Die MSV3-Schnittstelle ist der De-facto-Standard für die elektronische Bestellkommunikation zwischen Apotheken und pharmazeutischem Großhandel in Deutschland. Während der MSV3-Workflow in klassischen Apotheken-Warenwirtschaftssystemen wie PROKAS, IXOS oder WINAPO bereits nativ integriert ist, stehen IT-Abteilungen in Kliniken, Großhandelsunternehmen und pharmazeutischen Dienstleistern vor einer anderen Herausforderung: Wie integriert man MSV3 in bestehende ERP-Systeme wie SAP, Microsoft Dynamics (Navision) oder Sage 100 — ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen?
Dieser technische Leitfaden zeigt Ihnen die gängigen Architekturoptionen, vergleicht etablierte Lösungen und erklärt, wie Sie MSV3-Daten über REST-APIs auch in Systeme integrieren, die den SOAP/WSDL-basierten MSV3-Standard nicht nativ unterstützen.
Warum MSV3 in bestehende ERP-Systeme integrieren?
In vielen pharmazeutischen Unternehmen existieren zwei getrennte Welten: Das ERP-System (SAP, Navision, Sage) steuert Einkauf, Materialwirtschaft und Finanzbuchhaltung. Daneben läuft die MSV3-Bestellkommunikation mit dem Großhandel über ein separates System — oft eine eigenständige Apothekensoftware oder ein dediziertes Großhändler-Portal. Diese Trennung erzeugt konkrete Probleme:
- Doppelte Datenhaltung: Artikelstammdaten, Bestellmengen und Lieferanteninformationen müssen in beiden Systemen gepflegt werden. Inkonsistenzen führen zu Fehlbestellungen.
- Medienbrüche im Einkauf: Einkaufsanforderungen werden im ERP erfasst, die eigentliche Bestellung aber in einem anderen System ausgelöst. Genehmigungsworkflows greifen nicht durch.
- Fehlende Transparenz: Verfügbarkeitsdaten aus MSV3-Abfragen sind im ERP nicht sichtbar. Die Disposition arbeitet ohne Echtzeitinformationen zur Lieferfähigkeit der Großhändler.
- Audit-Lücken: In regulierten Umgebungen (Krankenhausapotheken, GxP-pflichtige Betriebe) müssen Bestellvorgänge lückenlos dokumentiert sein. Zwei Systeme bedeuten zwei Audit-Trails.
Die Integration von MSV3 in Ihr ERP-System schließt diese Lücken: Verfügbarkeitsabfragen, Bestellungen und Statusrückmeldungen laufen direkt in den ERP-Prozessen — mit einem einzigen Audit-Trail, durchgängigen Genehmigungsworkflows und konsistenten Stammdaten.
Architekturoptionen: Direkt, Middleware oder API-Gateway
Bevor Sie eine konkrete Lösung evaluieren, sollten Sie die grundsätzliche Integrationsarchitektur klären. Es gibt drei etablierte Ansätze, die sich in Aufwand, Flexibilität und Wartungskosten unterscheiden:
Option 1: Direkte MSV3-Integration im ERP
Bei der direkten Integration wird der MSV3-SOAP/WSDL-Client unmittelbar im ERP-System implementiert. Das ERP kommuniziert ohne Zwischenschicht direkt mit den MSV3-Endpunkten der Großhändler. Die MSV3-Spezifikation — definiert durch ADAS (Bundesverband Deutscher Apotheken-Softwarehäuser) und PHAGRO — basiert auf SOAP-Webservices mit WSDL-Beschreibung.
Vorteile: Keine zusätzliche Infrastruktur, geringste Latenz, vollständige Kontrolle über die Implementierung.
Nachteile: Hoher Entwicklungsaufwand, jede MSV3-Versionsänderung erfordert Anpassungen im ERP, jeder Großhändler-Endpunkt muss einzeln konfiguriert werden. Nur sinnvoll, wenn internes SOAP-Know-how vorhanden ist.
