Datenintegration und APIs
July 23, 2026
7 Minuten

PZN-Stammdaten und Preise per JSON-API: der Integrationsleitfaden für Fachkreise

Sie erfahren, wie Sie PZN-Stammdaten und Preise als aktuellen JSON-REST-Feed anbinden und warum das Format Legacy-Dateien in Sicherheit, Pflegeaufwand und E-Rezept-Anschluss überlegen ist.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Eine PZN-API liefert je Pharmazentralnummer einen strukturierten JSON-Datensatz mit Identifikation, Wirkstoffen, rechtlichem Status und Preisen in einer Antwort.
    • JSON ist typisiert und hierarchisch und vermeidet die typischen CSV-Fehler: verlorene führende Nullen, falsche Trennzeichen und Encoding-Konflikte.
    • Die deutsche Preislogik (HAP, AEP, AVP, Festbetrag, Zuzahlung, Mehrkosten) lässt sich als JSON-Struktur sauber abbilden.
    • Der API-Abruf entkoppelt vom zweiwöchigen Verteilzyklus und liefert Daten zum Abfragezeitpunkt statt veralteter Listen.
    • JSON ist zugleich die Basis von FHIR und E-Rezept, in dem die PZN der Identifier in der MedicationRequest-Ressource ist. Zielgruppe sind ausschließlich Fachkreise.

    PZN-Stammdaten und Preise per JSON-API zu beziehen bedeutet, jeden Datensatz zu einer Pharmazentralnummer strukturiert und aktuell über einen RESTful Webservice abzurufen, statt monatlich oder zweiwöchentlich eine statische Datei herunterzuladen und zu importieren. Für Fachkreise, die Software entwickeln oder betreiben, ist das der Unterschied zwischen Daten, die zum Abfragezeitpunkt gelten, und Daten, die zwischen zwei Verteilterminen bereits veraltet sein können. Dieser Leitfaden erklärt, welche Felder eine solche Schnittstelle liefert, warum JSON gegenüber CSV und XML im Vorteil ist, wie sich die deutsche Preislogik als JSON-Struktur abbildet und wie das Format zum E-Rezept passt.

    Welche Daten eine PZN-API pro Datensatz liefert

    Die Pharmazentralnummer (PZN) wird von der Informationsstelle für Arzneispezialitäten (IFA) vergeben und ist der primäre Schlüssel in den Datenbanken aller Marktbeteiligten. Sie verknüpft ein physisches Präparat mit einem Datensatz, der viele Attribute umfasst. Eine JSON-API bündelt diese Attribute in einer Antwort:

    • Identifikation: Handelsname, Anbieter, Darreichungsform, Packungsgröße mit N-Kennzeichen (N1, N2, N3).
    • Wirkstoffe: internationale Freinamen (INN), Wirkstärken und Wirkstoffmengen je Einheit.
    • Rechtlicher Status: Verschreibungspflicht, Apothekenpflicht, Betäubungsmittelstatus (BTM), T-Rezept-Pflicht.
    • Logistische Daten: Gewicht, Maße und Lagerungsbedingungen, etwa Kühlkette.
    • Ökonomische Daten: Preise, Festbeträge, Zuzahlungen und Hinweise auf Rabattverträge.

    Entscheidend ist die Bündelung. Eine PZN allein ist ohne diesen Kontext wertlos. Ein fehlerhaftes oder veraltetes Attribut kann zu Retaxationen führen, wenn etwa ein nicht mehr erstattungsfähiges Präparat abgegeben wird.

    Warum JSON statt CSV oder XML

    Viele Schnittstellen im Gesundheitswesen tauschen noch CSV-Dateien oder starr formatierte Flat-Files aus. Für kritische Stammdaten ist das eine Fehlerquelle. Drei typische Probleme:

    • Kein verbindliches Trennzeichen: Komma, Semikolon oder Tabulator sind nicht standardisiert. Ein Name wie "Calcium 500 mg, Brausetabletten" zerbricht an einem Komma-Parser, und der Preis rutscht in die falsche Spalte.
    • Keine Datentypen: In CSV ist alles Text. Eine achtstellige PZN mit führender Null wird von Import-Routinen oft als Zahl gelesen, die Null verschwindet, und die PZN wird ungültig.
    • Encoding-Konflikte: Ältere Systeme exportieren in ISO-8859-1 oder Windows-1252, moderne Anwendungen erwarten UTF-8. Sonderzeichen wie ®, β oder Umlaute werden dann zu kryptischen Symbolen und sind nicht mehr suchbar.

    JSON ist demgegenüber hierarchisch, typisiert und selbsterklärend. Ein Präparat kann eine Liste von Wirkstoffen und eine Liste von Preisen enthalten, ohne dass Spalten dupliziert werden müssen. Zahlen bleiben Zahlen, Wahrheitswerte bleiben Booleans:

    { "pzn": "12345678", "name": "Beispielpräparat", "wirkstoffe": [ { "substanz": "Paracetamol", "menge": 500, "einheit": "mg" } ], "preise": { "avp": 12.50, "festbetrag": 10.00, "zuzahlung": 2.50 }, "status": { "verschreibungspflichtig": false, "apothekenpflichtig": true } }

    Ein weiterer Vorteil liegt in der Abwärtskompatibilität. In JSON werden Felder über ihren Namen (Key) referenziert, nicht über ihre Position. Kommt ein neues Feld hinzu, ignorieren ältere Clients es einfach, statt beim Import abzustürzen. Bei positionsbasierten Flat-Files bricht dagegen jede neue Spalte den Parser, und Entwickler müssen unter Zeitdruck nachbessern.

