenlesbar möglich.

    Wo auch eine konsolidierte Quelle endet

    Vier Grenzen, die zum Kriterium neun gehören und deshalb hier stehen.

    Erstens ersetzt eine Plattform keine nationale Pflichtbasis. Wo ein Land eine verbindliche Referenzdatenbank vorschreibt, bleibt diese verbindlich. Eine konsolidierte Quelle liefert das, was daneben fehlt, nicht das, was ersetzt werden dürfte.

    Zweitens ist der Preis-Scope nicht identisch mit dem Produktdaten-Scope. Bei uns decken die Arzneimitteldaten 50+ Länder ab. Die Preisdaten decken DACH und einige weitere EU-Länder ab, nicht die gesamte EU. Weitere Länder folgen in den kommenden Monaten. Wer einen EU-weiten Preisvergleich braucht, muss diese Grenze kennen.

    Drittens ersetzt keine Datenquelle die fachliche Entscheidung. Ob ein Austausch zulässig, ein Import zulässig oder eine Substitution medizinisch vertretbar ist, entscheidet die verantwortliche Person.

    Viertens bleibt der tatsächlich bezahlte Preis ein Beleg. Konditionen, Rabatte und Einzelvereinbarungen stehen in Ihren Verträgen, nicht in einer Referenzdatenbank.

    Fazit

    Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Datenbanken eine Lösung bündelt, sondern ob sie die neun Anforderungen erfüllt und ihre Grenzen benennt. Eine Quelle, die zu allem Ja sagt, ist kein Vorteil, sondern ein Warnsignal. Der praktische Einstieg ist der Selbsttest oben: Wer drei der fünf Fragen mit Ja beantwortet, hat den Hebel bereits gefunden.

    Weiterführend: Welche Arzneimitteldatenbanken es in Deutschland gibt für die Quellenlandschaft, Arzneimitteldaten per API integrieren für den technischen Bezug, und Rohdatenlizenzen für Arzneimitteldaten für die Rechtefrage aus Kriterium sieben.

    Wenn Sie Ihr Haus gegen das Raster prüfen möchten, vereinbaren Sie einen 30-minütigen Demotermin oder nehmen Sie Kontakt auf.

    Quellen

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Was macht eine Arzneimitteldatenquelle zu einer zentralen Quelle?
    Ersetzt eine konsolidierte Plattform die nationale Pflichtdatenbank?
    Warum ist der Aktualisierungstakt das härteste Kriterium?
    Decken die Preisdaten dieselben Länder ab wie die Produktdaten?
    Welche Daten liegen in keinem Standardsystem vor?
    Woran erkenne ich, dass mein Haus fragmentiert arbeitet?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

    Die umfassendste Arzneimitteldatenbank für Fachkreise.