Geeignet für: Große Pharma-Großhändler mit eigener Entwicklungsabteilung, die MSV3 als Kernprozess betreiben.
Option 2: Middleware-Lösung
Eine Middleware sitzt zwischen ERP und MSV3-Großhändler-Endpunkten. Sie übernimmt die Protokollübersetzung (SOAP zu ERP-nativem Format), das Routing an mehrere Großhändler und die Fehlerbehandlung. Etablierte Lösungen wie snapMSV3service oder COBI.msv folgen diesem Muster.
Vorteile: ERP muss MSV3-Protokoll nicht direkt sprechen, zentrale Konfiguration aller Großhändler-Verbindungen, Updates an der MSV3-Spezifikation werden in der Middleware abgefangen.
Nachteile: Zusätzliche Infrastrukturkomponente, Lizenzkosten, Abhängigkeit vom Middleware-Anbieter.
Geeignet für: Kliniken und Krankenhausapotheken mit SAP-Umgebung, die eine zertifizierte Lösung benötigen.
Option 3: API-Gateway mit REST-Abstraktion
Ein API-Gateway abstrahiert das MSV3-SOAP-Protokoll hinter einer modernen REST-API mit JSON-Responses. Das ERP-System — oder jedes andere System — kommuniziert über Standard-HTTP-Aufrufe, während das Gateway die SOAP-Kommunikation mit den Großhändlern im Hintergrund abwickelt.
Vorteile: Jedes System mit HTTP-Fähigkeit kann MSV3 nutzen (ERP, BI-Tools, eigene Portale), keine SOAP-Kenntnisse erforderlich, einfache Integration in moderne Microservice-Architekturen.
Nachteile: Zusätzlicher Hop in der Kommunikationskette, Abhängigkeit vom Gateway-Anbieter.
Geeignet für: Mittelständische Unternehmen mit Navision, Sage oder anderen ERP-Systemen ohne native SOAP-Unterstützung. Auch ideal als Ergänzung neben bestehender WAWI.
MSV3 in SAP integrieren: Etablierte Lösungen
SAP ist das dominierende ERP-System in deutschen Kliniken und pharmazeutischen Großhandelsunternehmen. Für die MSV3-Integration in SAP-Umgebungen existieren mehrere etablierte Lösungen, die sich in Zielgruppe und technischem Ansatz unterscheiden.
snapMSV3service: Cloud-Lösung für SAP-Klinikapotheken
snapMSV3service von Snap Consulting ist eine Cloud-basierte MSV3-Lösung, die speziell für Krankenhausapotheken mit SAP entwickelt wurde. Die Lösung läuft auf der SAP Business Technology Platform (SAP BTP) und integriert sich direkt in SAP Material Management (SAP MM).
Kerneigenschaften von snapMSV3service:
- SAP-MM-Integration: Verfügbarkeitsabfragen und Bestellungen werden direkt aus SAP-MM-Transaktionen ausgelöst. Separate Portale oder Frontends entfallen.
- Cloud-SaaS-Modell: Keine lokale Installation erforderlich. Der Service wird über SAP BTP bereitgestellt und ist für jede Klinikapotheke mit SAP MM nutzbar.
- Lieferengpass-Unterstützung: Bei Engpässen unterstützt das System die Suche nach äquivalenten Produkten und alternativen Bezugsquellen mit anschließender verbindlicher Bestellung.
- Pharmazeutische Recherche: Zusätzlich zu MSV3-Funktionen bietet der Service Informationen zu Wirkstoffen, Preisen, Interaktionen und Fertigarzneimitteltexten.
snapMSV3service eignet sich primär für Universitätskliniken und größere Krankenhäuser, die SAP als zentrales ERP einsetzen und den MSV3-Bestellprozess vollständig in ihre SAP-Landschaft einbetten möchten. Referenzprojekte bestehen unter anderem am Universitätsklinikum Frankfurt.
