Arzneimitteldaten und Datenbanken
July 27, 2026
6 Minuten

Deutsche PZN für internationale Produkte finden: der prozedurale Leitfaden für Fachkreise

Sie ordnen ein ausländisches Präparat in sechs Schritten der richtigen deutschen PZN zu und erkennen zuverlässig, wann stattdessen der Importweg mit Sonder-PZN greift.

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Inhaltsverzeichnis
    Zusammenfassung
    • Gleichen Sie internationale Präparate über den Wirkstoff (INN), Stärke, Darreichungsform und ATC-Code ab, nie über den Handelsnamen.
    • Die deutsche PZN hat in Österreich (eigener Nummernkreis), der Schweiz (Pharmacode) und den USA (NDC) kein direktes Gegenstück.
    • Ablauf: Produktdaten sammeln, INN bestimmen, deutschen Zulassungsstatus prüfen, Äquivalent identifizieren, PZN auslesen, gegenprüfen.
    • Ohne deutsches Äquivalent greift der Einzelimport nach Paragraf 73 Absatz 3 AMG mit Sonder-PZN 09999117 (Rx) oder 09999206 (nicht-Rx).
    • Eine parallele Datenbanksuche bündelt die länderübergreifende Recherche und verkürzt den Abgleich.

    Um die deutsche Pharmazentralnummer (PZN) für ein internationales Produkt zu finden, gehen Sie nicht über den ausländischen Handelsnamen, sondern über den Wirkstoff: Bestimmen Sie den internationalen Freinamen (INN), Stärke und Darreichungsform, identifizieren Sie das passende in Deutschland zugelassene Präparat und lesen Sie dessen achtstellige PZN aus einer Arzneimitteldatenbank aus. Existiert kein deutsches Äquivalent, gibt es keine reguläre PZN. Dann kommt der Weg über den Einzelimport nach Paragraf 73 Absatz 3 AMG mit einer Sonder-PZN infrage.

    Dieser Leitfaden richtet sich an Fachkreise im Großhandel, in der Industrie und in krankenhausversorgenden Apotheken, die ausländische Präparate rechtssicher in das deutsche System überführen müssen.

    Warum der Abgleich über den Handelsnamen scheitert

    Ein und derselbe Wirkstoff trägt von Land zu Land unterschiedliche Namen, und identische Markennamen können in verschiedenen Märkten verschiedene Substanzen bezeichnen. Der US-Freiname Acetaminophen entspricht dem deutschen Paracetamol, Loratadin wird in Deutschland unter anderem als Lorano vertrieben, in den USA als Claritin. Wer nur den Namen abgleicht, riskiert eine Verwechslung oder den Bezug eines in Deutschland nicht zugelassenen Präparats. Der belastbare Anker ist deshalb immer der Wirkstoff, ergänzt um Stärke, Darreichungsform und ATC-Code.

    Hinzu kommt, dass die Kennzeichnungssysteme nicht kompatibel sind. Die deutsche PZN identifiziert Präparat und Packungsgröße eindeutig, hat aber in anderen Ländern kein direktes Gegenstück.

    HerkunftslandKennzeichnungssystemZulassungsbehörde
    DeutschlandPZN, 8-stellig, je PackungsgrößeBfArM, PEI
    ÖsterreichEigener PZN-Nummernkreis, nicht mit der deutschen PZN identischBASG
    SchweizPharmacode, kein PZN-SystemSwissmedic
    USANational Drug Code (NDC), 10 bis 11 StellenFDA

    Eine österreichische oder US-Kennnummer lässt sich also nicht umrechnen. Sie dient nur als Ausgangspunkt, um Wirkstoff und Produktdetails zu verifizieren.

    Schritt für Schritt: die deutsche PZN ermitteln

    1. Produktdaten vollständig erfassen. Herkunftsland, Handelsname, Wirkstoff, Stärke, Darreichungsform, Hersteller und Zulassungsstatus im Ursprungsland. Diese Angaben sind die Grundlage jedes weiteren Schritts.
    2. Auf den INN übersetzen. Führen Sie den nationalen Namen auf den internationalen Freinamen zurück, etwa Acetaminophen auf Paracetamol oder Aspirin auf Acetylsalicylsäure. Der INN und der ATC-Code sind die sprachunabhängigen Suchschlüssel.
    3. Zulassungsstatus in Deutschland prüfen. Klären Sie über eine amtliche Quelle wie das Arzneimittel-Informationssystem PharmNet.Bund des BfArM oder eine Arzneimitteldatenbank, ob der Wirkstoff in dieser Stärke und Darreichung in Deutschland zugelassen ist.
    4. Deutsches Äquivalent identifizieren. Suchen Sie nach Wirkstoff plus Stärke oder nach dem Hersteller und prüfen Sie, ob Darreichungsform und Dosierung übereinstimmen. Beispiel: Für ein US-Präparat mit Paracetamol 500 mg suchen Sie das deutsche Pendant mit Paracetamol 500 mg Tabletten.
    5. PZN auslesen. Jedes in Deutschland gehandelte Fertigarzneimittel trägt eine eindeutige PZN, die von der Packungsgröße abhängt. Achten Sie darauf, exakt die richtige Variante zu wählen, da 20er- und 100er-Packung unterschiedliche PZN haben.
    6. Gegenprüfen. Vergleichen Sie Wirkstoffmenge, Salz oder Ester, Hersteller, Zulassungsinhaber und Verschreibungsstatus. Nur bei echter Äquivalenz ist der PZN-Abgleich belastbar.