    Wie sich die deutsche Preislogik als JSON abbildet

    Die Preisinformationen zu einer PZN sind das Ergebnis eines regulierten Verfahrens. Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) regelt seit 2011, dass neue Arzneimittel zunächst zwölf Monate zum frei gewählten Herstellerpreis verkauft werden dürfen. Parallel bewertet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Zusatznutzen, anschließend verhandeln Hersteller und GKV-Spitzenverband einen Erstattungsbetrag. Eine API muss diese Preiskomponenten differenziert liefern:

    KomponenteBedeutungRelevanz für die Integration
    HAP (Herstellerabgabepreis)Preis des pharmazeutischen UnternehmensBasis für Rabattberechnungen der Industrie
    AEP (Apothekeneinkaufspreis)Einkaufspreis der Apotheke inklusive GroßhandelszuschlagGrundlage der Margenkalkulation
    AVP (Apothekenverkaufspreis)Einheitlicher Abgabepreis gegenüber Patienten und KassenAbrechnungsbasis gegenüber der GKV
    FestbetragMaximaler Erstattungsbetrag der GKV je WirkstoffgruppeBestimmt mögliche Mehrkosten
    ZuzahlungGesetzliche Zuzahlung des VersichertenMuss am Point of Sale angezeigt werden

    Besonders wichtig ist die Mehrkosten-Information. Liegt der AVP über dem Festbetrag, trägt der Versicherte die Differenz selbst. Eine JSON-API, die diese Angabe direkt in den Workflow einer Verordnungs- oder Abgabesoftware einbindet, macht Mehrkosten sofort sichtbar und vermeidet Überraschungen bei der Abgabe.

    Aktualität: Abruf statt Verteilzyklus

    Legacy-Systeme spielen alle zwei Wochen ein Update ein und arbeiten in den Tagen dazwischen mit veralteten Daten. Eine Preisliste vom Monatsersten kann am Fünfzehnten bereits falsche Werte enthalten, wenn eine Schiedsstellenentscheidung oder eine neue Vereinbarung greift. Wer Abrechnungen oder wirtschaftliche Auswertungen auf einer solchen Liste aufbaut, rechnet mit falschen Zahlen. Eine API entkoppelt den Anwender vom starren Verteilzyklus: Sobald eine Information in der zentralen Datenbank aktualisiert wird, steht sie über die Schnittstelle bereit. Der Zugriff wechselt vom Prinzip "Nutzer holt Update" zum Prinzip "Daten sind aktuell verfügbar".

    Eine REST-API liefert dabei nicht nur Daten, sondern auch HTTP-Statuscodes. Eine ungültige PZN quittiert der Dienst sofort mit 404 und einer JSON-Fehlermeldung, statt einen Fehler erst am Ende eines Massenimports sichtbar zu machen. Dieses Fail-Fast-Prinzip begünstigt stabile Anwendungen.

    Anschluss an E-Rezept und FHIR

    Der Wechsel zum JSON-Format wird durch den Gesetzgeber beschleunigt. Das E-Rezept basiert auf dem Standard FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) von HL7, der für den Austausch über Web-APIs entwickelt wurde. Die meisten Implementierungen bevorzugen die JSON-Repräsentation (application/fhir+json). Technisch ist ein E-Rezept ein Bündel von JSON-Ressourcen, und innerhalb der MedicationRequest-Ressource ist die PZN der entscheidende Identifier. Wer seine Stammdaten bereits als JSON bezieht, kann sie ohne aufwendige Übersetzung in die FHIR-Struktur einbinden. Auch das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) fördert interoperable Schnittstellen und erhöht damit den Druck, von Flat-Files auf standardisierte APIs umzustellen.

    Bezugswege: Feed oder Direktabruf

    Als Datenbasis dient der ABDA-Artikelstamm, das für die Abrechnung zwischen Apotheken und gesetzlichen Krankenkassen maßgebliche Verzeichnis. Über pharmazie.com lassen sich diese Arzneimittel-Stammdaten je nach Anwendungsfall auf zwei Wegen nutzen: als Export in Formaten wie CSV, JSON, XML, Excel oder PDF für den Aufbau einer eigenen Datenhaltung, oder per REST-Abruf für den Zugriff in Echtzeit. Für Klinik-Informationssysteme, Warenwirtschaft, Großhandels- oder Kassenanwendungen bedeutet der Direktabruf, dass die Software im Hintergrund auf eine zentrale Quelle zugreift, ohne dass eine Oberfläche bedient werden muss. Der passende Weg hängt von der Architektur ab: Ein System, das durchgehend aktuelle Preise benötigt, profitiert vom Abruf, ein System mit eigener Verarbeitungslogik oft vom strukturierten Export. Beide Angebote richten sich an Fachkreise, nicht an Patientinnen und Patienten.

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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Was liefert eine PZN-API im JSON-Format konkret?
    Wie aktuell sind die Daten im Vergleich zum Verteilzyklus?
    Warum ist JSON gegenüber CSV für Stammdaten im Vorteil?
    Passt eine JSON-API zum E-Rezept und zu FHIR?
    Welche Preiskomponenten deckt die Schnittstelle ab?
    Welche Datenquelle liegt zugrunde und für wen ist das Angebot gedacht?
    Seit 1989 vertrauen über 1.000 Kunden auf unsere Daten.

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