ISC Consulting: Individuelle SAP-MSV3-Projekte
ISC Consulting (Innovative Systems Consulting AG) realisiert individuelle SAP-MSV3-Schnittstellenprojekte für Pharmaunternehmen und Großhändler. Der Ansatz ist projektbasiert: ISC implementiert die MSV3-Schnittstelle als Individualentwicklung in der SAP-Umgebung des Kunden, einschließlich OCI-Kataloganbindung und Bestellfunktionalität.
Dieser Ansatz bietet maximale Flexibilität, erfordert aber ein dediziertes Projektbudget und SAP-ABAP-Entwicklungsressourcen. Er eignet sich für Großhandelsunternehmen, die MSV3 als Server (nicht nur als Client) betreiben und den Standard tief in ihre SD- und MM-Prozesse integrieren möchten.
Ähnliche Dienstleistungen bietet 2E-Consulting aus München, ebenfalls mit Fokus auf maßgeschneiderte SAP-MSV3-Integrationen.
COBI.msv: MSV3 für SAP Business One
COBI.msv von COBISOFT ist ein SAP-Business-One-Add-On, das MSV3-Bestellungen direkt in SAP Business One abbildet. Die Lösung richtet sich an kleine und mittelständische Pharmaunternehmen, die SAP Business One als ERP einsetzen.
Technische Merkmale von COBI.msv:
- Direkte Datenbankabfrage: MSV3-Funktionen wie Authentifizierung und Verfügbarkeitsabfragen werden direkt gegen die SAP-Business-One-Datenbank ausgeführt — ohne Zwischendatenbank.
- MSV3 Version 2.0: COBI.msv implementiert Version 2 des MSV3-Standards vollständig, einschließlich aller Pflichtfunktionen der Spezifikation.
- Bestellkonvertierung: Eingehende MSV3-Bestellungen werden automatisch in SAP-Business-One-Kundenaufträge umgewandelt.
- Flexible Bereitstellung: Unterstützt SAP Business One On-Premise, Partner-Hosted und SAP-Hosted in SQL- und HANA-Varianten.
COBI.msv ist eine schlanke Lösung für Großhändler, die MSV3-Bestellungen empfangen (Server-Seite). Für Apotheken oder Kliniken, die MSV3 als Besteller nutzen (Client-Seite), ist die Lösung nicht konzipiert.
MSV3 in Microsoft Dynamics (Navision) integrieren
Microsoft Dynamics 365 Business Central (vormals Navision/NAV) ist in mittelständischen Pharmaunternehmen und Apothekengruppen verbreitet. Für die MSV3-Integration in Navision existiert keine etablierte Standardlösung vergleichbar mit snapMSV3service oder COBI.msv. Die Integration erfolgt in der Regel über einen der folgenden Wege:
SOAP-Webservice-Anbindung in AL/C-AL
Microsoft Dynamics Business Central unterstützt den Aufruf externer SOAP-Webservices über die Programmiersprache AL (früher C/AL). Da MSV3 auf SOAP/WSDL basiert, lässt sich ein MSV3-Client grundsätzlich direkt in Business Central implementieren. In der Praxis erfordert dies jedoch:
- Import der MSV3-WSDL-Definition und Generierung der Service-Proxies
- Implementierung der MSV3-Nachrichtenstruktur (Verfügbarkeitsabfrage, Bestellung, Statusabfrage)
- Konfiguration der TLS-gesicherten Verbindung zu jedem Großhändler-Endpunkt
- Mapping der MSV3-Artikeldaten (PZN, Menge, Preis) auf die Navision-Artikeltabelle
Der Aufwand für eine vollständige Eigenentwicklung liegt typischerweise bei 40 bis 80 Personentagen, abhängig von der Anzahl der anzubindenden Großhändler und der Tiefe der ERP-Integration.
