Die MSV3-Schnittstelle in der Klinikapotheke unterscheidet sich grundlegend von der Nutzung in öffentlichen Apotheken. Während Offizinapotheken einzelne Bestellungen an ihren Primärgroßhändler übermitteln, stehen Krankenhausapotheken vor völlig anderen Anforderungen: Hunderte PZNs pro Bestellzyklus, Direktanbindung an Pharmahersteller, Integration in SAP oder CGM AMOR, und ein Lieferengpassmanagement, bei dem jede Stunde zählt. Seit 2022 ist die MSV3-Bestellung für Klinikapotheken technisch möglich — doch die Implementierung erfordert ein anderes Vorgehen als in der Offizin.
Dieser Artikel zeigt, wie MSV3 und MSV3-plus im Klinikumfeld funktionieren, welche ERP-Systeme sich anbinden lassen, warum Batch-Abfragen für den Klinikeinkauf entscheidend sind und wie Sie KHZG-Fördermittel für die MSV3-Integration nutzen können.
MSV3 in der Klinikapotheke: Andere Anforderungen als in der Offizinapotheke
In öffentlichen Apotheken ist MSV3 seit über einem Jahrzehnt Standard. Über 80 % der rund 18.000 Offizinapotheken in Deutschland nutzen das Protokoll für die Echtzeitkommunikation mit dem pharmazeutischen Großhandel. Der typische Workflow ist überschaubar: Eine PZN wird in der Warenwirtschaft aufgerufen, die Verfügbarkeit beim Primärlieferanten geprüft, die Bestellung per Klick übermittelt.
In der Klinikapotheke sieht die Realität anders aus. Rund 360 Krankenhausapotheken in Deutschland versorgen bis zu mehrere Tausend Betten und Dutzende Stationen gleichzeitig. Die Bestellvolumina liegen um ein Vielfaches höher, die Anforderungen an Dokumentation und Prozessintegration sind strenger, und die Lieferketten sind komplexer.
Die zentralen Unterschiede im Überblick:
- Bestellvolumen: Offizinapotheken bestellen typischerweise 50 bis 200 Positionen pro Tag. Klinikapotheken bewegen sich häufig im Bereich von 200 bis 1.000+ Positionen pro Bestellzyklus — je nach Klinikgröße und Versorgungsstruktur.
- Lieferantenstruktur: Öffentliche Apotheken arbeiten in der Regel mit einem Primär- und einem Sekundärgroßhändler. Klinikapotheken beziehen Arzneimittel zusätzlich direkt von Pharmaherstellern (Direktgeschäft), über Einkaufsgemeinschaften und über spezialisierte Kliniklieferanten.
- ERP-Integration: Während Offizinapotheken mit spezialisierten Warenwirtschaftssystemen wie PROKAS, IXOS oder WINAPO arbeiten, nutzen Kliniken übergreifende ERP-Systeme wie SAP (IS-H, MM), Microsoft Dynamics NAV (Navision) oder CGM AMOR als Materialwirtschaftslösung.
- Dokumentationspflichten: Krankenhausapotheken müssen Bestellvorgänge für interne Audits, Kostenstellenzuordnungen, das Controlling und die Wirtschaftsprüfung lückenlos dokumentieren.
- Versorgungskritikalität: Wenn in der Offizinapotheke ein Engpass-Präparat nicht verfügbar ist, kann der Patient ein alternatives Rezept erhalten. Im Krankenhaus kann ein fehlendes Narkosemittel, Antibiotikum oder Zytostatikum dazu führen, dass Operationen verschoben oder Therapien unterbrochen werden müssen.
Bis 2022 war MSV3 ausschließlich auf den Bestellweg zwischen Offizinapotheken und Großhändlern ausgelegt. Die Erweiterung auf Klinikapotheken wurde maßgeblich durch ein Pilotprojekt von CGM, AESCUDATA und Sandoz Deutschland vorangetrieben, das die MSV3-Anbindung des Materialwirtschaftssystems CGM AMOR an pharmazeutische Hersteller erstmals ermöglichte.
MSV3-plus: Was kann die Klinik-Erweiterung?
