Ziel des Lieferengpassgesetzes: Mehr Versorgungssicherheit durch neue Stellschrauben
- Ausbau der Meldepflichten bei drohenden und bestehenden Lieferengpässen, insbesondere für Arzneimittel mit hohem Marktanteil oder besonderer Versorgungsrelevanz, um frühzeitig Transparenz über kritische Versorgungslagen zu schaffen
- Aufbau eines zentralen Frühwarnsystems beim BfArM, das auf Basis gemeldeter Engpässe, Marktanteile und Wirkstoffrisiken potenzielle Versorgungsprobleme frühzeitig erkennen und bewerten soll
- Gezielte finanzielle Entlastungen für Hersteller von Kinderarzneimitteln sowie ausgewählten versorgungsrelevanten und -kritischen Arzneimitteln, unter anderem durch Lockerungen bei Preisregulierungen und erweiterte Spielräume bei Preisanpassungen, um Produktionsabbrüche und Marktrückzüge zu vermeiden
- Anpassungen bei Rabattverträgen und Festbeträgen, etwa durch eine stärkere Berücksichtigung der Versorgungssicherheit bei Ausschreibungen und eine Begrenzung exklusiver Verträge, um wirtschaftliche Anreize für eine stabile und langfristige Produktion zu erhalten
- Stärkung der europäischen Wirkstoff- und Arzneimittelproduktion bei Ausschreibungen, insbesondere für antibiotische und onkologische Wirkstoffe, um Abhängigkeiten von globalen Lieferketten zu reduzieren und die Resilienz der Versorgung zu erhöhen
Erste Ergebnisse: Wo zeigen sich positive Effekte – und wo nicht?
- Kinderarzneimittel:
- Hier zeigen sich die deutlichsten positiven Effekte. Die Zahl der Lieferengpässe ist seit Inkrafttreten des ALBVVG zurückgegangen. Preisliche Entlastungen haben offenbar dazu beigetragen, bestehende Produktionskapazitäten zu stabilisieren. Allerdings sind kaum neue Hersteller in den Markt eingetreten, was die strukturelle Abhängigkeit bestehen lässt³.
- Versorgungskritische Arzneimittel insgesamt:
- Trotz eines leichten Rückgangs der Gesamtzahl gemeldeter Engpässe ist die Zahl der Engpässe bei als versorgungsrelevant oder -kritisch eingestuften Arzneimitteln nicht gesunken, teils sogar gestiegen⁴.
- Antibiotika und Onkologika:
- Bei Antibiotika ist die Zahl der Engpässe nur minimal zurückgegangen. Für Krebsmedikamente zeigt sich bislang keine nachhaltige Entlastung. Die gewünschte Stärkung europäischer Produktionsstandorte blieb bislang aus⁵.
Stimmen aus dem Gesundheitswesen: Zustimmung und Kritik
- Das Bundesgesundheitsministerium betont, dass das Gesetz wichtige Grundlagen für bessere Transparenz und frühzeitige Interventionen geschaffen habe⁶.
- Herstellerverbände begrüßen gezielte Entlastungen, kritisieren jedoch, dass viele Maßnahmen zu kurzfristig oder zu eng gefasst seien, um strukturelle Probleme globaler Lieferketten zu lösen⁷.
- Krankenkassen verweisen darauf, dass bessere Daten zwar helfen, aber ohne zusätzliche Produktionsanreize langfristig keine nachhaltige Versorgungssicherheit erreicht werde⁸.
Transparenz als Schlüssel: Meldepflichten, Daten und Frühwarnsysteme
- Häufungen bei bestimmten Wirkstoffen
- ungewöhnliche Nachfragespitzen
- zunehmende Marktkonzentration
- lange Engpassdauern bei versorgungskritischen Arzneimitteln
Importregelungen bei Lieferengpässen: Wenn der inländische Markt nicht ausreicht
- Parallelimporte oder
- Sonderimporte nach § 73 AMG
Warum Datenplattformen für alle Marktakteure immer wichtiger werden
- Lieferengpassmeldungen strukturiert auswertbar machen
- historische Entwicklungen sichtbar machen (Dauer, Häufigkeit, betroffene Wirkstoffe)
- Verfügbarkeiten, Preise und Importoptionen zusammenführen
- Marktveränderungen frühzeitig identifizieren, bevor sie die Versorgung erreichen
Was das für die einzelnen Marktakteure bedeutet – und wo datenbasierte Unterstützung ansetzt
Apotheken
Apotheken stehen weiterhin an vorderster Front der Versorgung. Sie müssen Lieferengpässe kurzfristig kompensieren, verfügbare Alternativen identifizieren, Importmöglichkeiten prüfen und Patientinnen und Patienten beraten. Trotz verbesserter Transparenz durch Meldepflichten bleibt der Zeit- und Informationsdruck hoch.
➡️ pharmazie.com unterstützt Apotheken, indem:
- aktuelle und historische Lieferengpassmeldungen strukturiert recherchierbar sind
- Lieferverfügbarkeiten und Alternativen schneller identifiziert werden können
- Hinweise auf therapeutisch nicht ersetzbare Situationen und mögliche Importoptionen zusammengeführt werden
Arzneimittelhersteller
- eine konsolidierte Sicht auf Lieferengpassentwicklungen nach Wirkstoff, ATC oder Produkt
- historische Daten zur Einordnung regulatorischer Effekte
- eine fundierte Datenbasis für Risiko-, Markt- und Produktionsanalysen
Pharmazeutischer Großhandel
- Transparenz über aktuelle und absehbare Engpasssituationen
- bessere Entscheidungsgrundlagen für Bestands- und Dispositionsplanung
- strukturierte Marktinformationen zur Bewertung von Alternativen
Krankenkassen und Versicherungen
- belastbare Engpass- und Marktdaten für versorgungsökonomische Bewertungen
- Grundlagen zur Einordnung regulatorischer Maßnahmen
- Transparenz über Entwicklungen bei versorgungsrelevanten und -kritischen Arzneimitteln
Fazit: Gesetzlicher Rahmen verbessert Transparenz – Daten entscheiden über Wirksamkeit
Das Lieferengpassgesetz verbessert vor allem Transparenz und Datenverfügbarkeit auf regulatorischer Ebene. Ob diese Transparenz jedoch zu besserer Planbarkeit und stabilerer Versorgung führt, hängt maßgeblich davon ab, wie diese Daten genutzt, verknüpft und ausgewertet werden.
Transparenz, valide Daten und kontinuierliche Marktbeobachtung bleiben entscheidend, um Versorgungsrisiken frühzeitig zu erkennen und abzufedern. Hier setzen spezialisierte Informationsplattformen wie pharmazie.com an: Sie helfen Marktakteuren dabei, Lieferengpässe nicht nur zu melden, sondern zu verstehen, einzuordnen und frühzeitig darauf zu reagieren.