REST-API als Alternativweg
Der effizientere Weg führt über ein REST-API-Gateway, das MSV3-Funktionen als JSON-Endpunkte bereitstellt. Business Central kann REST-APIs nativ konsumieren — ohne SOAP-Komplexität. Sie rufen per HTTP-POST eine Verfügbarkeitsabfrage auf, erhalten die Antwort als JSON und verarbeiten sie direkt in Ihren Einkaufsprozessen.
pharmazie.com bietet genau diesen Ansatz: Die REST-API abstrahiert die MSV3-Kommunikation hinter Standard-JSON-Endpunkten. Statt SOAP/WSDL in Navision zu implementieren, senden Sie eine PZN-Liste per POST-Request und erhalten strukturierte Verfügbarkeitsdaten zurück.
MSV3 in Sage 100 und andere Mittelstands-ERP integrieren
Sage 100, proALPHA, abas und andere mittelständische ERP-Systeme haben eines gemeinsam: Sie bieten in der Standardkonfiguration keine native MSV3-Unterstützung. Die SOAP/WSDL-Fähigkeiten dieser Systeme sind oft eingeschränkt oder erfordern kostenpflichtige Zusatzmodule.
VARIO ERP: Integrierte MSV3-Lösung
Eine Ausnahme bildet VARIO ERP: Dieses auf den Pharmahandel spezialisierte Warenwirtschaftssystem bringt sowohl einen MSV3-Client als auch einen MSV3-Server mit. Für Unternehmen, die bereits VARIO nutzen, entfällt die Integrationsfrage. Für alle anderen Sage- und Mittelstands-ERP-Nutzer bleiben zwei praxistaugliche Wege:
Weg 1: Middleware mit ERP-Adapter
Eine MSV3-Middleware wird als eigenständiger Dienst betrieben und über einen ERP-Adapter (REST, ODBC, Dateiexport/Import) an das ERP-System angebunden. Der Adapter synchronisiert Bestellanforderungen vom ERP zur Middleware und Bestellbestätigungen von der Middleware zurück ins ERP.
Typische Adapter-Formate:
- CSV/XML-Dateiaustausch: Das ERP exportiert Bestellanforderungen als CSV, die Middleware importiert sie, führt MSV3-Abfragen durch und schreibt die Ergebnisse als CSV zurück. Einfach, aber nicht echtzeitfähig.
- ODBC/SQL-Integration: Die Middleware liest direkt aus der ERP-Datenbank und schreibt Ergebnisse zurück. Echtzeitfähig, aber eng gekoppelt an das Datenbankschema.
- REST-API-Kopplung: Wenn das ERP eine REST-Schnittstelle bietet (Sage 100 über Add-Ons), kommunizieren Middleware und ERP bidirektional über JSON. Die sauberste Lösung.
Weg 2: pharmazie.com als Satellitenlösung
Statt MSV3 direkt in Ihr ERP zu integrieren, können Sie pharmazie.com als eigenständige Satellitenlösung neben Ihrem ERP betreiben. Die MSV3-Bestellung läuft über die pharmazie.com-Oberfläche oder API, während das ERP für die übrige Materialwirtschaft zuständig bleibt. Dieser Ansatz erfordert keinen Eingriff in Ihr ERP und ist in wenigen Stunden einsatzbereit.
REST-API als Brücke: MSV3-Daten über JSON verfügbar machen
Der MSV3-Standard basiert auf SOAP-Webservices mit WSDL-Beschreibung — einer Technologie, die in modernen Entwicklungsumgebungen zunehmend durch REST/JSON abgelöst wird. Für ERP-Systeme und Eigenentwicklungen, die keinen SOAP-Stack mitbringen, ist eine REST-Abstraktionsschicht der pragmatischste Integrationsweg.
Wie die REST-Abstraktion funktioniert
Ein REST-API-Gateway übersetzt zwischen zwei Welten:
- Eingehend (Client-Seite): Ihr ERP oder Ihre Anwendung sendet einen HTTP-POST-Request mit JSON-Body an den Gateway-Endpunkt. Der Body enthält eine Liste von PZNs, gewünschte Mengen und optionale Parameter (bevorzugter Großhändler, Lieferzeitfenster).
- Übersetzung: Das Gateway wandelt den JSON-Request in SOAP-Nachrichten um und sendet diese an die MSV3-Endpunkte der Großhändler.