MSV3-plus ist die Erweiterung des MSV3-Standards, die speziell für die Anforderungen von Klinikapotheken und klinikmitversorgenden Apotheken entwickelt wurde. Während das klassische MSV3 die Kommunikation zwischen Apotheke und Großhandel abdeckt, ermöglicht MSV3-plus die direkte elektronische Bestellung bei Pharmaherstellern — ein Bestellweg, der für Krankenhausapotheken essenziell ist.
Kernfunktionen von MSV3-plus im Klinikumfeld
MSV3-plus baut auf dem bestehenden MSV3-Protokoll auf und erweitert es um Funktionen, die im stationären Bereich benötigt werden:
- Direktbestellung beim Hersteller: Klinikapotheken können Bestellungen direkt an Pharmaunternehmen übermitteln, ohne den Umweg über den Großhandel. Das ist insbesondere bei Spezialpräparaten, Klinikexklusiva und Kontraktartikeln relevant, die über Einkaufsgemeinschaften zu Sonderkonditionen bezogen werden.
- Erweiterte Verfügbarkeitsabfrage: Neben der Standard-Lieferbarkeitsprüfung liefert MSV3-plus Informationen zur voraussichtlichen Wiederverfügbarkeit bei temporär nicht lieferbaren Produkten. Das ermöglicht eine bessere Bestandsplanung.
- Defekt- und Kontingentmeldungen: Hersteller können über MSV3-plus Defektmeldungen (Lieferengpässe) und Kontingentierungsinformationen direkt an die Klinikapotheke übermitteln. Die Apotheke erfährt so frühzeitig von Einschränkungen, bevor die offizielle BfArM-Meldung erfolgt.
- Substitutionsvorschläge: Bei nicht lieferbaren Artikeln können Hersteller über die MSV3-plus-Schnittstelle alternative Produkte vorschlagen — etwa wirkstoffgleiche Präparate aus dem eigenen Sortiment oder Packungsgrößenvarianten.
Bis Januar 2023 hatten bereits die ersten 100 Krankenhausapotheken und klinikmitversorgenden Apotheken MSV3-plus in ihre Bestellprozesse integriert. Pharmahersteller wie Sandoz (mit den Marken HEXAL und 1 A Pharma), Sanofi und Zentiva bieten die MSV3-plus-Anbindung für Kliniken bereits aktiv an.
Unterschied MSV3 vs. MSV3-plus
| Merkmal | MSV3 (Standard) | MSV3-plus (Klinik-Erweiterung) |
|---|---|---|
| Bestellempfänger | Pharmazeutischer Großhandel | Großhandel und Pharmahersteller direkt |
| Primäre Zielgruppe | Offizinapotheken | Klinikapotheken, klinikmitversorgende Apotheken |
| Verfügbarkeitsinfo | Ja/Nein + Menge | Ja/Nein + Menge + Wiederverfügbarkeit + Substitutionen |
| Defektmeldungen | Nicht enthalten | Direkte Übermittlung durch Hersteller |
| Lieferscheindaten | Nicht enthalten | In Planung / teilweise verfügbar |
| Retourenabwicklung | Nicht enthalten | In Planung |
Direktanbindung an Pharmahersteller: Warum Kliniken nicht nur über den Großhandel bestellen
Für öffentliche Apotheken ist der pharmazeutische Großhandel der Standardlieferant. Klinikapotheken hingegen beziehen einen erheblichen Anteil ihres Arzneimittelbedarfs direkt von Pharmaherstellern. Das hat mehrere Gründe:
- Einkaufsgemeinschaften: Kliniken sind häufig in Einkaufsgemeinschaften organisiert (z. B. Sana, Agkamed, P.E.G.), die Rahmenverträge mit Herstellern verhandeln. Die daraus resultierenden Kontraktpreise gelten nur bei Direktbezug und sind über den Großhandel nicht abrufbar.
- Spezialpräparate: Zytostatika, Blutprodukte, Impfstoffe und bestimmte Biologika werden häufig ausschließlich direkt vom Hersteller an die Klinik geliefert. Der Großhandel führt diese Produkte nicht oder nur eingeschränkt.