    Wenn es kein deutsches Äquivalent gibt: Einzelimport nach Paragraf 73 AMG

    Findet sich in Deutschland kein vergleichbares Arzneimittel bezogen auf Wirkstoff und Wirkstärke, existiert keine reguläre PZN. Der Einzelimport nach Paragraf 73 Absatz 3 AMG erlaubt es Apotheken, ein im Herkunftsland rechtmäßig in Verkehr gebrachtes Arzneimittel unter besonderen Vorgaben zu beschaffen. Voraussetzung ist unter anderem, dass hierzulande für das Indikationsgebiet kein vergleichbares Präparat verfügbar ist.

    Für die Abrechnung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung werden dann Sonder-PZN verwendet: die 09999117 für verschreibungspflichtige und die 09999206 für nicht verschreibungspflichtige Einzelimporte. Diese Nummern ersetzen die fehlende reguläre PZN im Abrechnungsprozess. Prüfen Sie die Zuordnung und die Erstattungsvoraussetzungen im Einzelfall, bevor Sie darauf zurückgreifen.

    Regulatorische Ausgangslage je Herkunftsland

    Schweiz

    Die Schweiz ist nicht Teil der EU-Zulassung und hat mit Swissmedic eine eigene Behörde. Ein dort zugelassenes Präparat kann in Deutschland fehlen oder eine separate Zulassung benötigen. Zudem sind Handelsnamen trotz gemeinsamer Sprache oft verschieden, und einzelne Wirkstoffe sind in der Schweiz gängig, in Deutschland aber nicht zugelassen. Der Abgleich beginnt hier mit der Frage, ob der Wirkstoff auf dem deutschen Markt überhaupt verfügbar ist.

    Österreich

    Österreich gehört wie Deutschland zum EU-Arzneimittelmarkt, die zuständige Behörde ist das BASG. Viele Produkte tragen denselben Namen, doch Packungsgrößen oder Zusammensetzungen können abweichen, und die österreichische PZN stammt aus einem eigenen Nummernkreis. Selbst bei identischem Produkt muss die deutsche PZN gesondert ermittelt werden.

    USA

    Die USA liegen außerhalb des europäischen Systems, die FDA vergibt statt einer PZN den NDC. Bei US-Präparaten ist fast immer ein Wirkstoffabgleich nötig, da sowohl Freinamen als auch Markennamen abweichen. Viele US-Arzneimittel sind in Deutschland gar nicht auf dem Markt, sodass häufig nur der Importweg bleibt.

    Womit der Abgleich schneller gelingt

    Der aufwändige Teil ist die parallele Recherche in getrennten nationalen Quellen. Genau hier setzt pharmazie.com an: Die Plattform bündelt für Fachkreise mehr als 25 Arzneimitteldatenbanken unter einer Oberfläche, darunter der ABDA-Artikelstamm für den deutschen Markt sowie internationale Quellen wie der Austria-Codex und der Codex Galenica für die Schweiz. Über die Eisbergsuche® lässt sich ein Wirkstoff in einer Anfrage länderübergreifend prüfen, statt nacheinander in Verzeichnissen von Swissmedic, BASG oder FDA zu suchen. Synonyme und Übersetzungen werden verknüpft, sodass eine Suche nach Acetaminophen auch Treffer zu Paracetamol liefert. Ist die deutsche PZN gefunden, stehen die zugehörigen Stammdaten aus dem ABDA-Artikelstamm bereit. So verkürzt sich der Weg vom ausländischen Handelsnamen zur belastbaren deutschen PZN erheblich, ohne dass die fachliche Prüfung entfällt.

    Häufige Fehlerquellen

    • Abgleich über den Markennamen statt über den Wirkstoff.
    • Falsche Packungsvariante gewählt, wodurch eine unpassende PZN gezogen wird.
    • Unterschiedliches Salz oder anderer Ester des Wirkstoffs übersehen.
    • Bei fehlender deutscher Zulassung eine reguläre PZN erwartet, statt den Importweg mit Sonder-PZN zu prüfen.
    • Ausländische Kennnummer (NDC, Pharmacode, österreichische PZN) als deutsche PZN interpretiert.
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    Ursula Tschorn
    Ursula Tschorn ist Geschäftsführerin der DACON DACON Datenbank Consulting GmbH und beschäftigt sich seit 1989 mit dem Aufbau pharmazeutischer Informationsinfrastrukturen. Sie schreibt über Standards für Arzneimitteldaten, Preisregulierung und Marktzugang in der DACH-Region.

    FAQ

    Kann ich eine österreichische PZN in eine deutsche PZN umrechnen?
    Warum reicht der Handelsname für den Abgleich nicht aus?
    Was ist das deutsche Gegenstück zum US-amerikanischen NDC?
    Welche amtlichen Quellen bestätigen den deutschen Zulassungsstatus?
    Was tue ich, wenn es für ein ausländisches Arzneimittel keine deutsche PZN gibt?
    Muss ich für jede Packungsgröße eine eigene PZN suchen?
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