- Ausgehend (Antwort): Die SOAP-Antworten der Großhändler werden in ein einheitliches JSON-Format konvertiert und an den Aufrufer zurückgegeben.
Die pharmazie.com-API folgt genau diesem Muster. Drei zentrale Endpunkte stehen zur Verfügung:
| Operation | Methode | Format | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| Verfügbarkeitsabfrage | POST | JSON | PZN-Liste senden, Verfügbarkeit je Großhändler erhalten |
| Bestellung aufgeben | POST | JSON | Bestellpositionen mit PZN, Menge und Großhändler übermitteln |
| Bestellstatus abfragen | GET | JSON | Bestellbestätigung, Lieferstatus und Order Summary abrufen |
Die vollständige API-Dokumentation einschließlich Authentifizierung, Rate Limits und Beispiel-Responses finden Sie in der technischen Dokumentation der Webservices.
Integrationsbeispiel: Sage 100 mit REST-API
Ein typisches Szenario für die REST-basierte MSV3-Integration in Sage 100:
- Ein Bestellvorschlag wird in Sage 100 generiert (z. B. bei Unterschreitung des Meldebestands).
- Ein Sage-Add-On oder ein externer Scheduler liest die offenen Bestellvorschläge über die Sage-Datenbankschnittstelle aus.
- Die PZN-Liste wird per POST-Request an die pharmazie.com-API gesendet.
- Die API liefert Verfügbarkeitsdaten je Großhändler als JSON zurück.
- Der Einkäufer prüft die Ergebnisse im Sage-Frontend oder in einer separaten Oberfläche und löst die Bestellung aus.
- Bestellbestätigungen und Lieferstatus werden zurück nach Sage geschrieben.
Dieser Ansatz erfordert keine SOAP-Implementierung in Sage und lässt sich mit Standard-Entwicklungswerkzeugen (Python, PowerShell, Node.js) realisieren.
Sicherheit: SSL/TLS, Authentifizierung und Compliance
Die MSV3-Kommunikation transportiert sensible Geschäftsdaten: Bestellmengen, Preise, Lieferantenbeziehungen und in Klinikumgebungen indirekt auch patientenbezogene Versorgungsinformationen. Die Sicherheitsanforderungen sind entsprechend hoch.
Transportverschlüsselung
Der MSV3-Standard schreibt HTTPS mit TLS-Verschlüsselung für alle Verbindungen zwischen Client und Großhändler-Endpunkt vor. In der Praxis bedeutet das:
- TLS 1.2 oder höher als Mindestanforderung
- Serverzertifikate der Großhändler müssen validiert werden (kein Akzeptieren selbstsignierter Zertifikate)
- Bei Einsatz einer Middleware oder eines API-Gateways muss die Verschlüsselung auf beiden Strecken (ERP zu Gateway und Gateway zu Großhändler) durchgängig sein
Authentifizierung und Autorisierung
MSV3 verwendet eine eigene Authentifizierung: Jeder Großhändler vergibt Zugangsdaten (Benutzername und Passwort) für die MSV3-Verbindung. Diese werden im SOAP-Header übermittelt. Bei REST-API-Lösungen kommt in der Regel eine zusätzliche API-Key-basierte oder OAuth-2.0-basierte Authentifizierung hinzu.
Empfehlungen für die sichere Konfiguration:
- Credentials niemals hartcodieren: MSV3-Zugangsdaten gehören in einen Secrets Manager oder verschlüsselten Credential Store — nicht in Konfigurationsdateien oder Quellcode.
- Zugriff einschränken: Nur autorisierte Systeme und Benutzer sollten MSV3-Bestellungen auslösen können. Implementieren Sie rollenbasierte Zugriffskontrollen (RBAC) in Ihrem ERP.
- Logging und Auditierung: Jede MSV3-Transaktion (Abfrage und Bestellung) sollte mit Zeitstempel, Benutzer und Ergebnis protokolliert werden. In GxP-regulierten Umgebungen ist dies Pflicht.