- Chargenrückverfolgbarkeit: Bei Direktlieferungen ist die Chargenrückverfolgung einfacher, da nur ein Zwischenhändler (oder keiner) beteiligt ist. Das ist insbesondere bei hochpreisigen Biologika und kühlkettenpflichtigen Produkten relevant.
- Versorgungssicherheit: Bei Lieferengpässen können Hersteller Kliniken über das Direktgeschäft bevorzugt beliefern. Kontingente werden gezielt an Krankenhäuser vergeben, die einen Direktvertrag haben.
MSV3-plus ermöglicht es, diese Direktbestellungen in denselben digitalen Workflow einzubinden, den die Klinikapotheke auch für Großhandelsbestellungen nutzt. Statt parallele Bestellwege — Portal A für Hersteller, Portal B für Großhändler, Fax für Sonderbestellungen — zu unterhalten, laufen alle Bestellungen über eine einzige Schnittstelle.
Pharmahersteller, die MSV3-plus für Kliniken bereits aktiv unterstützen, sind unter anderem Sandoz/HEXAL/1 A Pharma, Sanofi, Zentiva, ratiopharm und MSD. Die Liste der angebundenen Hersteller wächst kontinuierlich. Auf der Website der Krankenhauspharmazie (KPH) finden Sie eine aktuelle Übersicht der MSV3-Partner.
Integration in Klinik-IT: SAP, Navision, CGM AMOR
Die MSV3-Anbindung in der Klinik steht und fällt mit der Integration in das vorhandene ERP- bzw. Materialwirtschaftssystem. Drei Systeme dominieren den Markt für Kliniklogistik und Arzneimittelbeschaffung in deutschen Krankenhäusern.
CGM AMOR: MSV3-Pilotpartner für Kliniken
CGM AMOR ist die führende Materialwirtschaftslösung für Krankenhausapotheken in Deutschland. Das System deckt den gesamten Beschaffungsprozess ab — von der Bedarfsermittlung über die Bestellung bis zur Rechnungsprüfung. Die MSV3-Anbindung in CGM AMOR wurde im Rahmen des Pilotprojekts mit Sandoz und AESCUDATA entwickelt und ist seit 2022 produktiv verfügbar.
Die MSV3-Integration in CGM AMOR bietet:
- Direkte Verfügbarkeitsabfrage aus dem Bestellmodul heraus
- Automatische Zuordnung zu Kontraktlieferanten
- Echtzeit-Rückmeldung zu Lieferstatus und Wiederverfügbarkeit
- Verknüpfung mit der Hausliste der Klinik
- Dokumentation aller Bestellvorgänge für Audits und Controlling
Für Kliniken, die bereits CGM AMOR nutzen, ist die MSV3-Aktivierung in der Regel mit überschaubarem Aufwand verbunden, da die Schnittstelle nativ im System integriert ist.
SAP (IS-H, MM): MSV3 in der Materialwirtschaft
Universitätskliniken und große Krankenhausverbünde setzen auf SAP als ERP-System. Die SAP-Module IS-H (Industry Solution Healthcare) und MM (Materials Management) bilden den Beschaffungsprozess ab. Eine native MSV3-Integration in SAP existiert bislang nicht als Standardfunktion. Stattdessen gibt es spezialisierte Add-ons und Middleware-Lösungen.
Der snapMSV3service von snapConsult ist eine solche Lösung: ein SAP-integrierter MSV3-Webservice, der die Verfügbarkeitsabfrage und Bestellung direkt aus SAP-Transaktionen heraus ermöglicht. Die Lösung integriert sich in bestehende MM-Prozesse (Bestellanforderungen, Bestellungen, Wareneingänge) und erfordert keine separate Oberfläche.
Auch die ISC Consulting AG und 2E Consulting bieten SAP-MSV3-Schnittstellenlösungen an, die auf den Klinikbereich zugeschnitten sind.
Microsoft Dynamics NAV (Navision)
Mittlere und große Kliniken nutzen häufig Microsoft Dynamics NAV (ehemals Navision) als ERP-System. Die Herausforderung: Navision verfügt über keine standardisierten pharmazeutischen Schnittstellen. Die MSV3-Anbindung erfordert daher eine Individualentwicklung oder den Einsatz einer Middleware, die als Vermittler zwischen Navision und dem MSV3-Protokoll fungiert.
pharmazie.com bietet hierfür eine REST-API, die als Satellitenlösung neben Navision eingesetzt werden kann. Die API übernimmt die MSV3-Kommunikation mit Großhändlern und Herstellern und liefert Verfügbarkeitsdaten und Bestellbestätigungen in JSON-Format zurück — ein Format, das sich in Navision über standardisierte Webservice-Connectoren verarbeiten lässt.
Batch-Abfragen für den Klinikeinkauf: 100+ PZNs gleichzeitig prüfen
In der Offizinapotheke wird MSV3 typischerweise für Einzelabfragen genutzt: eine PZN, ein Großhändler, eine Antwort. Im Klinikumfeld ist das nicht praktikabel. Der Einkauf einer Krankenhausapotheke arbeitet mit Bedarfslisten, die Hunderte von Positionen umfassen. Eine manuelle Einzelprüfung jeder PZN würde Stunden dauern.
Batch-Abfragen lösen dieses Problem. Statt 300 PZNs einzeln abzufragen, wird die gesamte Bedarfsliste als eine Anfrage an die MSV3-Schnittstelle übermittelt. Das System prüft die Verfügbarkeit aller Positionen bei allen angebundenen Lieferanten und gibt eine konsolidierte Antwort zurück.
Wie Batch-Abfragen in der Praxis funktionieren
- Bedarfsliste generieren: Das ERP-System (SAP, Navision, CGM AMOR) erstellt auf Basis des Dispositionsvorschlags, der Hausliste und aktueller Bestandsmengen eine Bedarfsliste mit allen zu bestellenden PZNs und Mengen.
- Batch-Verfügbarkeitsabfrage: Die gesamte Liste wird per MSV3-Schnittstelle (oder über die REST-API von pharmazie.com) an alle angebundenen Lieferanten übermittelt. Pro PZN und Lieferant werden Verfügbarkeit, Menge und voraussichtliche Lieferzeit zurückgemeldet.
- Automatische Zuordnung: Das System ordnet jede Position dem optimalen Lieferanten zu — basierend auf Verfügbarkeit, Kontraktpreisen, Lieferpriorität und der definierten Lieferantenhierarchie.
- Sammelbestellung auslösen: Alle Positionen werden gruppiert nach Lieferant als Sammelbestellung übermittelt. Pro Lieferant geht eine einzige, konsolidierte MSV3-Bestellung heraus.
- Rückmeldung und Dokumentation: Bestellbestätigungen, Teillieferungsinformationen und voraussichtliche Lieferzeiten werden an das ERP-System zurückgemeldet und im Bestellprotokoll dokumentiert.
pharmazie.com unterstützt Batch-Abfragen über die REST-API. Klinikapotheken übermitteln ihre Bedarfsliste als JSON oder CSV und erhalten die Verfügbarkeit bei allen angebundenen Großhändlern als strukturierte Antwort zurück. Kombiniert mit der Arzneimitteldatenbank werden gleichzeitig aktuelle Stammdaten, Lieferengpass-Informationen und Alternativvorschläge mitgeliefert.
Zeitersparnis durch Batch-Abfragen
| Szenario | Manuell (Einzelabfrage) | MSV3 Batch-Abfrage |
|---|---|---|
| 100 PZNs bei 3 Lieferanten prüfen | ca. 90-120 Minuten | unter 2 Minuten |
| 300 PZNs bei 5 Lieferanten prüfen | ca. 4-6 Stunden | unter 5 Minuten |
| Tägliche Routinebestellung (150 Positionen) | ca. 2-3 Stunden | unter 3 Minuten |
Lieferengpassmanagement im Krankenhaus: Warum es besonders kritisch ist
Arzneimittel-Lieferengpässe treffen Krankenhäuser mit einer anderen Wucht als öffentliche Apotheken. Wenn ein Antibiotikum für die Intensivstation fehlt, ein Narkosemittel nicht verfügbar ist oder ein Zytostatikum für eine geplante Chemotherapie nicht geliefert werden kann, stehen unmittelbare Patientenversorgungsentscheidungen an. Im schlimmsten Fall müssen Operationen verschoben, Therapien umgestellt oder Patienten in andere Häuser verlegt werden.