GxP-Compliance und Validierung
Krankenhausapotheken und pharmazeutische Großhändler unterliegen den Regelungen der Guten Herstellungspraxis (GxP). Für die MSV3-Integration bedeutet das:
- Die Schnittstelle muss im Rahmen einer Computervalidierung (CSV) dokumentiert und qualifiziert werden.
- Änderungen an der Konfiguration erfordern ein Change-Control-Verfahren.
- Bestelldaten müssen revisionssicher archiviert werden — in der Regel für mindestens 10 Jahre.
Cloud-basierte Lösungen wie snapMSV3service auf SAP BTP oder API-Gateways wie pharmazie.com können die Validierung vereinfachen, da der Anbieter einen Teil der Qualifizierungsdokumentation bereitstellt.
Vergleichstabelle: MSV3-Integrationsoptionen im Überblick
| Kriterium | Direkte SOAP-Integration | Middleware (z. B. snapMSV3service, COBI.msv) | REST-API-Gateway (z. B. pharmazie.com) |
|---|---|---|---|
| ERP-Kompatibilität | Nur Systeme mit SOAP-Stack | SAP (MM, Business One) | Alle Systeme mit HTTP-Fähigkeit |
| Implementierungsaufwand | Hoch (40-80 PT) | Mittel (Konfiguration + Customizing) | Gering (API-Anbindung) |
| Großhändler-Anbindung | Einzeln je Endpunkt | Über Middleware vorkonfiguriert | Über Gateway vorkonfiguriert |
| Protokoll | SOAP/WSDL | SOAP (intern), ERP-nativ (extern) | REST/JSON |
| Wartungsaufwand | Hoch (MSV3-Updates selbst implementieren) | Mittel (Anbieter liefert Updates) | Gering (Anbieter pflegt Gateway) |
| Pharmazeutische Daten | Nicht enthalten | Teilweise (je nach Lösung) | 25+ Datenbanken integriert |
| Lieferengpass-Daten | Nicht enthalten | Teilweise | Täglich aktualisiert, inkl. BfArM |
| Zielgruppe | Großhändler mit Entwicklungsabteilung | Kliniken mit SAP | Alle Unternehmensgrößen |
| Kosten | Projektkosten (einmalig + Wartung) | Lizenz + Implementierung | API-Abo (nutzungsbasiert) |
pharmazie.com als Satellitenlösung: MSV3 ohne ERP-Umbau
Nicht jede MSV3-Integration erfordert einen tiefen Eingriff in Ihr ERP-System. Für viele Anwendungsfälle — insbesondere bei Krankenhausapotheken und mittelständischen Pharma-Unternehmen — ist der Satelliten-Ansatz die pragmatischste Lösung.
Das Konzept: pharmazie.com übernimmt die MSV3-Kommunikation mit den Großhändlern als eigenständiges System neben Ihrem ERP. Sie nutzen die Plattform entweder über die Web-Oberfläche oder über die REST-API — ohne Ihr bestehendes ERP anpassen zu müssen.
Wann der Satellitenansatz sinnvoll ist
- Ihr ERP hat keine SOAP-Fähigkeit und eine direkte MSV3-Integration wäre unverhältnismäßig aufwändig.
- Sie möchten MSV3 schnell pilotieren, ohne ein monatelanges Integrationsprojekt zu starten.
- Sie benötigen nicht nur MSV3, sondern auch Zugriff auf Lieferengpass-Daten, Alternativvorschläge und pharmazeutische Datenbanken.
- Ihre bestehende WAWI bleibt für den Primärlieferanten zuständig und pharmazie.com ergänzt als zweiter Kanal für Verfügbarkeitsprüfungen bei alternativen Großhändlern.
Kombination: Satellit + API-Integration
Der Satellitenansatz schließt eine spätere API-Integration nicht aus. Viele Unternehmen starten mit der Web-Oberfläche, evaluieren den Nutzen und bauen dann schrittweise eine API-Anbindung an ihr ERP auf. Die pharmazie.com-API unterstützt sowohl einfache Verfügbarkeitsabfragen (als Ergänzung zum ERP) als auch vollständige Bestellworkflows (als Ersatz für die manuelle MSV3-Bestellung).