Die ADKA (Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker) dokumentiert seit Jahren die wachsende Belastung durch Lieferengpässe. Die Bewältigung von Engpässen bindet in vielen Klinikapotheken mehrere Stunden täglich — Zeit, die für die pharmazeutische Betreuung der Stationen fehlt.
Wie MSV3 das Lieferengpassmanagement verbessert
Die MSV3-Schnittstelle liefert Echtzeitinformationen zur Verfügbarkeit. Im Kontext des Lieferengpassmanagements einer Klinikapotheke bedeutet das:
- Frühwarnung durch MSV3-plus: Hersteller übermitteln Defektmeldungen direkt an die Klinikapotheke — häufig bevor die offizielle BfArM-Meldung veröffentlicht wird. Das verschafft der Apotheke einen zeitlichen Vorsprung für die Beschaffung von Alternativen.
- Restbestände identifizieren: Auch wenn ein Produkt offiziell als nicht lieferbar gemeldet ist, können einzelne Großhändler noch Restmengen vorrätig haben. Die MSV3-Verfügbarkeitsabfrage zeigt diese Restposten in Echtzeit an.
- Alternativen sofort prüfen: In Kombination mit der Lieferengpass-Datenbank von pharmazie.com werden wirkstoffgleiche Alternativen mit aktuellem Verfügbarkeitsstatus angezeigt — einschließlich EU-Importoptionen aus über 50 Ländern.
- Automatische Benachrichtigung bei Wiederverfügbarkeit: MSV3-plus ermöglicht die Übermittlung von Wiederverfügbarkeitsinformationen. So können Klinikapotheken den Rückwechsel auf das Standardpräparat planen, sobald es wieder lieferbar ist.
Die Kombination aus MSV3-Echtzeitabfrage und einer konsolidierten Lieferengpass-Datenbank reduziert die Zeit von der Engpass-Feststellung bis zur Bestellung einer Alternative von Stunden auf Minuten.
KHZG-Fördermittel für die MSV3-Integration nutzen
Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) stellt insgesamt 4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung deutscher Krankenhäuser bereit — davon 3 Milliarden Euro vom Bund und weitere 1,3 Milliarden Euro von den Ländern und Krankenhausträgern. Die Digitalisierung der Arzneimittelversorgung ist dabei explizit förderfähig.
Relevante Fördertatbestände für die Klinikapotheke
Für die MSV3-Integration in der Krankenhausapotheke kommen insbesondere zwei Fördertatbestände in Frage:
- Fördertatbestand 5 — Digitales Medikationsmanagement: Dieser Tatbestand fördert die Einführung von Systemen zur Arzneimitteltherapiesicherheit, einschließlich elektronischer Verordnung, Interaktionsprüfung und automatisierter Beschaffungsprozesse. Die MSV3-Integration als Teil eines durchgängigen Medikationsmanagement-Workflows fällt in diesen Förderbereich.
- Fördertatbestand 10 — Informationstechnische Maßnahmen: Übergreifende IT-Maßnahmen zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur, einschließlich der Anbindung von Materialwirtschaftssystemen an externe Schnittstellen.
Fristen und Konsequenzen
Die Umsetzungsfristen des KHZG haben direkte finanzielle Konsequenzen:
- Digitalisierungsabschlag ab 2026: Krankenhäuser, die die geforderten digitalen Dienste nicht nachweisen können, müssen mit Abschlägen auf ihre DRG-Erlöse rechnen. Diese Abschläge können sich auf bis zu 2 % der Fallpauschalen belaufen.
- Nachweis der Nutzung bis 2027: Geförderte digitale Dienste müssen bis Ende 2027 zu mindestens 60 % der vorgesehenen Nutzung nachgewiesen werden. Wird diese Quote nicht erreicht, können Fördermittel anteilig zurückgefordert werden.
- 2025/2026 Übergangsregelung: In den Jahren 2025 und 2026 wird zunächst nur die Verfügbarkeit der digitalen Dienste berücksichtigt. Es reicht aus, dass die Umsetzung beauftragt wurde. Ab 2027 gilt der volle Nutzungsnachweis.
Für Klinikapotheken, die ihre Bestellprozesse noch nicht digitalisiert haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die MSV3-Integration: Die KHZG-Fördermittel sind bewilligt, die Übergangsregelung erlaubt 2026 noch den Start der Umsetzung, und die technischen Lösungen sind marktreif.
Vergleichstabelle: MSV3-Anforderungen Offizinapotheke vs. Klinikapotheke
Die folgende Tabelle fasst die unterschiedlichen Anforderungen zusammen, die Offizin- und Klinikapotheken an eine MSV3-Lösung stellen. Sie dient als Orientierung bei der Evaluation von Anbietern und Systemen.
| Kriterium | Offizinapotheke | Klinikapotheke |
|---|---|---|
| Bestellvolumen pro Tag | 50-200 Positionen | 200-1.000+ Positionen |
| Batch-Abfragen | Nicht erforderlich | Unverzichtbar (100+ PZNs gleichzeitig) |
| Lieferantentypen | 1-2 Großhändler | Großhändler + Hersteller + Einkaufsgemeinschaften |
| MSV3-Variante | MSV3 Standard | MSV3-plus (Herstelleranbindung) |
| ERP-Integration | WAWI (PROKAS, IXOS, WINAPO) | SAP, Navision, CGM AMOR |
| Kostenstellen-Zuordnung | Nicht relevant | Pflicht (Station, Abteilung, Projekt) |
| Lieferengpass-Kritikalität | Hoch (Patientenversorgung) | Sehr hoch (OP, Intensivstation, Onkologie) |
| Dokumentationsanforderungen | Apothekenrechtlich | Apothekenrechtlich + Controlling + Wirtschaftsprüfung |
| API-Anforderung | Optional | Meist erforderlich (ERP-Anbindung) |
| Internationale Alternativen bei Engpässen | Wünschenswert | Essenziell (EU-Import, Reimporte) |
| KHZG-Förderung | Nicht anwendbar | Förderfähig (FTB 5 und 10) |
MSV3-Anbindung für Ihre Klinikapotheke evaluieren
pharmazie.com bietet MSV3-Bestellautomatisierung mit Batch-Abfragen, Lieferengpass-Datenbank und REST-API für die Integration in SAP, Navision und CGM AMOR. Erfahren Sie in einer Live-Demo, wie die Lösung in Ihrem Klinik-Workflow funktioniert.
Implementierung: So führen Sie MSV3 in der Klinikapotheke ein
Die Einführung von MSV3 in der Klinikapotheke ist kein reines IT-Projekt. Sie betrifft Beschaffung, Logistik, pharmazeutisches Personal und Controlling gleichermaßen. Ein strukturierter Implementierungsansatz reduziert Risiken und beschleunigt den Go-Live.
Phase 1: Analyse und Anforderungsdefinition (2-4 Wochen)
- Bestandsaufnahme der aktuellen Bestellwege (Großhandel, Direktgeschäft, Sonderbestellungen)
- Identifikation des ERP-Systems und bestehender Schnittstellen
- Definition der Lieferantenhierarchie und Kontraktstruktur
- Festlegung der Anforderungen an Dokumentation und Reporting
Phase 2: Technische Anbindung (4-8 Wochen)
- MSV3-plus-Zugänge bei den relevanten Herstellern und Großhändlern beantragen
- API-Anbindung an das ERP-System konfigurieren (REST-API, RFC für SAP oder Webservice-Connector für Navision)
- Batch-Abfrage-Workflows implementieren und testen
- Kostenstellenzuordnung und Berechtigungskonzept definieren
Phase 3: Pilotbetrieb (4 Wochen)
- Start mit einem definierten Sortimentsbereich (z. B. Generika oder ein bestimmter Hersteller)
- Parallelbetrieb: Alte und neue Bestellwege laufen gleichzeitig
- Validierung der Bestelldokumentation und Controlling-Reports
- Feedback-Schleifen mit pharmazeutischem Personal und Einkauf
Phase 4: Rollout und Optimierung (fortlaufend)
- Sukzessive Erweiterung auf alle Lieferanten und Sortimentsbereiche
- Integration der Lieferengpass-Datenbank in den Workflow
- Automatisierung der Dispositionsvorschläge auf Basis von Verbrauchsdaten
- Regelmäßige Überprüfung der Lieferantenhierarchie und Kontraktkonditionen
Häufig gestellte Fragen
Was ist MSV3-plus und worin unterscheidet es sich von MSV3?