Für die konkrete API-Integration in verschiedene ERP-Systeme finden Sie technische Details und Codebeispiele im Artikel Arzneimitteldaten-API: Integration in ERP und Warenwirtschaft.
MSV3-Integration evaluieren: Kostenlose Demo
Prüfen Sie, wie pharmazie.com MSV3-Verfügbarkeitsabfragen und Bestellungen in Ihrem ERP-Umfeld ergänzen kann — als Satellitenlösung neben SAP, Navision oder Sage. In der Live-Demo zeigen wir Ihnen die REST-API, die Web-Oberfläche und die Integration mit Lieferengpass-Daten.
Häufig gestellte Fragen
Welche ERP-Systeme unterstützen MSV3 nativ?
In der Standardkonfiguration unterstützen nur wenige ERP-Systeme MSV3 nativ. VARIO ERP bringt einen integrierten MSV3-Client und -Server mit. SAP erhält MSV3-Fähigkeit über Add-Ons wie snapMSV3service (SAP MM) oder COBI.msv (SAP Business One). Microsoft Dynamics Business Central, Sage 100, proALPHA und die meisten anderen Mittelstands-ERPs bieten keine native MSV3-Unterstützung — hier führt der Weg über Middleware oder REST-API-Gateways wie pharmazie.com.
Was kostet eine MSV3-SAP-Integration?
Die Kosten variieren stark nach Ansatz: Eine individuelle SAP-ABAP-Entwicklung (z. B. über ISC Consulting) liegt typischerweise im fünfstelligen Bereich plus laufende Wartung. Cloud-basierte Lösungen wie snapMSV3service arbeiten mit SaaS-Lizenzen. COBI.msv für SAP Business One ist als Add-On lizenziert. REST-API-Gateways wie pharmazie.com bieten nutzungsbasierte Preismodelle, die besonders für den Einstieg und Pilotprojekte kosteneffizient sind.
Kann ich MSV3 über REST statt SOAP nutzen?
Der MSV3-Standard selbst basiert auf SOAP/WSDL. Eine direkte MSV3-Kommunikation über REST ist nicht möglich, da die Großhändler-Endpunkte ausschließlich SOAP akzeptieren. Über ein REST-API-Gateway wie pharmazie.com können Sie MSV3-Funktionen jedoch als JSON-Endpunkte konsumieren: Das Gateway übernimmt die SOAP-Kommunikation mit den Großhändlern im Hintergrund und stellt Ihnen die Ergebnisse als REST/JSON bereit.
Brauche ich eine Middleware oder reicht eine Satellitenlösung?
Das hängt von Ihrem Integrationsgrad ab. Wenn MSV3-Bestellungen direkt in Ihren ERP-Einkaufsprozess eingebettet sein müssen — mit automatischer Bestellauslösung, Wareneingangsverbuchung und Rechnungsprüfung —, benötigen Sie eine Middleware oder direkte Integration. Wenn Sie MSV3 primär für Verfügbarkeitsprüfungen und Alternativbeschaffung bei Engpässen nutzen, ist eine Satellitenlösung wie pharmazie.com ausreichend und deutlich schneller einsatzbereit.
Wie sicher ist die MSV3-Datenübertragung?
MSV3 schreibt HTTPS mit TLS-Verschlüsselung vor. Alle Verbindungen zwischen Client und Großhändler-Endpunkt sind transportverschlüsselt. Die Authentifizierung erfolgt über Großhändler-spezifische Zugangsdaten im SOAP-Header. Bei REST-API-Lösungen kommt zusätzlich eine API-Key- oder OAuth-2.0-Authentifizierung hinzu. In GxP-regulierten Umgebungen muss die MSV3-Schnittstelle im Rahmen einer Computervalidierung dokumentiert und qualifiziert werden.