MSV3-plus ist die Erweiterung des MSV3-Bestellstandards für Klinikapotheken und klinikmitversorgende Apotheken. Während MSV3 die elektronische Kommunikation zwischen Apotheken und pharmazeutischem Großhandel abdeckt, ermöglicht MSV3-plus zusätzlich die Direktbestellung bei Pharmaherstellern. Weitere Erweiterungen umfassen Defektmeldungen, Wiederverfügbarkeitsinformationen und Substitutionsvorschläge durch den Hersteller. MSV3-plus wurde 2022 im Rahmen eines Pilotprojekts von CGM, AESCUDATA und Sandoz Deutschland eingeführt.
Welche ERP-Systeme unterstützen die MSV3-Anbindung in der Klinik?
Die drei verbreitetsten ERP-Systeme in Klinikapotheken unterstützen MSV3 auf unterschiedliche Weise: CGM AMOR bietet eine native MSV3-Integration als Bestandteil des Systems. Für SAP (IS-H, MM) gibt es spezialisierte Add-ons wie den snapMSV3service von snapConsult oder Lösungen von ISC Consulting und 2E Consulting. Microsoft Dynamics NAV (Navision) erfordert eine Middleware oder REST-API-Anbindung, wie sie pharmazie.com als Satellitenlösung bereitstellt.
Können KHZG-Fördermittel für die MSV3-Integration genutzt werden?
Ja. Die MSV3-Integration in der Klinikapotheke kann über zwei KHZG-Fördertatbestände gefördert werden: Fördertatbestand 5 (Digitales Medikationsmanagement) deckt automatisierte Beschaffungsprozesse als Teil des Medikationsmanagements ab. Fördertatbestand 10 (Informationstechnische Maßnahmen) fördert die Anbindung von Materialwirtschaftssystemen an externe Schnittstellen. Die KHZG-Mittel sind bewilligt, und für 2025/2026 gilt eine Übergangsregelung, bei der es ausreicht, dass die Umsetzung beauftragt wurde.
Wie funktionieren Batch-Abfragen über MSV3 für Klinikapotheken?
Bei einer Batch-Abfrage übermittelt die Klinikapotheke eine komplette Bedarfsliste mit Hunderten von PZNs in einer einzigen Anfrage an die MSV3-Schnittstelle. Das System prüft die Verfügbarkeit aller Positionen bei allen angebundenen Lieferanten gleichzeitig und gibt eine konsolidierte Antwort zurück. Die Zuordnung zum optimalen Lieferanten erfolgt automatisch auf Basis von Verfügbarkeit, Kontraktpreisen und Lieferpriorität. Über die REST-API von pharmazie.com können Bedarfslisten als JSON oder CSV übermittelt werden.
Welche Pharmahersteller unterstützen MSV3-plus für Kliniken?
Zu den Herstellern, die MSV3-plus für Klinikapotheken aktiv anbieten, gehören unter anderem Sandoz (mit den Marken HEXAL und 1 A Pharma), Sanofi, Zentiva, ratiopharm und MSD. Die Liste wächst kontinuierlich. Eine aktuelle Übersicht der angebundenen MSV3-Partner finden Sie auf der Website der Krankenhauspharmazie (KPH) unter krankenhauspharmazie.de. Die Zugangsdaten für MSV3-plus werden in der Regel direkt beim jeweiligen Hersteller beantragt.

